Category Kolumne Post Scriptum

Herzige Demokratie

Postenschacher und Gegengeschäfte sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil österreichischer Politik. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das zwar immer wusste, es war ja kein Geheimnis, aber nie so richtig verurteilte. Nicht mal Ibiza-Strache fand ich dramatisch schlimm, mehr so typisch. Die Ereignisse der letzten Tage haben mich diesbezüglich ein wenig verunsichert.

Briefwechsel

Manchmal wird die Schreiberin von Ihrem ‹Stoff› rechts überholt. Verbales Fernlichtblitzen vertreibt poetischen Müssiggang: «Liebe XY, anbei ein Einschreiben an IM und das ich hiermit Ihnen in Kopie per E-Mail zukommen lasse. Ich bitte Sie um unverzügliche Räumung Ihrer Gegenstände. Bedauerlicherweise kann IM die Räume nicht mehr unbeaufsichtigt betreten, weil Diebstahlsbezichtigungen vorliegen und weitere Wirren vermieden werden müssen. Sie wird mit mir oder mit euch für einen Räumungstermin Kontakt aufnehmen müssen.»

Schöne Künste

Am schlimmsten sind die Skandale, an die sich alle gewöhnt haben. Am Pfauen steht seit einiger Zeit ein Monsterklotz, vulgo Erweiterungsbau für das Kunsthaus. Der Bau wird hauptsächlich dadurch legitimiert, dass die Stadt eine Kunstsammlung ausstellen will, die ausschliesslich mit Blutgeld erworben werden konnte. Das findet eigentlich im Grunde genommen niemand wirklich, wirklich schlimm.

Über den Wohlstand

Ich möchte euch über meinen Wohlstand berichten. Ich fuhr nämlich mit dem Velo durch die Freiestrasse, das ist noch unter dem eigentlichen Züriberg, aber, nun, es ist irgendwie Züriberg.

Alles auf Zucker? (2)

Ich nehme an, dass Sie die Null­Zu­cker­Challenge, die ich vor drei Wochen ausgerufen habe, ausgeschlagen haben. Dann bin ich also Siegerin, tadaa!

Von Vielen und Wenigen

Ungleichheit, vorab materielle, ist überhaupt kein Problem. Das Problem ist höchstens, dass solche Sprüche nur von den Wohlhabenden kommen, kaum von den Habenichtsen. Ungleichheit, und wir reden hier nicht von der Banalität, dass wir alle etwas unterschiedlich sind, ist im Gegenteil eine halbe Katastrophe für eine Gesellschaft.

Gasche nitte suffe!

Den Kapitalismus überwinden, das hat sich die SP ja noch immer ins Parteiprogramm geschrieben. Nicht der Mensch solle im Dienst der Wirtschaft stehen, sondern die Wirtschaft im Dienst des Menschen. Finde ich cool. Geht runter wie ein kühles Bier.

Hühnerbrust

«Eigentlich», so sagte M. kürzlich zu mir, «eigentlich schreibst du gar keine Kolumnen. Du schreibst Pamphlete.» Ich zeigte mich zerknirscht und gelobte Besserung. Und so erzähle ich Ihnen heute einfach nur eine kleine Geschichte. Ich habe sie kürzlich in einem Dokumentarfilm gesehen, sie ist nicht mehr ganz taufrisch, dafür aber wahr. Falls sie es nicht…

Nicht in meinem Namen

Die Reduktion der Frau auf die Mutterrolle, das heisst die Übertragung aller Haus- und Betreuungsarbeiten auf sie, ohne Erwerbsarbeit ausser Haus, war damals wie heute der sichere Weg ins Verderben. Ich will keine Frau sein, die geehrt wird dafür, dass sie das tut, was die Natur ihr alleine vorbehält, nämlich gebären. Dahin will ich nicht wieder zurück, nein, und deshalb will ich eine Elternzeit, die paritätisch ist.

Versuchskaninchen

Das Coronavirus bringt uns auseinander, es spaltet die Gesellschaft in zwei Lager, die nur noch schwer miteinander reden können. Ich war von Anfang an im Lager der Massnahmen-Befürworter (bei aller Kritik an den Erlassen im Detail), bin mittlerweile geimpft und bewege mich in einem Umfeld, wo fast alle ähnlich denken wie ich. Mit Leuten, die…