Category Kolumne Post Scriptum

Tratschtanten / Diogenes

Viel zu lange haben Frauen den Fehler bei sich gesucht, sich mangelndes Durchsetzungsvermögen, Geschwätzigkeit, fehlende Ratio oder eine Opferhaltung einreden lassen. Hier wird das Mansplaining als Teil einer anerzogenen «toxischen Männlichkeit» thematisiert, die Frauen und Männer gleichermassen überfordert.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Am hellichten Tag

Demokratien sterben nicht mit einem Knall, meinten die Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt in ihrem Buch «How Democracies die», sie sterben mit einem Wimmern, durch einen langsamen, aber stetigen Angriff auf die Institutionen, auf die Presse und die Gerichte. Dieser Angriff ist schon lange im Gang.

Grundrechte

Es ist schade, dass die Debatte über die beiden Landwirtschaftsinitiativen falsche Fronten generiert, weil wir nicht fähig sind, die wahren Gegner auszumachen, etwa Giftproduzenten, LobbyistInnen, falsche Beratung. Eine Nahrungsmittelproduktion, welche die Menschen vor eine solche Alternative stellt, kann gar nicht auf Dauer bestehen, weil die Natur nicht mitmacht.

Fast normal

Auf jeden Fall fieberte ich auf diesen Moment hin, mich ohne Spange im Spiegel zu sehen, und dann passierte genau das, was heute passiert ist, nachdem der Bundesrat dieses Licht am Ende des Tunnels präsentierte: Irgendwie nichts, gepaart mit ein wenig Melancholie, eine Schwermütigkeit ergriff mich und auch die Erkenntnis, dass es damit gar nicht getan ist. Es lag ja alles gar nicht allein an der Zahnspange! Es lag ja alles gar nicht allein an der Pandemie. 

Bla, bla, bla

Das Leben aus der Froschperspektive … Die Welt- und Wetterlage schlägt aufs Gemüt. Man kommt einfach nicht hoch. Sitzt auf der untersten Stufe der Leiter und hat nichts zu Quaken. Steckt in diesem  Gurkenglas fest. Womit liesse sich die Zeit vertreiben – und wozu eigentlich? Sie zerrinnt ohnehin zwischen den Schwimmhäuten, schleichend und rasend zugleich.

Problempersonal

Wie war das nochmals mit der Macht in Zürich? Liegt sie bei Rot-Grün, das die Stadtregierung seit Jahrzehnten dominiert?

Korrekt gendern

Bis vor einigen Jahren war ich mit der Binnen-I-Schreibung modern und feministisch; doch neuerdings setze ich mich damit dem Verdacht aus, ich wolle die Transmenschen ausschliessen. Technisch gesehen gibt es zwischen LeserInnen, Leser*innen, Leser_innen und Leser:innen keinen Unterschied, es sind nur andere Zeichen, doch irgendwer hat definiert, dass LeserInnen nur Männer und Frauen einschliesse, Leser*innen aber alle anderen auch. Und damit wird das Gendern politisch, denn es gibt gar keine neutrale Form mehr.

Aktionärsverantwortung

Es wird Zeit, darüber nachzudenken, wie die AnlegerInnen an den Kosten der Wirtschaft beteiligt werden können. Beispielsweise mit einer Aktionärsverantwortungsinitiative.

Wem sini Zuekunft?

Als meine erste Enkelin vor drei Jahren auf die Welt kam, realisierte ich plötzlich und mit Schrecken, dass sie alle Chancen hat, das Jahr 2100 zu erleben. 2100 gilt in der Nachhaltigkeitsforschung als Annus horribilis.

Zu gross.

Ich muss es aufschreiben. Wiedergeben. Nicht weil es etwas ändert. Aber vielleicht wird es dadurch erträglicher. Denn diese Zahlen sind zu gross für mich. Einfach zu gross.