Category Kolumne Post Scriptum

Faszination Mann

Ich bin fasziniert. Und ich schwöre, ich meine es nicht ironisch. Fasziniert ob dieser männlichen Fähigkeit, sich zu allem berufen zu fühlen. Ob diesem tief verankerten, tief verwurzelten, auch selbstverständlichen Gefühl der Omnikompetenz.

Tun, als ob

Nach den Wahlen durfte ich an einer Befragung im Rahmen des Nationalfondsprojekts «Direkte Demokratie Schweiz im 21. Jahrhundert» (DDS21) teilnehmen. Es untersucht die Meinungsbildung in politischen Fragen: «Wie wirkt politische Werbung auf die einzelnen Stimmbürgerinnen? Welche Botschaften werden Ihnen wo zugespielt und wie bewerten Sie diese?» Der Online-Fragebogen machte mir richtig Spass: Ich konnte mich selbst meiner Belesenheit rühmen und ungehemmt meiner Ideologie frönen.

Nachlese

So. Nachdem sich nun alle wieder erholt haben von all den Erd- und Rechtsrutschen und die Zahlen hoffentlich stimmen, könnten wir dann wieder über Politik reden? Ja? Gut.

Wenig Hoffnung

Ich habe eine Lesebrille, Hüftschmerzen und einen beginnenden Hallux (sagt der Sportschuhverkäufer). Wer Letzteres nicht googlen musste, ist entweder Orthopädin oder genau wie ich fortgeschrittenen Alters. Mit Freundinnen unterhalte ich mich zunehmend über solche Beschwerden oder die Tatsache, dass ein gelungener Abend um 21 Uhr auf dem Sofa endet. Und das ist erst der Anfang des Älterwerdens.

Extreme hüben und drüben

Das Palästinensertuch war in meiner Jugend gross in Mode – wir färbten die Keffiah bunt und trugen sie als Halstuch zu allen möglichen Outfits. Erst allmählich wurde mir klar, dass mein Statement für Arafat auf einer weltpolitischen Ebene heftig mit meiner Liebe zu meiner israelischen Tante und ihrem Herkunftsland kollidierte.

Jenseits von 9 Millionen

Ich kann nichts anfangen mit dem Gejammer über die 9-Millionen-Schweiz. Ja, die Züge sind manchmal voll, aber nach einem Vierteljahrhundert Pendeln zwischen Züri und Winti muss ich sagen: Das waren sie schon zur Zeit von 7 Millionen. Auch ein Gemoschte am Morgen und am Abend kann die Tatsache nicht überdecken, dass der Gesamtauslastungsgrad der SBB bei nur einem Drittel liegt.

Die Hodenrente

Ein neues Wort macht seit einigen Monaten Karriere: die «Bodenrente». Renten sind ja tatsächlich Einkommen, denen keine aktuellen Leistungen gegenüberstehen; trotzdem stört mich etwas an dem Begriff.

Antisäkularer Obskurantismus

Die katholische Kirche hat ein Problem. Gewisse Privatschulen haben ein Problem. Im Dunkel ihrer undurchdringlich gehaltenen Strukturen beuten sie ihre Schützlinge unter dem Deckmantel der Hege und Pflege sexuell aus oder unterwerfen sie demütigenden Züchtigungen. Praktiken kommen ans Licht, die man in unserer Gesellschaft mit ihrem säkularen und aufgeklärten Selbstverständnis für lange ausgerottet hielt – sofern man nicht selbst davon betroffen war.

Über Toleranz

Manchmal passiert es mir immer noch, dass ich fast schon körperlich leide, wenn ich bestimmte Artikel lese. Zum Beispiel all diesen Quark betreffend Toleranz, und dass nur politisch eingemittete Menschen dazu fähig seien. Meist wird dabei nicht wirklich definiert, was unter dieser ominösen Toleranz überhaupt zu verstehen ist. In wissenschaftlichen Studien wird zwar die Literatur zusammengetragen, aber sie wird nicht verarbeitet.

Ich glaube

Ich glaube, ich glaube nicht so oft an das Gute im Menschen, nur manchmal, kürzlich dafür ganz besonders.