Schlagwort Kommentar

Hoppla Georgette!

Zu dümmlicher, dämlicher, peinlicher Werbung habe ich ein ausgeprägt gespaltenes Verhältnis. Sie quält, belustigt, verärgert und erhebt mich gleichermassen. Wenig Erbauung und viel Fremdschämen verursacht bei mir besonders die unerträgliche Mundart, die durch Direktübertragung aus schriftlichem Hochdeutsch entsteht: «Für frischä Atem spüeled Si ihre Mund mit Schaumi!», und «Mit em Flaumi Wischmopp erreiched Si jede Winkel vo dä Träppe!», aber «Spräched Si davor mit irem Arzt über möglichi Näbewürkige». Ich war schon öfters drauf und dran, mein Körbchen irgendwo abzustellen und unverrichteten Einkaufs ein solcherart beschalltes Ladengeschäft fluchtartig wieder zu verlassen. 

Ohne Park keine Wirtschaft?

Den kantonalen Gestaltungsplan für den Innovationspark auf dem Areal des Flugplatzes Dübendorf hat das Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 8. Juli aufgehoben. Dieses Urteil zieht der Regierungsrat nun weiter ans Bundesgericht. Das war zu erwarten: Im Urteil heisst es, dass die Festsetzung des kantonalen Gestaltungsplans Innovationspark Zürich «unzulässig und mit dem kantonalen Recht nicht vereinbar» sei. Dies unter anderem, weil man mit dem Instrument eines Gestaltungsplans keine Bauzone «der vorgesehenen Art und Grösse» in der kantonalen Landwirtschaftszone schaffen könne.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Der Richter und seine Partei

Die SVP will ihren Bundesrichter Yves Donzallaz nicht zur Wiederwahl empfehlen. Der Grund: Unliebsame Urteile.  Geärgert hat die SVP, dass Donzallaz zu einer knappen Mehrheit beigetragen hat, dass die UBS KundInnendaten an Frankreich liefern muss. 2015 hat er mitentschieden, dass die Personenfreizügigkeit Vorrang gegenüber der Masseneinwanderungsinitiative habe.

Diskurs in der Enge

Recht haben ist nicht immer lustig. Es kommt leider, wie ich gesagt habe, die Debatte über die Begrenzungsinitiative nimmt den erwarteten unerwünschten, falschen Verlauf. Wir reden tatsächlich und allen Ernstes über ökologische Überbelastung aufgrund der Zuwanderung, das Wort «Dichtestress» ist salonfähig geworden, und dass unsere S-Bahnen überfüllt seien, wird unwidersprochen hingenommen, auch wenn die Auslastung über alles nur etwa bei 35 Prozent liegt. Und an all dem sei die Zuwanderung schuld, auch das wird kaum dementiert, es wird einzig erwähnt, sie sei halt leidergottes nötig für unsere Wirtschaft und die Altersvorsorge.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im Grunde gut?

Die Menschheit ist im Grunde gut, meint Rutger Bregman. Und wohl auch vernünftig. Aber eine kleine Minderheit kann einen grossen Effekt haben. Wenn man sie anstachelt. Es braucht jetzt etwas weniger Aufmerksamkeit für jene, die nach Aufmerksamkeit schreien. Dann sollten wir diese Lage meistern können. Im Guten. 

Sackgasse

Solange eine Gesellschaft es für auch nur annähernd vertretbar hält, nicht beiden Elternteilen Zeit mit dem frischgeborenen Kind ermöglichen zu wollen, kommen wir keinen Schritt weiter. Solange es nicht eine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Mutter und Vater nach der Geburt zu gleichen Teilen um das Kind kümmern, bleibt die arbeitende Mutter die Abweichung von der Norm. Solange ArbeitgeberInnen nur den Mutterschaftsurlaub organisieren müssen, nicht aber den des Vaters, werden Frauen bei Anstellungen systematisch diskriminiert bleiben. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im sinkenden Schiff

Seit über zehn Jahren erscheint das Jahrbuch der Qualität der Medien der Forschungsgruppe Öffentlichkeit und Gesellschaft. Das jeweils ein recht pessimistisches Bild der Qualität zeichnete. Jahr für Jahr reagierte die Branche pikiert. Es stimme gar nicht, dass die Qualität der Medien sinke: Im Gegenteil: Sie seien interessanter geworden, lesbarer, besser. 

CoroNasowas!

Ich verstehe daher diese Corona-Protestierenden immer noch nicht. Sind die nicht froh, dass die Lepra, die Pocken und die Pest hierzulande ausgerottet sind? Würden die auch mit Tuberkulose- oder Ebola-Kranken eine Telefonzelle teilen? Macht es ihnen keinen Eindruck, dass in Schweden, wo kaum Schutzmassnahmen getroffen wurden, die Sterblichkeit dieses Jahr so hoch war, wie seit über 150 Jahren nicht mehr? Mich irritiert diese irrationale Verantwortungslosigkeit einer wohlstandsverwöhnten Gesellschaft, die sich keiner Einschränkung beugen will.

Bild von Markus Kunz

Wandern. Eine Polemik

Eins ist klar: Bill Gates hat Corona nur erfunden, damit ich gezwungen war, vier Wochen zu wandern. Nicht grad am Stück, aber fast. Falls Ihnen diese Logik etwas zu sprunghaft erscheint, entwickle ich das gerne ganz ausführlich, zum Mitleiden.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Joe Business

Die Amerikaner haben einen Sinn fürs Show-business – sie haben es schliesslich auch erfunden. Und darum können sie tatsächlich Anlässe, die sonst von der Anlage her sterbenslangweilig wären, mindestens zeitweise unterhaltsam gestalten. So auch Parteitage, die hierzulande – wenn nicht gerade der Kapitalismus überwunden wird – sich niemand freiwillig im Fernsehen schauen würde.