Category Gedanken zur Woche

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Keine Überraschung

Die grosse Überraschung blieb aus. Die Umfragen hatten bei allen eidgenössischen Vorlagen klare Resultate vorhergesehen. Unklar blieb einzig, ob die rekordhohe Stimmbeteiligung – es war die vierthöchste Stimmbeteiligung seit 1971 – einen Unterschied machen würde.

Nur gratis ist Prävention wirksam

In Zürich, der Stadt, die weltweit für ihre hohen Kosten und Preise bekannt ist, gibt es bald etwas gratis: Letzte Woche gab der Stadtrat bekannt, dass er ab Herbst 2022 ein Pilotprojekt für gratis Tests für sexuell übertragbare Krankheiten lanciert. Zürich wäre damit die erste Stadt in der Schweiz mit einem solchen Angebot.

Erreger und Erregung

Bis vor Kurzem hielt ich das Gerede rund um die Spaltung der Gesellschaft für völlig übertrieben. Mittlerweilen bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich werde mit Überzeugung Ja stimmen zum Covid-19-Gesetz, bin selber geimpft, halte das Zertifikat für sinnvoll und gut gemacht und kann nur schwer nachvollziehen, warum jemand sich nicht impfen lassen will.

Mythos Miliz

Von allen schweizeri­schen Mythen Kühen ist mir ja das Milizsys­tem der Liebste. Ich finde es richtig, wenn PolitikerInnen noch einen Fuss im Berufs­ leben haben, im Alltag verankert sind.

Hat die Pandemie ein Geschlecht?

Helen Lewis schrieb noch relativ zu Beginn der Corona-Pandemie einen vielbeachteten Artikel in «The Atlantic» zu den Auswirkungen von Corona auf die Frauen. Corona, so Lewis, sei eine Katastrophe für den Feminismus und werfe die Frauen um Jahrzehnte zurück. Denn die Pandemie habe die Abmachung vieler Paare infrage gestellt, wonach beide erwerbstätig sein können, weil jemand anderes auf die Kinder schaut. Was ist dran an Lewis’ These?

Strom- oder Spar-Lücke?

Eine alte Bekannte, die «Stromlücke», heute «Strommangellage» genannt, taucht mal wieder auf: Am 14. Oktober las ich in der NZZ, «47 Stunden ohne Strom: Das könnte der Schweiz schlimmstenfalls ab 2025 blühen, wenn nach einem harten Winter die Stauseen praktisch leer sind und nicht genug Strom importiert werden kann». Diese Angaben stammen aus dem ungünstigsten Szenario einer aktuellen, im Auftrag des Bundes erstellten Studie.

Demokratierelevant

Vor ein paar Tagen erschien im Magazin ‹The Atlantic› eine längere Geschichte über einen Hedge Fund (Alden Global Capital), der in den USA sukzessive lokale Zeitungen – darunter auch grosse wie die ‹Chicago Tribune› oder die ‹Baltimore Sun› – aufkauft. Dem Hedge Fund geht es dabei nicht um den Journalismus, sondern darum, Gewinn zu erzielen. Das Überleben der Zeitung ist Alden Global Capital egal.

Die hässliche Seite

«Facebook und die grossen Tech-Firmen erleben ihren Tabak-Moment», sagte der US-amerikanische Senator Richard Blumenthal. Er meinte damit, dass jetzt rausgekommen sei, dass Facebook und Soziale Medien – wie Zigaretten – süchtig machen und die Firmen wie damals die Tabakkonzerne dies genau wüssten und sogar noch absichtlich verschlimmert hätten. Der Anlass: Das Hearing mit der ehemaligen Facebook-Angestellten und Whistleblowerin Frances Haugen.

Mit Tempo in die Krise?

Ich kam im Frühling 1980 in die Kanti. Einer unserer Lehrer, Herr Leuzinger, war Naturwissenschaftler und ein gmögiger Glarner, aber sicher kein Linker. Ein Spruch von ihm ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: «Eine Tonne Blech in Bewegung zu setzen, um 70 Kilo Leuzinger von A nach B zu transportieren, ist Verhältnisblödsinn.»

Neue Nüchternheit?

64,1 Prozent der Stimmbevölkerung sagten klar Ja zur Ehe für alle. Ja sagten auch alle Kantone, sodass die Ehe für alle auch locker das Ständemehr erreicht hätte, das aber hier gar nicht nötig war. Wir haben immer im Abstimmungskampf und in der Kommissionsberatung betont, dass die Bevölkerung hier wohl weiter ist als Parlament und Bundesrat. Jetzt hat sich dies eindrücklich bestätigt.