Category Kolumne Post Scriptum

Egoistengejammer

Auch in der Ägäis ist jetzt Winter. Wie bei uns. Minustemperaturen und viel Schnee. Wart ihr auch schlitteln? Eine blöde Idee, muss ich im Nachhinein sagen, obwohl ich völlig im Rausch war ob dem Weiss, der Sonne, dem blauen Himmel.

Im Januarloch

«I‘ve been down so very damn long that it looks like up to me» sang Jim Morrison im Vorschlag­hammer-Blues «Been Down So Long» in den frühen 1970er-Jahren. Das kommt vielleicht nicht nur mir anlässlich der aktuellen Lage bekannt vor.

Exponentiell, hoffentlich

Und es geht weiter. Nichts hat sich verändert, das Pingpong verschärft sich sogar noch. Lächerlich. Wie wenn die Verantwortlichen sich nicht durch Zahlen, sondern durch ihre Wahrnehmung dieser Zahlen leiten liessen. Offenbar wissen noch lange nicht alle, was «linear» genau heisst oder was «exponentiell» bedeutet. Zumindest tun manche so, wie wenn sie damals in der Mathi einen Fensterplatz gehabt hätten.

Küsse in Cheb

Der Zug stand still im Bahnhof in Cheb, es war Nacht, kalt, die Bahnsteige menschenleer und kaum beleuchtet, es war Anfang der 1990er, nur wenige Jahre nach der Wende. Was für eine Geschichte, denke ich immer, wenn mein Mann sie mir erzählt, und er muss sie mir oft erzählen, denn wie könnte man sich auch satthören und sattdenken an diesem Bild einer nebelverhangenen Grenzstadt, Cheb, diesem Niemandsland an der deutsch-tschechischen Grenze, dieser Gegend der Vertriebenen und Angesiedelten.

Zweimal empörend

Vielleicht haben Sie, geneigte Leserin, dem physiognomischen Durchschnitt entsprechend, auch keinen Riesenzinken im Gesicht und fühlten sich in Ihrem Frust bestätigt, als endlich einmal das Thema der One-size-fits-all-Maske im täglichen Gratisblatt abgehandelt wurde.

Last Exit Corona

Es war neblig und es war dunkel, also war es nicht überraschend, dass ich ihn erst nach einer Weile bemerkte, den Tod. Er ging neben mir her, übrigens weder kleiner noch grösser als ich, weshalb ich ihn wohl übersehen hatte, aber bald gerieten wir ins Plaudern (wobei ich zuerst reflexartig meine Maske anziehen wollte, es dann aber bleiben liess. So etwas nennt man Situationskomik.)

Haha

Im Grunde genommen ist es ja lustig. Nein, im Ernst, wenn man das von der richtigen Seite aus anschaut, dann muss man durchaus auch lachen. 

Schule auf oder zu?

Meine Kolleginnen von der Primarschule und den schulischen Therapieangeboten sind für mich Heldinnen. Den ganzen Tag lang werden sie von schniefenden, triefenden, niesenden Kindern umwuselt, während man so langsam zur Einsicht kommt, dass die Gruppe der unter Zwölfjährigen als Viren-Verteiler bisher unterschätzt wurde.

Lebenslüge

«Eigenverantwortung, die [Subst.]: Feenhafte Gestalt aus dem liberalen Märchenbuch. Wird sehr oft gesichtet, wurde aber noch nie nachgewiesen. Siehe auch: Einhorn» Soweit der Duden. Oder so ähnlich, bin nicht mehr sicher.

Zynische Zwillinge

Ruth Humbel ist CVP-Nationalrätin aus dem Kanton Aargau, ausgebildete Primarlehrerin, Juristin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern, ehemalige erfolgreiche Orientierungsläuferin, Verwaltungsrätin, 63 Jahre alt. Ruth Humbel ist wie ich.