von Thierry Frochaux

Kanonenfutter

Eine handvoll paramilitärisch-hierarchisch gedrillter Jugendlicher im kolumbianischen Hochland wird in Alejandro Landes’ Film «Monos» sich vermeintlich vorbereitet zur Selbstorganisation überlassen.

Gesellschaftskritik

Das Ende macht den Unterschied. Ritesh Batra («Lunchbox») entscheidet sich in «Photograph» gegen jede gängige Konvention und geht damit auch das klitzekleine Risiko ein, einen Teil des Publikums vor den Kopf zu stossen.

Knackpunkt Ausgewogenheit zwischen Einfällen und Spieldauer

Die aktuellen Abschlussarbeiten des Studiengangs Film ZHdK haben wieder einsame Überflieger zutage gefördert: «Scherbenmosaik» von Jonathan Hug ist schlicht rundum geglückt und «Fomo» von Noah van Dok ist gleichermassen cinematographisch wie atmosphärisch toll.

Internationale Solidarität

Nanni Moretti hält dem heutigen Italien den Spiegel vor, indem er mit einer kaum bekannten Geschichtsepisode anhand von Gesprächen mit Zeitzeugen aufzeigt, dass das Land mal noch ein Herz hatte. Und das – je nach Perspektive – erst oder schon vor 46 Jahren.

«Im Herbst sind Wahlen»

Mit dieser pragmatischen Aufforderung, selbstständig an der Veränderung der politischen Machtverhältnisse mitzuarbeiten, brachte die ehemalige Zürcher Stadträtin Ruth Genner (Grüne) die am simpelsten realisierbare Einflussnahme durch Interessensvertretung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen (LGBT+) auf den Punkt.

Achtung: Kaumemanzipation

«Britt-Marie was here» ist bei Weitem nur dem Schein nach so etwas wie eine Spät­emanzipation, im Kern zementiert die Geschichte das Vorrecht der Altvorderen auf eine strikte Geschlechtertrennung in ihrer Aufgabenteilung in den schillerndsten reaktionären Farben.

Ist der Algorithmus ein Künstler?

Am Mittwoch stellten Corine Mauch und Peter Haerle das insgesamt fünfte Kulturleitbild der Stadt Zürich für die Periode von 2020 – 2023 vor. Es ist das Instrument, um eine Gesamtschau der Kulturförderung möglich zu machen. Konkrete geldwerte Entscheidungen trifft der Gemeinderat weiterhin auf stadträtliche Weisungen hin.

Dekadenz

Wer alles hat und sich in der Wohlfühlwatte unter seinesgleichen verbarrikadiert, ist gefährlich leicht verführbar – zu allem.

«Nur weil ich Männer liebe, muss ich jetzt auch Disco mögen?»

Alte, dicke Tunten und die körperliche Liebe, sexuelle Monotonie und das Ende einer Lesbenbeziehung, ein überwältigendes Glücksgefühl und das frömmlerisch verinnerlichte Hingabeverbot, eine Zuneigung unter Sexworkern und die Not barer Existenzsicherung – das 22. «schwullesbische+ Filmfestival PinkApple» ist vorüber, die Vielzahl an inhaltlichen Anregungen aber hallt nach. Eine tour d’horizon nach drei Dutzend Filmen.

Endlos zuhören können

Joachim Rittmeyer ist ein Meister des fantastischen Geschichtenerzählens, ohne dass einem dabei jemals in den Sinn käme, den Vergleichswert eines Realitätsbezugs für die Einordnung auch nur schon Betracht zu ziehen.