Category Kolumne Post Scriptum

Die Wirtschaft spalten

Viele Unternehmen gäbe es nicht, hätten nicht risikofreudige Investoren sie am Anfang mit Kapital versorgt. Solche wichtigen Funktionen nimmt der Finanzmarkt zweifellos auch heute noch für die Wirtschaft wahr. Darüber gestülpt ist jedoch ein anonymer Anlagemarkt, ein gewaltiger Overhead aus reinem Selbstzweck.

He! Sie! Ritter!

Halt! Nicht im Güllenloch verstecken! Heute will ich gar nicht mit Ihnen schimpfen, sondern ich muss Sie in allen Tönen loben! Sie sind unser bester Mann! Unsere Erfolgsgarantie! Ich habe noch nie gesehen, wie sich jemand derart formvollendet ins Knie schiesst wie Sie. Die Bauernsame kann frohlocken, dass sie Sie an ihrer Spitze hat!

Glück sieht anders aus.

Ich hatte sehr viel Glück, weil mir in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie sexuelle Gewalt angetan wurde. Was für ein Glück, dachte ich also immer. Aber dann kam der Mord an Sarah Everard, Anfang März. Und der Hashtag «Text me when you get home», «Melde dich, wenn du zu Hause bist», der um die Welt ging, ich las viele Geschichten von anderen Frauen, ich las, ein wenig verblüfft, darin auch über mein Leben. 

Weisheiten

Wenn die Welt, wie in Zeiten der Pandemie, ins Schlingern gerät, sucht manch eine bei fernöstlichen Weisheiten Zuflucht. Sie verhelfen zur heilsamen Distanz, zur Relativierung des eigenen Elends und zur nötigen Gelassenheit im Angesicht des Unabänderlichen. Selbst Ihre sich üblicherweise der Spiritualität abstinierende Kolumnistin führt sich jetzt mehrmals täglich erbauliche Sprüche zu Gemüte. 

Orientierung

Vielleicht war es immer schon so und ich habs nicht bemerkt, aber mir scheint, es häuft sich ein bisschen, dass ich mit Leuten darüber rede, was links sein eigentlich bedeutet. Man kann solcherlei Selbstfindung ja bereits in der Tageszeitung lesen, wo sich selbstdefinierte Linke hinterfragen, was eine eigenartige Anmutung hat, aber natürlich immer gut ankommt. Sagte nicht schon mein Onkel selig, «wer zwanzig ist und nicht links, hat kein Herz, wer vierzig ist und immer noch links, keinen Verstand»? So eine Art reduzierter Pestalozzi-Meccano, bei dem die unsichtbare Hand vergessen gegangen ist. Diese Debatte, so wie sie gerade auftaucht, weist eine eigenartige Dynamik auf. Ist es derart mainstreamig geworden, links zu sein, dass man sich öffentlich versichern muss, was denn genau der Inhalt sei?

Es wird anders, Luisa.

Mehr als jeder dritte Mensch in unserem Land ist einsam. Es passiert leicht, in unserer Gesellschaft einsam zu sein. Man wolle einfach so gemocht werden, wie man ist, sagt die Filmerin des Doks, aber das sei so schwierig in unserer Zweckoptimierungsgesellschaft.

Fussstapfen

Eine neue Generation tritt in unsere Fussstapfen! Das tut sie natürlich nur bedingt – sie findet ihren eigenen Weg, und das ist auch gut so; selbst wenn ich logischerweise nicht mit allen neuen Ideen einverstanden bin.

Integration

Alle reden immer von den AusländerInnen, die integriert werden sollen. Ich erzähle Ihnen mal die Geschichte, wie ich eigentlich integriert wurde, und das dauerte notabene nur einen Sonntag.

Keine Blumen

So gibt es den Muttertag oder den Tag der Frau. Sie reihen sich ein in die Tage, an denen man an Menschen oder Krankheiten denkt, die sonst vergessen gehen oder besonders tragisch sind. Deshalb schlucke ich auch am 8. März jeweils leer, wenn mir die Frau an der Kasse im Coop eine Rose in die Hand drückt. 

Äh … VBZ? Tiefbauamt?

Habt ihr nicht irgendwie einen öffentlichen Auftrag, der Bevölkerung der Stadt Zürich möglichst gefahrenfreies Fortkommen zu ermöglichen? Da frage ich mich doch, wo genau es bei euch beiden klemmt! Nur falls es euch entgangen sein sollte: Wir haben grad Pandemie, und wie! Drei neue, aggressive Mutationen machen uns das Leben schwer. Wir versauern im Homeoffice und kriegen kaum Bewegung.