von Ina Müller

Knilz-Pigge

Wenn im Herbst eine unbekannte Nummer bei mir anruft, nehme ich das Telefon immer ab. 
Es könnte sich nämlich um Kundschaft der Pilzkontrolle handeln, die ich in Richterswil ausübe, und ich bin ja stets im Einsatz. 

Es(s) ist kompliziert

Wenn zwei sich streiten, lacht der Dritte – gar nicht. Auf der Suche nach einer griffigen Therapie gegen Esssucht und Übergewicht kann eine:r sich schon einmal vorkommen wie die blinde Kuh, die zwischen wissenschaftlichen und populärpsychologischen Verheissungen ahnungslos herumtapst.

Ärgerbnb / Queasyjet (1)

Man soll ja keine Billigferien buchen. Nun hatte ich aber grad nicht so viel flüssig und grossen Meeresbedarf. In einem südfranzösischen Badeort wollte ich von Auffahrt bis Pfingsten via Airbnb logieren.

Morgenstund’ im Maien

«Alles neu macht der Mai» – so dachte ich zwar nicht; der Mai ist schliesslich auch nicht mehr, was er einmal war, mittlerweile mehr Sommer als Frühling. Aber sei’s drum. Da ich schon keinen Neujahrsvorsatz gefasst habe, will ich dieses Motto eines immer wiederkehrenden Neubeginns nun für meinen neusten Spleen zum Vorwand nehmen.

Postcoronale Verwirrungen

Corona ist vielleicht schon bald Geschichte – hinterlässt aber landauf, landab geistige Verwüstungen. Auf Telegram sucht jemand: «eine Person im Raum Zürich, die aktuell Corona hat – ich hätte gerne ein paar Fragen.» Das ist wohl die maximale Verwirrung.

Schuld, Rache, Krieg

Als junge Mutter in schwierigen Lebensumständen wurde ich von überwältigenden Schuldgefühlen meinem Kind gegenüber geplagt. Vieles lief weit weg von ideal, und es betraf kein solch triviales Versagen – wie etwa eine unaufgeräumte Wohnung oder versäumtes Früh-Chinesisch – worüber man mit einer lockereren Haltung hätte hinwegsehen können. FreundInnen und Mitmütter, denen ich mein Leid klagte, schienen elterliche Schuldgefühle kategorisch abzulehnen. Nur meine Schwiegergotte, eine zutiefst religiöse Frau, verstand mich auf Anhieb.

Abschütteln, weitermachen

Für einmal ringe ich um Worte. Wie packe ich ein Thema an, von dem wir alle – ad nauseam und wieder zurück – dermassen die Schnauze voll haben, dass wir nie, nie, nie mehr davon hören wollen, auf das wir aber wie in einem nicht enden wollenden kafkaesken Alptraum ständig wieder gestossen werden? 

Suchthirni

Vor zwanzig Jahren habe ich das Rauchen aufgegeben. Davor hatte ich schon einmal zehn Jahre lang nicht gepafft. Warum fing ich überhaupt wieder an? Nun – ich fühlte mich zu einem kleinen Exzess berechtigt, hatte ich doch während Schwangerschaft und Stillzeit weder geraucht noch Alkohol getrunken. Das Bravsein hing mir plötzlich zum Hals raus. Ich wollte über die Stränge schlagen, suchte den Anschluss an gleichaltrige Ungebundene und mein früheres, vor-mütterliches Leben als Draufgängerin. Eine Art Midlife-Crisis.

Mehr schlecht als recht

Ein Stiefvater schenkte jüngst seiner Stieftochter, die sich bekennendermassen gleichgeschlechtlicher Liebe erfreut, ein hübsches Abziehbild vom Dike-Verlag. Denn er arbeitet da. Das ist natürlich kein Lesben-, sondern ein juristischer Verlag. Während sie dies nicht wusste, so wusste er seinerseits nicht, was eine dyke ist. Ich hab dreimal gelacht: Einmal über das treffende Geschenk, dann als…