Schlagwort Kommentar

Diskurs in der Enge

Recht haben ist nicht immer lustig. Es kommt leider, wie ich gesagt habe, die Debatte über die Begrenzungsinitiative nimmt den erwarteten unerwünschten, falschen Verlauf. Wir reden tatsächlich und allen Ernstes über ökologische Überbelastung aufgrund der Zuwanderung, das Wort «Dichtestress» ist salonfähig geworden, und dass unsere S-Bahnen überfüllt seien, wird unwidersprochen hingenommen, auch wenn die Auslastung über alles nur etwa bei 35 Prozent liegt. Und an all dem sei die Zuwanderung schuld, auch das wird kaum dementiert, es wird einzig erwähnt, sie sei halt leidergottes nötig für unsere Wirtschaft und die Altersvorsorge.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im Grunde gut?

Die Menschheit ist im Grunde gut, meint Rutger Bregman. Und wohl auch vernünftig. Aber eine kleine Minderheit kann einen grossen Effekt haben. Wenn man sie anstachelt. Es braucht jetzt etwas weniger Aufmerksamkeit für jene, die nach Aufmerksamkeit schreien. Dann sollten wir diese Lage meistern können. Im Guten. 

Sackgasse

Solange eine Gesellschaft es für auch nur annähernd vertretbar hält, nicht beiden Elternteilen Zeit mit dem frischgeborenen Kind ermöglichen zu wollen, kommen wir keinen Schritt weiter. Solange es nicht eine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Mutter und Vater nach der Geburt zu gleichen Teilen um das Kind kümmern, bleibt die arbeitende Mutter die Abweichung von der Norm. Solange ArbeitgeberInnen nur den Mutterschaftsurlaub organisieren müssen, nicht aber den des Vaters, werden Frauen bei Anstellungen systematisch diskriminiert bleiben. 

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Im sinkenden Schiff

Seit über zehn Jahren erscheint das Jahrbuch der Qualität der Medien der Forschungsgruppe Öffentlichkeit und Gesellschaft. Das jeweils ein recht pessimistisches Bild der Qualität zeichnete. Jahr für Jahr reagierte die Branche pikiert. Es stimme gar nicht, dass die Qualität der Medien sinke: Im Gegenteil: Sie seien interessanter geworden, lesbarer, besser. 

CoroNasowas!

Ich verstehe daher diese Corona-Protestierenden immer noch nicht. Sind die nicht froh, dass die Lepra, die Pocken und die Pest hierzulande ausgerottet sind? Würden die auch mit Tuberkulose- oder Ebola-Kranken eine Telefonzelle teilen? Macht es ihnen keinen Eindruck, dass in Schweden, wo kaum Schutzmassnahmen getroffen wurden, die Sterblichkeit dieses Jahr so hoch war, wie seit über 150 Jahren nicht mehr? Mich irritiert diese irrationale Verantwortungslosigkeit einer wohlstandsverwöhnten Gesellschaft, die sich keiner Einschränkung beugen will.

Bild von Markus Kunz

Wandern. Eine Polemik

Eins ist klar: Bill Gates hat Corona nur erfunden, damit ich gezwungen war, vier Wochen zu wandern. Nicht grad am Stück, aber fast. Falls Ihnen diese Logik etwas zu sprunghaft erscheint, entwickle ich das gerne ganz ausführlich, zum Mitleiden.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Joe Business

Die Amerikaner haben einen Sinn fürs Show-business – sie haben es schliesslich auch erfunden. Und darum können sie tatsächlich Anlässe, die sonst von der Anlage her sterbenslangweilig wären, mindestens zeitweise unterhaltsam gestalten. So auch Parteitage, die hierzulande – wenn nicht gerade der Kapitalismus überwunden wird – sich niemand freiwillig im Fernsehen schauen würde.  

Sommerflucht

Diese Sommer. Sie waren endlos. Immer warm und mit einem so sanften Wind, dass es nie zu heiss wurde, die Dämmerung dauerte ewig, sie schien mir überhaupt das Schönste am Ganzen. Wir spielten dann Völkerball auf dem Acker in unserem Quartier, so im Halbdunkel, Eltern, Kinder, alle. Am späteren Abend schauten wir einen Film im…

Nachdenken statt begrenzen

Wenn man sich zwischen zwei Wegen entscheiden muss, und der eine ist einem zu eigentlich zu glattbetoniert und der andere zu steinig, dann lohnt es sich, kurz zu rekapitulieren, wo man hinwill.

Düstere Wendung

Vielleicht hätte sich der Nahostkonflikt durchaus wieder seinen Platz ergattert, drehte sich das Medienkarussell um Trump und eine Handvoll Partygänger im Zürcher Club Flamingo nicht so rapide um sich selbst. So vollziehen sich die neusten Wendungen im Morgenland etwas stiller als auch schon – nichtsdestotrotz mit fataler Wirkung.