von Markus Kunz

Von Vielen und Wenigen

Ungleichheit, vorab materielle, ist überhaupt kein Problem. Das Problem ist höchstens, dass solche Sprüche nur von den Wohlhabenden kommen, kaum von den Habenichtsen. Ungleichheit, und wir reden hier nicht von der Banalität, dass wir alle etwas unterschiedlich sind, ist im Gegenteil eine halbe Katastrophe für eine Gesellschaft.

Wenn…

Wenn etwas nervt, dann das, dass wir nach der verlorenen Abstimmung scheints auch noch den Siegern zuhören müssen, auch wenn sie nichts Neues vertreten, sondern nur ihre alten Interessen. Dabei war das CO2-Gesetz derart weich(sinnig) gespült, dass man sich fragen darf, ob das nicht sein Untergang gewesen ist. Dennoch schreien sie nun nach noch ‹liberaleren› Ideen, nach noch sorgsamerer Schonbehandlung der Erdölwelt oder nach Gaskraftwerken, die man aber, das muss man sich mal vorstellen, sofort klimakompensieren müsste. Das ist, wie wenn man sagen würde, ihr dürft schon mit Stinkbomben werfen, aber nur, wenn ihr gleichzeitig Duftbäumchen aufhängt. 

Grundrechte

Es ist schade, dass die Debatte über die beiden Landwirtschaftsinitiativen falsche Fronten generiert, weil wir nicht fähig sind, die wahren Gegner auszumachen, etwa Giftproduzenten, LobbyistInnen, falsche Beratung. Eine Nahrungsmittelproduktion, welche die Menschen vor eine solche Alternative stellt, kann gar nicht auf Dauer bestehen, weil die Natur nicht mitmacht.

Problempersonal

Wie war das nochmals mit der Macht in Zürich? Liegt sie bei Rot-Grün, das die Stadtregierung seit Jahrzehnten dominiert?

Wem sini Zuekunft?

Als meine erste Enkelin vor drei Jahren auf die Welt kam, realisierte ich plötzlich und mit Schrecken, dass sie alle Chancen hat, das Jahr 2100 zu erleben. 2100 gilt in der Nachhaltigkeitsforschung als Annus horribilis.

He! Sie! Ritter!

Halt! Nicht im Güllenloch verstecken! Heute will ich gar nicht mit Ihnen schimpfen, sondern ich muss Sie in allen Tönen loben! Sie sind unser bester Mann! Unsere Erfolgsgarantie! Ich habe noch nie gesehen, wie sich jemand derart formvollendet ins Knie schiesst wie Sie. Die Bauernsame kann frohlocken, dass sie Sie an ihrer Spitze hat!

Orientierung

Vielleicht war es immer schon so und ich habs nicht bemerkt, aber mir scheint, es häuft sich ein bisschen, dass ich mit Leuten darüber rede, was links sein eigentlich bedeutet. Man kann solcherlei Selbstfindung ja bereits in der Tageszeitung lesen, wo sich selbstdefinierte Linke hinterfragen, was eine eigenartige Anmutung hat, aber natürlich immer gut ankommt. Sagte nicht schon mein Onkel selig, «wer zwanzig ist und nicht links, hat kein Herz, wer vierzig ist und immer noch links, keinen Verstand»? So eine Art reduzierter Pestalozzi-Meccano, bei dem die unsichtbare Hand vergessen gegangen ist. Diese Debatte, so wie sie gerade auftaucht, weist eine eigenartige Dynamik auf. Ist es derart mainstreamig geworden, links zu sein, dass man sich öffentlich versichern muss, was denn genau der Inhalt sei?

Integration

Alle reden immer von den AusländerInnen, die integriert werden sollen. Ich erzähle Ihnen mal die Geschichte, wie ich eigentlich integriert wurde, und das dauerte notabene nur einen Sonntag.

Falscher Feind

Grundrechte haben es momentan schwer in diesem Land. Die Diskussion dazu wird verlogen geführt: Der Zuwachs an Freiheit ist nicht ersichtlich, für einige Gruppen ist es klar eine Einschränkung. Der Zuwachs an Sicherheit ist nicht bewiesen, die Stimmung im Land wird im Gegenteil destabilisiert und vergiftet. Was ich nicht verstehe: Was bringt es den Leuten, solchen Mist zu unterstützen?

Exponentiell, hoffentlich

Und es geht weiter. Nichts hat sich verändert, das Pingpong verschärft sich sogar noch. Lächerlich. Wie wenn die Verantwortlichen sich nicht durch Zahlen, sondern durch ihre Wahrnehmung dieser Zahlen leiten liessen. Offenbar wissen noch lange nicht alle, was «linear» genau heisst oder was «exponentiell» bedeutet. Zumindest tun manche so, wie wenn sie damals in der Mathi einen Fensterplatz gehabt hätten.