von Thierry Frochaux

Brainstorming

Daseinszweck oder Systemfehler? «Les reines prochaines» stellen sich in ihrer Jubiläumsrevue «Let’s sing Arbeiterin*» über eine umfassende Infragestellung von Arbeit nichts geringerem als der Sinnfrage.

Kraft der Imagination

Die posthume Hommage an Erica Hänssler (1947 – 2016) im Theater Stok trifft ihre Tonalität der gelebten Poesieherstellung auf der Bühne sehr genau, lässt aber auch Raum für Störgeräusche und ihre resolute Seite.

No Future 4.0

Kaputt sind alle und selbst die unerschrockene Bereitschaft der Jugend zum Krawall wird vom Kapital instrumentalisiert. Wen der Lebenswandel bis in die Vierziger noch nicht dahingerafft hat, ist in jedem Fall am Arsch.

Egoismen

Die Idee der guten Tat ist in «Willkommen» nur der Auslöser für einen Reigen von persönlichen Positionsbezügen.

Selbstherrlich

Das behauptete sich Kümmern um den Fremden entlarvt sich als blosse Krücke für die Selbstverwirklichung.

Lektion in Demut

Fernand Melgar, Regisseur von «La Forteresse» und «L’Abri», begleitet in seinem neuen Dokumentarfilm eine Sonderklasse, die sich aus fünf Kindern mit verschiedenen geistigen Behinderung zusammensetzt. Wie in seinen früheren Werken tut er dies ohne Off-Kommentar – «cinéma direct» in Reinform.

Bezauberndes Kleinod

Die Gruppenarbeit «Mein blaues Herz» über die rumänische Sängerin Maria Tanase ist eines der eher raren Exemplare von Kunstherstellung auf Bühnen oder Leinwänden, bei denen alle Einzelkomponenten stimmig ineinanderspielen und so ein nur beglückendes Resultat ergeben.

Ernste Kunst

Parallelsprech steht bei Ursus & Nadeschkin für die letzten dreissig Jahre – neu heisst ihr Konzept: Nichtsprech.

Orientierung

Die seit Anfang Jahr verantwortliche Direktorin des Fotomuseums Winterthur, Nadine Wietlisbach, nutzt das Jubiläum zur gross angelegten Reflektion über die Verortung der Institution in der Zukunft.

Alles da

Die noch nicht besprochenen fünf Stücke des diesjährigen «Tanzfestivals Winterthur» drehen sich alle in verschiedenartigster Weise um Sinnfragen und
sind in ihrer Überzahl sehr physisch, also Tanz im wahrsten Wortsinn.