Category Kolumne Post Scriptum

Hühnerbrust

«Eigentlich», so sagte M. kürzlich zu mir, «eigentlich schreibst du gar keine Kolumnen. Du schreibst Pamphlete.» Ich zeigte mich zerknirscht und gelobte Besserung. Und so erzähle ich Ihnen heute einfach nur eine kleine Geschichte. Ich habe sie kürzlich in einem Dokumentarfilm gesehen, sie ist nicht mehr ganz taufrisch, dafür aber wahr. Falls sie es nicht…

Nicht in meinem Namen

Die Reduktion der Frau auf die Mutterrolle, das heisst die Übertragung aller Haus- und Betreuungsarbeiten auf sie, ohne Erwerbsarbeit ausser Haus, war damals wie heute der sichere Weg ins Verderben. Ich will keine Frau sein, die geehrt wird dafür, dass sie das tut, was die Natur ihr alleine vorbehält, nämlich gebären. Dahin will ich nicht wieder zurück, nein, und deshalb will ich eine Elternzeit, die paritätisch ist.

Versuchskaninchen

Das Coronavirus bringt uns auseinander, es spaltet die Gesellschaft in zwei Lager, die nur noch schwer miteinander reden können. Ich war von Anfang an im Lager der Massnahmen-Befürworter (bei aller Kritik an den Erlassen im Detail), bin mittlerweile geimpft und bewege mich in einem Umfeld, wo fast alle ähnlich denken wie ich. Mit Leuten, die…

Wenn…

Wenn etwas nervt, dann das, dass wir nach der verlorenen Abstimmung scheints auch noch den Siegern zuhören müssen, auch wenn sie nichts Neues vertreten, sondern nur ihre alten Interessen. Dabei war das CO2-Gesetz derart weich(sinnig) gespült, dass man sich fragen darf, ob das nicht sein Untergang gewesen ist. Dennoch schreien sie nun nach noch ‹liberaleren› Ideen, nach noch sorgsamerer Schonbehandlung der Erdölwelt oder nach Gaskraftwerken, die man aber, das muss man sich mal vorstellen, sofort klimakompensieren müsste. Das ist, wie wenn man sagen würde, ihr dürft schon mit Stinkbomben werfen, aber nur, wenn ihr gleichzeitig Duftbäumchen aufhängt. 

Egal

Das Lehrstück erreichte damit die Vollendung, denn das Zielen auf die persönliche Ebene und vor allem die Form, statt den Inhalt, wenn die Frau nicht pariert, ist sozusagen die Krönung und Sinnbild für das Beziehungsgefälle zwischen Mann und Frau.

Tratschtanten / Diogenes

Viel zu lange haben Frauen den Fehler bei sich gesucht, sich mangelndes Durchsetzungsvermögen, Geschwätzigkeit, fehlende Ratio oder eine Opferhaltung einreden lassen. Hier wird das Mansplaining als Teil einer anerzogenen «toxischen Männlichkeit» thematisiert, die Frauen und Männer gleichermassen überfordert.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Am hellichten Tag

Demokratien sterben nicht mit einem Knall, meinten die Harvard-Professoren Steven Levitsky und Daniel Ziblatt in ihrem Buch «How Democracies die», sie sterben mit einem Wimmern, durch einen langsamen, aber stetigen Angriff auf die Institutionen, auf die Presse und die Gerichte. Dieser Angriff ist schon lange im Gang.

Grundrechte

Es ist schade, dass die Debatte über die beiden Landwirtschaftsinitiativen falsche Fronten generiert, weil wir nicht fähig sind, die wahren Gegner auszumachen, etwa Giftproduzenten, LobbyistInnen, falsche Beratung. Eine Nahrungsmittelproduktion, welche die Menschen vor eine solche Alternative stellt, kann gar nicht auf Dauer bestehen, weil die Natur nicht mitmacht.

Fast normal

Auf jeden Fall fieberte ich auf diesen Moment hin, mich ohne Spange im Spiegel zu sehen, und dann passierte genau das, was heute passiert ist, nachdem der Bundesrat dieses Licht am Ende des Tunnels präsentierte: Irgendwie nichts, gepaart mit ein wenig Melancholie, eine Schwermütigkeit ergriff mich und auch die Erkenntnis, dass es damit gar nicht getan ist. Es lag ja alles gar nicht allein an der Zahnspange! Es lag ja alles gar nicht allein an der Pandemie. 

Bla, bla, bla

Das Leben aus der Froschperspektive … Die Welt- und Wetterlage schlägt aufs Gemüt. Man kommt einfach nicht hoch. Sitzt auf der untersten Stufe der Leiter und hat nichts zu Quaken. Steckt in diesem  Gurkenglas fest. Womit liesse sich die Zeit vertreiben – und wozu eigentlich? Sie zerrinnt ohnehin zwischen den Schwimmhäuten, schleichend und rasend zugleich.