Category Kolumne Post Scriptum

Rausch

Es war ein früher Samstagabend und es lag etwas in der Luft. Ich stand in einer der Schlangen vor den Kassen im Coop am Lochergut, nur kurz zuvor hatte ich einem betrunkenen Koloss von Mensch, der neben mir wie ein gefällter Baum zu Boden gestürzt war, wieder auf die Beine geholfen. Weil er seinen Korb mit dem Dosenbier umklammerte und nicht aus der Hand geben wollte, musste ich ihn sozusagen einarmig aufstellen, es gelang nach vielen Versuchen.

Stilblüten

In «Songs of the Silent Snow» beschreibt Hubert Selby die Entspannung, die seinen Protagonisten überkommt, sobald er feierabends im Bus die vermischten Meldungen über all die Verbrechen und Katastrophen liest, die sich am Tage ereignet hatten, während er im Büro sass. Ganz ähnlich ergeht es mir mit den Stilblüten, die im Blätterwald munter gedeihen, seit Medien zu Renditeobjekten degradiert wurden und in den Redaktionen das grosse Korrektorats-Sterben (oder wohl eher -Abmurksen) um sich greift.

Pendeloffice

Das Teil heisst neuerdings also «Loungehose» und ist die Beinbekleidung meiner Wahl, die auch ich gerne im Homeoffice trage. Denn auch ich gehöre zu den Krisengewinnlern der Pandemie, insofern als ich zuhause nur noch very casual angezogen bin, mindestens ab Bauchnabel abwärts.

Herzige Demokratie

Postenschacher und Gegengeschäfte sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil österreichischer Politik. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das zwar immer wusste, es war ja kein Geheimnis, aber nie so richtig verurteilte. Nicht mal Ibiza-Strache fand ich dramatisch schlimm, mehr so typisch. Die Ereignisse der letzten Tage haben mich diesbezüglich ein wenig verunsichert.

Briefwechsel

Manchmal wird die Schreiberin von Ihrem ‹Stoff› rechts überholt. Verbales Fernlichtblitzen vertreibt poetischen Müssiggang: «Liebe XY, anbei ein Einschreiben an IM und das ich hiermit Ihnen in Kopie per E-Mail zukommen lasse. Ich bitte Sie um unverzügliche Räumung Ihrer Gegenstände. Bedauerlicherweise kann IM die Räume nicht mehr unbeaufsichtigt betreten, weil Diebstahlsbezichtigungen vorliegen und weitere Wirren vermieden werden müssen. Sie wird mit mir oder mit euch für einen Räumungstermin Kontakt aufnehmen müssen.»

Schöne Künste

Am schlimmsten sind die Skandale, an die sich alle gewöhnt haben. Am Pfauen steht seit einiger Zeit ein Monsterklotz, vulgo Erweiterungsbau für das Kunsthaus. Der Bau wird hauptsächlich dadurch legitimiert, dass die Stadt eine Kunstsammlung ausstellen will, die ausschliesslich mit Blutgeld erworben werden konnte. Das findet eigentlich im Grunde genommen niemand wirklich, wirklich schlimm.

Über den Wohlstand

Ich möchte euch über meinen Wohlstand berichten. Ich fuhr nämlich mit dem Velo durch die Freiestrasse, das ist noch unter dem eigentlichen Züriberg, aber, nun, es ist irgendwie Züriberg.

Alles auf Zucker? (2)

Ich nehme an, dass Sie die Null­Zu­cker­Challenge, die ich vor drei Wochen ausgerufen habe, ausgeschlagen haben. Dann bin ich also Siegerin, tadaa!

Von Vielen und Wenigen

Ungleichheit, vorab materielle, ist überhaupt kein Problem. Das Problem ist höchstens, dass solche Sprüche nur von den Wohlhabenden kommen, kaum von den Habenichtsen. Ungleichheit, und wir reden hier nicht von der Banalität, dass wir alle etwas unterschiedlich sind, ist im Gegenteil eine halbe Katastrophe für eine Gesellschaft.

Gasche nitte suffe!

Den Kapitalismus überwinden, das hat sich die SP ja noch immer ins Parteiprogramm geschrieben. Nicht der Mensch solle im Dienst der Wirtschaft stehen, sondern die Wirtschaft im Dienst des Menschen. Finde ich cool. Geht runter wie ein kühles Bier.