von Thierry Frochaux

Bild von Klaus Rózsa.

«Rózsa! – Uswiis!»

Der reale Ausspruch eines nicht namentlich bekannten Polizisten gegenüber Klaus Rózsa bei dessen Berufsausübung als Fotograf spricht Bände und bietet wenig Anlass für eine Rundumberuhigtheit. Wären die von Erich Schmid im Film «Staatenlos» anhand der aufgefächerten Lebensgeschichte von Klaus Rózsa ausgebreitete Häufung von Willkür in Polizei- und Justizarbeit Anekdoten aus einer längst vergangenen Zeit, man…

Das Bild zeigt eine Szene auf einer Theaterbühne

Anything

Die Auflösung der definierten Rollen zwischen MusikerIn, TänzerIn und SchauspielerIn in «Requiem for a piece of meat» ist eine Annäherung an das allererste «3art3 Company»-Stück vor fünf Jahren im Tanzhaus Zürich. Nur deckten sich damals Absicht und Resultat und die Poesieherstellung wirkte aufrichtig. Das misslingt diesmal und die fünf Viertelstunden angestrengten Unangestrengtseins wirken wie eine unglücklich erzählte Witzwiedergabe.

Ein Bild vom Stück "Die 120 Tage von Sodom" zeigt zwei SchauspielerInnen

Doppelt verschenkt

Eine zum Skandal gewordene Vorlage mit Hora-Schauspielenden zu besetzen, ersetzt nicht die Konfrontation mit dem Kernkonflikt. Doch Milo Rau drückt sich auch darum.

Geniestreich

Xavier Dolans neuster Streich ist die wiederholte Beweisführung dafür, dass eine eigentliche Handlung eines Kunststückes unter Umständen überschaubar raffiniert sein darf.

«A monumental farce»

Arbeitswille, Gemeinschaftssinn und gesunder Menschenverstand prallen in Ken Loachs «I, Daniel Blake» an der spiegelglatten Oberfläche der auf Effizienz getrimmten Sozialbürokratie ab.

Gehirnwäsche

Phil Hayes und Nada Gambier legen einander eine Stunde lang sinnfreie Entweder-oder-Ultimaten zur Wahl vor.

Verzweifelter Frohsinn

Dominik Flaschka inszeniert 50 Jahre nach der Uraufführung das Musical «Cabaret» und braucht es nicht einmal brachial zu aktualisieren, damit einen trotz fulminanter Show das Grauen packt.

Klar versus verspielt

Neben den beiden sich ergänzend inspirierenden Ausstellungen von Christian Herdeg und Nairy Baghramian schmuggelt Sabine Schaschl eine schon fast nicht mehr streitbare Einzelschau von Bernd Ribbeck ins Haus Konstruktiv.

Diplomatischer Bittstellergang

Das internationale Zusammentragen von Leihgaben für eine Ausstellung zum Hieronymus Bosch-Jubiläum in dessen Heimatstadt wird zum vielschichtigen Krimi.

Widerspruchsloses Unterordnen

Für die zwischen den Zeilen lauernden Abgründe in Lukas Bärfuss’ «Frau Schmitz» ist die Voranstellung der amüsanten Komponente in Barbara Freys Inszenierung das perfekte Ablenkungsmanöver.