Category Gedanken zur Woche

Zeichen und Zeitgeist

Rassismus und Kolonialisierung ist ein Teil unserer Geschichte und teilweise auch unserer Gegenwart. Um dies zu überwinden, müssen wir das Problem erst verstehen. Dazu gehört auch die Geschichte. Zudem sind Bauten und Werke oft in einer Zeit entstanden, die andere Massstäbe hatte. Der Umkehrschluss ist aber nicht gültig: Nicht alles, was daneben ist, muss auch behalten werden.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Der J-Faktor

Wer jung ist, ist nicht immer vernünftig, und das ist durchaus das Privileg der Jugend. Nicht umsonst spricht man von Jugendsünden. Es ist auch nur folgerichtig, dass alle, die nicht jung sind, nicht immer Verständnis für die Jungen haben, und Verständnis ist hier durchaus im doppelten Sinn gemeint. Es geht nicht nur um Wohlwollen. Manchmal checkt man es auch einfach nicht.

Nullsummenspiel

Soeben ist die deutsche Übersetzung von Amanda Gormans Gedicht «The hill we climb» erschienen. Die junge Poetin hatte es anlässlich der Inauguration von Joe Biden vorgetragen. Rund um Gormans Gedicht ist eine grössere Kontroverse ausgebrochen. Im Mittelpunkt stehen aber weder Gorman noch ihr Gedicht, sondern die Übersetzung. Sowohl in den Niederlanden wie auch Spanien wurde die Wahl der ÜbersetzerInnen als unpassend kritisiert, der Auftrag wäre besser an eine Woman of color gegangen.

Positive Velokultur?

Dass sie die Welt nicht neu erfinden, ist den MacherInnen der Velostrategie natürlich ebenso bewusst wie die Tatsache, dass der Masterplan doch nicht ganz so meisterlich funktioniert hat, wie man es sich seinerzeit erhofft hatte.

Denkwürdiges Jubiläum

Ein Jahr Corona. Ein denkwürdiges Jubiläum. Auf Twitter kursierte die Frage, was man seinem Ich vor einem Jahr mit dem heutigen Wissen mitgeben würde. Ich wüsste nicht viel zu sagen. Ausser: Du sollst den Sauerteig von Nicole auch nach dem Lockdown weiterpflegen. Vor allem hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht, dass es so lange dauert. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich das wohl meinem Ich vor einem Jahr nicht sagen. Dabei kann ich nicht klagen. Homeoffice geht bei mir gut. Die Absage von Veranstaltungen hat mir viele freie Abende beschert, die ich nicht missen möchte. In den Ausgang ging ich auch vorher nur selten.

Irrungen, Verwirrungen

Im Prinzip war man sich ja einig, dass die Vollverschleierung ein Problem ist, das die Schweiz höchstens am Rand betrifft, da es in der Schweiz kaum Frauen gibt, die einen Niqab tragen. Der radikale Islam ist ein Problem, hat aber mit der überwältigenden Mehrheit der Schweizer Muslime nichts zu tun. Die Vollverschleierung ist aber dennoch ein durchaus problematisches Symbol.

Die zweite Spalte

Es gab eine Anekdote, die man sich bei einer Gewerkschaft erzählt. Darin habe man einmal, vor langer Zeit, vielleicht in den 1970er-Jahren, bei der Gewerkschaftszeitung die Idee gehabt, man wolle doch auch mal die Frauen ein wenig besser ansprechen. Mit einer Kolumne mit Themen für die Frau. Sie hiess «Die Spalte der Frau». Sie erschien nur einmal. Die Zweideutigkeit ist den Zeitungsmachern erst nach Erscheinen aufgefallen.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Wo WählerInnen wandern

Die elektorale Zukunft der sozialdemokratischen Parteien war schon oft Thema dieser Kolumne. Jetzt haben die PolitikwissenschaftlerInnen Silja Häusermann und Herbert Kitschelt und weitere AutorInnen drei Papiere für die deutsche Friedrich-­Ebert-Stiftung zum Thema beigesteuert. Sie zeigen darin auf, was mögliche Gründe für die Wählerverluste von sozialdemokratischen Parteien in Europa sind, wohin die Wählerinnen und Wähler gewandert sind und welche strategischen Optionen für die Sozialdemokratie bestehen, diese Wählerinnen und Wähler allenfalls wieder zurückzugewinnen.   

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Figgi und Müli

Was man sich noch vor Monaten kaum ausmalen konnte, ist tatsächlich passiert. Donald Trump ist von der Bildfläche verschwunden. Ohne Twitter, ohne Social Media fehlt ihm offenbar das Ventil und die Bühne. Letzte Woche stand er allerdings wieder im Rampenlicht, wenn auch unfreiwillig.

Einfach nötig

Hat das Sozialamt einen Verdacht auf Missbrauch (oder wird ihm von lieben Nachbarn oder wütenden Ex-FreundInnen darüber berichtet), kann es nicht einfach Geld abziehen oder die Hilfe ganz entziehen, sondern muss den Missbrauch beweisen. Das geht ohne Sozialdetektive nur schwer. Sie leisten zumindest in der Stadt Zürich eine unverzichtbare Arbeit.