Category Kolumne Post Scriptum

Banalität des Irrsinns

Ich versuche ja, das zu verstehen, ehrlich, aber einfach ist das nicht. Ich versuche zu verstehen, warum langsam aber sicher alle durchdrehen, bloss weil sie eine Maske aufhaben müssen und nicht mehr ganz alles so ausleben können wie das früher eventuell einmal war.

Beängstigend

Ich habe immer damit gerechnet, dass es passiert, jetzt ist es soweit. Ich sitze da, lange nach der Deadline, und es will mir nichts einfallen für diese Kolumne. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Pilz, Pilze, Pilze!

In der Pilzkontrolle spüren wir einen ungebrochenen Boom des selbstversorgerischen, veganen und coronatauglichen Frischlufthobbys des Pilzesammelns. Die Trendigkeit hat natürlich auch ihre Schattenseiten, und so gab es letztes Jahr einen Rekord an Pilzvergiftungen zu verzeichnen. Als Ursachen gelten der Glaube an Ammenmärchen, wonach jeglicher Giftpilz mit irgendeinem Hausmittelchen zweifelsfrei ermittelt werden könne, aber auch Pilzapps, mit deren Anwendung Anfänger sich in falscher Sicherheit wiegen, sowie die unsachgemässe Handhabe von Speisepilzen.  

Ungeduld

«Macht kaputt, was euch kaputt macht!» Dass der Klimawandel nicht nur uns kaputt macht, sondern sogar sehr gut geeignet ist, die ganze Welt ziemlich viel kaputter zu machen, ist langsam so jeder und jedem klar. Und dass hinter dem Klimawandel ein paar systemische Problemchen und Fehlentwicklungen stecken, man kann sie kapitalistisch nennen oder auch nicht, ist auch kein Geheimnis.

Velorouten

Ich zeigte ihm den Finger. Und dann sagte ich folgenden Satz: «Du hirnloses Arschloch, ich fahre länger E-Bike, als du denken kannst.» Also natürlich sagte ich das nicht. Ich brüllte es, sonst hätte er mich gar nicht gehört, über diese Autos hinweg, die zwischen uns fuhren da auf dem Seilergraben.

Hoppla Georgette!

Zu dümmlicher, dämlicher, peinlicher Werbung habe ich ein ausgeprägt gespaltenes Verhältnis. Sie quält, belustigt, verärgert und erhebt mich gleichermassen. Wenig Erbauung und viel Fremdschämen verursacht bei mir besonders die unerträgliche Mundart, die durch Direktübertragung aus schriftlichem Hochdeutsch entsteht: «Für frischä Atem spüeled Si ihre Mund mit Schaumi!», und «Mit em Flaumi Wischmopp erreiched Si jede Winkel vo dä Träppe!», aber «Spräched Si davor mit irem Arzt über möglichi Näbewürkige». Ich war schon öfters drauf und dran, mein Körbchen irgendwo abzustellen und unverrichteten Einkaufs ein solcherart beschalltes Ladengeschäft fluchtartig wieder zu verlassen. 

Diskurs in der Enge

Recht haben ist nicht immer lustig. Es kommt leider, wie ich gesagt habe, die Debatte über die Begrenzungsinitiative nimmt den erwarteten unerwünschten, falschen Verlauf. Wir reden tatsächlich und allen Ernstes über ökologische Überbelastung aufgrund der Zuwanderung, das Wort «Dichtestress» ist salonfähig geworden, und dass unsere S-Bahnen überfüllt seien, wird unwidersprochen hingenommen, auch wenn die Auslastung über alles nur etwa bei 35 Prozent liegt. Und an all dem sei die Zuwanderung schuld, auch das wird kaum dementiert, es wird einzig erwähnt, sie sei halt leidergottes nötig für unsere Wirtschaft und die Altersvorsorge.

Sackgasse

Solange eine Gesellschaft es für auch nur annähernd vertretbar hält, nicht beiden Elternteilen Zeit mit dem frischgeborenen Kind ermöglichen zu wollen, kommen wir keinen Schritt weiter. Solange es nicht eine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Mutter und Vater nach der Geburt zu gleichen Teilen um das Kind kümmern, bleibt die arbeitende Mutter die Abweichung von der Norm. Solange ArbeitgeberInnen nur den Mutterschaftsurlaub organisieren müssen, nicht aber den des Vaters, werden Frauen bei Anstellungen systematisch diskriminiert bleiben. 

CoroNasowas!

Ich verstehe daher diese Corona-Protestierenden immer noch nicht. Sind die nicht froh, dass die Lepra, die Pocken und die Pest hierzulande ausgerottet sind? Würden die auch mit Tuberkulose- oder Ebola-Kranken eine Telefonzelle teilen? Macht es ihnen keinen Eindruck, dass in Schweden, wo kaum Schutzmassnahmen getroffen wurden, die Sterblichkeit dieses Jahr so hoch war, wie seit über 150 Jahren nicht mehr? Mich irritiert diese irrationale Verantwortungslosigkeit einer wohlstandsverwöhnten Gesellschaft, die sich keiner Einschränkung beugen will.

Bild von Markus Kunz

Wandern. Eine Polemik

Eins ist klar: Bill Gates hat Corona nur erfunden, damit ich gezwungen war, vier Wochen zu wandern. Nicht grad am Stück, aber fast. Falls Ihnen diese Logik etwas zu sprunghaft erscheint, entwickle ich das gerne ganz ausführlich, zum Mitleiden.