Category Gedanken zur Woche

Wird diese Mücke ein Elefant?

Wenn das nicht ‹Hot News› sind: «Rot-Grün plant den kollektiven Umbau der Stadt Zürich – private Innenhöfe, Dachterrassen und Vorgärten sollen für alle frei zugänglich werden», titelte die NZZ vom 26. November. «Hauseigentümer sollen ihre Grünräume für die Allgemeinheit öffnen. Dies sieht der neue kommunale Richtplan vor. Die Bürgerlichen sind entsetzt und sprechen von einem ‹Erziehungs- und Enteignungsplan›, heisst es im Lead.

Sie bewegt sich doch

Rational gesehen war es kein schlechter Abstimmungssonntag. Kaum eine Initiative schafft es je, eine Mehrheit der Stimmbevölkerung zu überzeugen. Meist sinkt die anfängliche Zustimmung nach einer Abstimmungskampagne – und wir erlebten hier eine besonders heftige – dann deutlich unter die 50-Prozent-Grenze.

Schweigen und Schreien

In Lugano ging eine 28jährige Schweizerin mit dem Messer auf zwei Passantinnen los und verletzte eines der Opfer schwer, aber zum Glück nicht lebensbedrohlich. Laut Angabe von Fedpol hatte die Täterin einen jihadistischen Hintergrund, aber auch psychische Probleme.

Fressen und Moral

«Bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, wird mir fast schlecht.» Das meinte Bundesrat Ueli Maurer zur Konzerninitiative in  einem Live-Video zur SVP-Basis. Warum wird Maurer schlecht? Darum: «Mit dieser Initiative sagen wir: Wir sind moralisch die Besten, wissen weltweit, wie es geht. (…) Es passt doch nicht zur Schweiz, dass wir auf der ganzen Welt moralisieren.» 

Bellerive-Gstürm

Es geht darum, ob das Auto auch in Zeiten des Klimawandels die heilige Kuh bleiben soll, die es seit ungefähr einem halben Jahrhundert ist – oder ob wir heute vielleicht doch eher mehr Velos als Autos brauchen, mehr Grün als Grau? Nein, das ist leider keine rhetorische Frage, darüber müssten wir erst abstimmen. Und weil Ohren oder Lungen keine Stimme haben, wage ich lieber keine Prognose, wie das herauskäme.

Gewollte Ungerechtigkeit

Ich habe eine Freundin, deren Lehrer ihr in der 5. Klasse vom Gymnasium abriet, weil sie das nicht packen würde. Die Freundin ging später mit mir ins Gymnasium und doktorierte noch später an der ETH. Meine Freundin ist überzeugt, dass ihr der Lehrer nichts zutraute, weil sie ein Mädchen war. Das war in den 1980er-Jahren. In den 1990er-Jahren überholten dann die Mädchen die Jungen bei der Maturitätsquote. Heute studieren mehr Frauen als Männer Geistes- und Sozialwissenschaften, Medizin und Recht. Zwischen 1980 und 2019 stieg der Frauenanteil zudem bei den technischen Wissenschaften von 20,1 auf 31 Prozent und bei den Naturwissenschaften von 18,3 auf 43,3 Prozent. 

Wahlrecht

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, heisst es. Und nie scheint dieses Bonmot so wahr, wie wenn es um die wenn es um die US-Wahlen geht.

Sicher unfrei

Am Mittwoch gaben die Jungparteien Junge GLP, Junge Grüne und Juso sowie die Piratenpartei bekannt, dass sie das Referendum gegen die sogenannte PMT-Vorlage ergreifen wollen. Dabei geht es um polizeiliche Massnahmen gegen den Terrorismus, die im präventiven Bereich zum Einsatz kommen werden. Gegen das Gesetz wandten sich im Vorfeld RechtsprofessorInnen und MenschenrechtsexpertInnen. Sie warnen, dass die im Gesetz vorgesehene Definition von Terrorismus zu weit gehe.

Supersonntag

Selten war ein Abstimmungssonntag so erfreulich wie der letzte. Um ein Haar wäre die Sensation perfekt gewesen und die Bevölkerung hätte auch noch die Kampfjets abstürzen lassen. Nur ein paar tausend Stimmen lagen die beiden Lager auseinander: Zum Schluss reichte es knapp für ein Ja. 50,1 Prozent der Bevölkerung gaben grünes Licht für die Beschaffung von Kampfjets.

Gedanken zur Woche von Min Li Marti

Scherbengericht

Ruth Bader Ginsburg war eine weltweit anerkannte Juristin und eine Ikone der Frauenbewegung. Vergangene Woche ist sie im Alter von 87 Jahren verstorben. Seit 2009 kämpfte sie immer wieder mit Krebs. Sie machte sich einen Namen als Kämpferin für die Gleichstellung und gewann dazu wichtige Fälle vor dem Obersten Gericht.