von Andrea Sprecher

An dieser Stelle #2: Landliebe

Man kann diesem Land leicht verfallen. Es fühlt sich dann so an, als würde man sich in den falschen Mann verlieben. Als Schweizerin ist die amerikanische Politik unerträglich, wieso also die plötzliche Liebe? Das heimische Umfeld reagiert auf diese denn auch so, wie es Eltern tun, wenn ein wesentlich älterer, vorbestrafter Mann aus einer wüsten Gang ihrem minderjährigen Kind die Sinne vernebelt. Mit vielen Argumenten, die eindeutig dagegensprechen. Nur, was vermögen Argumente gegen die Liebe auszurichten? 

Furcht

Ich habe eine grosse Furcht.

13 000 junge Menschen begaben sich letztes Jahr wegen psychischer Beschwerden insgesamt 20 000-mal in Spitalpflege. 17 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Es ist das erste Mal, dass damit mehr Spitaleinweisungen wegen psychischer Probleme als wegen Verletzungen zu zählen sind.

Heuchelei

Jürgen Klopp hat nicht nur ein bemerkenswertes Gebiss. Er ist auch ein Mann kerniger Schlagfertigkeit. Man soll jetzt nicht so tun, sagte der bekannte deutsche Fussballtrainer, die Spieler seien nicht in der Verantwortung, ein Zeichen gegen Katar zu setzen und überhaupt sei das jetzt zu spät, man hätte, wenn schon, damals bei der Vergabe des Austragungsortes etwas sagen müssen. 

Im Fall

Eine Freundin hat mir kürzlich ein Interview weitergeleitet, über das ich mich augenblicklich wahnsinnig aufgeregt habe. Es ging um einen einzigen Satz, eigentlich, und der lautete: «Ich hätte mir nicht vorstellen können, ein hilfloses Baby nach drei Monaten in fremde Hände geben zu müssen.»

An dieser Stelle #1: Beschämte Anfängerin

Als ich vor einigen Wochen an dieser Stelle schrieb, dass ich gespannt sei, was Amerika mit mir mache, hatte ich mit allem gerechnet, aber nicht damit: Es machte mich zuallererst sprachlos. Ich fühlte mich von Beginn weg unfassbar klein und furchtbar gross. Genau gleichzeitig. Bei allem, was mir seither begegnet, bei allem, was ich beobachte, gibt es nur diese beiden Grössen und nichts dazwischen. Sehr gross und sehr klein. Das hat mir schlicht die Sprache verschlagen. 

Fantastisch

Sie sah schlicht fantastisch aus. Ich war so beeindruckt, dass ich mir diese paar Sekunden immer wieder ansah. Und es blieb dabei: Fantastisch.

An dieser Stelle

Eine schwangere Frau lag eine Woche lang in einem Spital in Malta. Während der Ferien auf dieser malerischen Insel im Mittelmeer bekam sie Blutungen, die Plazenta hatte sich teilweise abgelöst. Ihre Tochter hatte keinerlei Überlebenschancen mehr, auch wenn ihr Herz noch schlug.

Verdrängtes Paradies

Einerseits, muss man sagen, ist da noch immer etwas von der Pandemie übrig. Sogar etwas viel davon. Andererseits ist Krieg, überall auf der Welt. In den Flüchtlingslagern hat sich nichts verändert, mindestens nicht zum Guten, denn es waren seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so viele Menschen auf der Flucht wie jetzt. Und dazwischen und darum herum fühlt sich der Juni an wie ein August, er ist zu warm, zu schön, zu flirrend und man treibt wie auf einer Welle mittendrin im Klimawandel, treibt immer weiter hinaus, hinaus ins grosse Meer, von dem man irgendwann nicht mehr zurückschwimmen kann an den Strand, vielleicht schon jetzt. 

Nacktes Lachen

Mein Mann stand am Grill, in der einen Hand das Bier, die Grillzange in der anderen, und ich stellte mir vor, ich wäre das, ebenfalls nur in Shorts und somit oben ohne. Ich merkte, das war leicht. Nicht die Vorstellung von mir, natürlich, sondern sich darüber lustig zu machen. Darüber, dass ein nackter Frauenoberkörper genauso selbstverständlich sein soll wie der eines Mannes. 

Kindergeburtstag

Ich hatte diese grossartige Idee, den Kindergeburtstag meines Sohnes in der Lasertag-Arena in Zürich zu verbringen. Nicht, dass es mir selbst eingefallen wäre, aber mein Sohn wünschte sich das für sich und seine Freunde. Ich war schwach und verzweifelt, denn die Geburtstagsfeier vor einem Jahr war coronabedingt ausgefallen, Schnitzeljagden oder bräteln im Wald sind komplett ausser Mode mittlerweile, und so geschah es dann also.