von Ina Müller

Stilblüten II

Da man mich im Erwerbsleben gerade nicht benötigt, richtete ich mir ein Textil-Atelier ein. Ich setzte bewusst auf gebrauchte Einrichtung und Materialien. Das ist zwar umständlicher, als Neues zu kaufen, aber auch unterhaltsamer: Was eine nicht alles antrifft, wenn sie etwa nach «Restposten» sucht…

Stilblüten

In «Songs of the Silent Snow» beschreibt Hubert Selby die Entspannung, die seinen Protagonisten überkommt, sobald er feierabends im Bus die vermischten Meldungen über all die Verbrechen und Katastrophen liest, die sich am Tage ereignet hatten, während er im Büro sass. Ganz ähnlich ergeht es mir mit den Stilblüten, die im Blätterwald munter gedeihen, seit Medien zu Renditeobjekten degradiert wurden und in den Redaktionen das grosse Korrektorats-Sterben (oder wohl eher -Abmurksen) um sich greift.

Briefwechsel

Manchmal wird die Schreiberin von Ihrem ‹Stoff› rechts überholt. Verbales Fernlichtblitzen vertreibt poetischen Müssiggang: «Liebe XY, anbei ein Einschreiben an IM und das ich hiermit Ihnen in Kopie per E-Mail zukommen lasse. Ich bitte Sie um unverzügliche Räumung Ihrer Gegenstände. Bedauerlicherweise kann IM die Räume nicht mehr unbeaufsichtigt betreten, weil Diebstahlsbezichtigungen vorliegen und weitere Wirren vermieden werden müssen. Sie wird mit mir oder mit euch für einen Räumungstermin Kontakt aufnehmen müssen.»

Alles auf Zucker? (2)

Ich nehme an, dass Sie die Null­Zu­cker­Challenge, die ich vor drei Wochen ausgerufen habe, ausgeschlagen haben. Dann bin ich also Siegerin, tadaa!

Tratschtanten / Diogenes

Viel zu lange haben Frauen den Fehler bei sich gesucht, sich mangelndes Durchsetzungsvermögen, Geschwätzigkeit, fehlende Ratio oder eine Opferhaltung einreden lassen. Hier wird das Mansplaining als Teil einer anerzogenen «toxischen Männlichkeit» thematisiert, die Frauen und Männer gleichermassen überfordert.

Bla, bla, bla

Das Leben aus der Froschperspektive … Die Welt- und Wetterlage schlägt aufs Gemüt. Man kommt einfach nicht hoch. Sitzt auf der untersten Stufe der Leiter und hat nichts zu Quaken. Steckt in diesem  Gurkenglas fest. Womit liesse sich die Zeit vertreiben – und wozu eigentlich? Sie zerrinnt ohnehin zwischen den Schwimmhäuten, schleichend und rasend zugleich.

Weisheiten

Wenn die Welt, wie in Zeiten der Pandemie, ins Schlingern gerät, sucht manch eine bei fernöstlichen Weisheiten Zuflucht. Sie verhelfen zur heilsamen Distanz, zur Relativierung des eigenen Elends und zur nötigen Gelassenheit im Angesicht des Unabänderlichen. Selbst Ihre sich üblicherweise der Spiritualität abstinierende Kolumnistin führt sich jetzt mehrmals täglich erbauliche Sprüche zu Gemüte. 

Fussstapfen

Eine neue Generation tritt in unsere Fussstapfen! Das tut sie natürlich nur bedingt – sie findet ihren eigenen Weg, und das ist auch gut so; selbst wenn ich logischerweise nicht mit allen neuen Ideen einverstanden bin.

Äh … VBZ? Tiefbauamt?

Habt ihr nicht irgendwie einen öffentlichen Auftrag, der Bevölkerung der Stadt Zürich möglichst gefahrenfreies Fortkommen zu ermöglichen? Da frage ich mich doch, wo genau es bei euch beiden klemmt! Nur falls es euch entgangen sein sollte: Wir haben grad Pandemie, und wie! Drei neue, aggressive Mutationen machen uns das Leben schwer. Wir versauern im Homeoffice und kriegen kaum Bewegung.

Im Januarloch

«I‘ve been down so very damn long that it looks like up to me» sang Jim Morrison im Vorschlag­hammer-Blues «Been Down So Long» in den frühen 1970er-Jahren. Das kommt vielleicht nicht nur mir anlässlich der aktuellen Lage bekannt vor.