von Thierry Frochaux

Achtung: Kaumemanzipation

«Britt-Marie was here» ist bei Weitem nur dem Schein nach so etwas wie eine Spät­emanzipation, im Kern zementiert die Geschichte das Vorrecht der Altvorderen auf eine strikte Geschlechtertrennung in ihrer Aufgabenteilung in den schillerndsten reaktionären Farben.

Ist der Algorithmus ein Künstler?

Am Mittwoch stellten Corine Mauch und Peter Haerle das insgesamt fünfte Kulturleitbild der Stadt Zürich für die Periode von 2020 – 2023 vor. Es ist das Instrument, um eine Gesamtschau der Kulturförderung möglich zu machen. Konkrete geldwerte Entscheidungen trifft der Gemeinderat weiterhin auf stadträtliche Weisungen hin.

Dekadenz

Wer alles hat und sich in der Wohlfühlwatte unter seinesgleichen verbarrikadiert, ist gefährlich leicht verführbar – zu allem.

«Nur weil ich Männer liebe, muss ich jetzt auch Disco mögen?»

Alte, dicke Tunten und die körperliche Liebe, sexuelle Monotonie und das Ende einer Lesbenbeziehung, ein überwältigendes Glücksgefühl und das frömmlerisch verinnerlichte Hingabeverbot, eine Zuneigung unter Sexworkern und die Not barer Existenzsicherung – das 22. «schwullesbische+ Filmfestival PinkApple» ist vorüber, die Vielzahl an inhaltlichen Anregungen aber hallt nach. Eine tour d’horizon nach drei Dutzend Filmen.

Endlos zuhören können

Joachim Rittmeyer ist ein Meister des fantastischen Geschichtenerzählens, ohne dass einem dabei jemals in den Sinn käme, den Vergleichswert eines Realitätsbezugs für die Einordnung auch nur schon Betracht zu ziehen.

Handeln statt lavieren

Der rückblickend wiedergegebenen Lebensgeschichte droht die Gefahr einer Idealisierung, was «K.U.R.S.K.» gekonnt bricht und dafür plädiert, selbst vermeintlich profanes, aktives Eingreifen in Erwägung zu ziehen.

Fundamentale Erschütterung

Faszinierend und abstossend, frei von Gewissheit über Zeit, Raum, Wirklichkeit und Wahn, schwebt die zentrale Figur in Antonio Tabucchis «Für Isabel» im Nichts, getrieben von einem genauso rätselhaften Antrieb.

Die Ungewissheit ist gewiss

Ein Tag im Leben einer jüdischen Geschichtslehrerin, einer palästinensischen Märtyrerin und einer US-amerikanischen Söldnerin aus nur einem Mund erzählt, verdeutlicht ihre unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft.

Kunstkrux

Ruedi Häusermann beschenkt uns mit einer Kleinkunstperle, die Kunst­herstellung als solche thematisiert.

Träf

Schüchtern und naiv sei sie, behauptet Frölein Da Capo und entpuppt sich zusehends als raffinierte Schelmin.