Markus Ernst

 

«Noch immer ist sich die Forschung uneins, was vor 60 Millionen Jahren geschah, als die damals dominierenden Tierarten plötzlich ausstarben, aber eines ist klar: Ohne diese Katastrophe gäbe es heute kein intelligentes Leben in der uns bekannten Form auf unserem Planeten. War ein Meteoriteneinschlag die Ursache für die Klimaveränderung, die die Säugetiere auslöschte und so den Weg freimachte für die Entwicklung der Insektenheit?» – Ungefähr so stelle ich mir den Lead zu einem Artikel vor, im Wissenschaftsbund einer Wochenzeitung einer Ameisen- oder Kakerlakenkultur der Zukunft. 

 

Wir Menschen sehen die Katastrophe, die die Dinosaurier auslöschte, gern als Wendepunkt, der den Aufstieg der Säugetiere und mithin des Menschen erst möglich machte. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass künftige intelligente Wesen die Katastrophe, an der wir gegenwärtig basteln, nicht ähnlich bewerten werden. Wenn wir als Menschheit an dieser selbst gemachten Katastrophe zugrunde gehen sollten, wäre das also, erdgeschichtlich gesehen, nicht weiter schlimm. Je nachdem, ob es dann der Klimakollaps ist oder doch eine Kettenreaktion von Atomschlägen, werden die Auswirkungen auf den Rest der Natur mehr oder weniger gravierend sein, aber die Natur wird sich auch von uns erholen, wie sie sich schon von so vielem erholt hat – und wenn wir uns in 60 Millionen Jahren zu intelligenten Wesen entwickeln konnten, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass das in weiteren 60 Millionen Jahren nicht auch anderen Tieren gelingen kann.

 

War das jetzt zynisch? Auf jeden Fall nicht zynischer als unser alltägliches menschliches Wirken. Die kommende Klimakatastrophe ist allgegenwärtig, aber das ist kein Grund, nicht jedes Jahr noch mehr noch schwerere Autos in Verkehr zu bringen. Kein Grund, nicht immer neue stromfressende Unnötigkeiten in die Welt zu setzen, zum Handy und dem PC noch ein Tablet, in jedem Zimmer ein Fernseher, die Stadt vollgestellt mit E-Trottis, im Home alles smart. Kein Grund, weniger Fleisch zu essen (ja, ich nehme mich nicht aus). 

 

Wir sind alle für den Umweltschutz, aber einschränken wollen wir uns nur da, wo es grad passt. Wenn irgendwann die Meeresspiegel steigen und die BewohnerInnen der überfluteten Küstenregionen zu uns flüchten, dann bin ich überzeugt: Auch von ihnen werden sich acht von zehn einen SUV leasen, sobald sie es sich leisten können. 

 

Im Film «The Matrix» sinniert Agent Smith, eine Künstliche Intelligenz im Dienst der Maschinenwelt, über uns: «Ihr seid im eigentlichen Sinne keine richtigen Säugetiere. Jedwede Art von Säugern auf diesem Planeten entwickelt instinktiv ein natürliches Gleichgewicht mit seiner Umgebung. Ihr Menschen aber tut dies nicht. Ihr zieht in ein bestimmtes Gebiet und vermehrt euch und vermehrt euch, bis alle natürlichen Ressourcen erschöpft sind, und der einzige Weg zu überleben ist die Ausbreitung auf ein anderes Gebiet. Es gibt noch einen Organismus auf diesem Planeten, der genauso verfährt… Wissen Sie welcher: das VIRUS. Der Mensch ist eine Krankheit, das Geschwür dieses Planeten – ihr seid wie die Pest!» (Zitiert nach insidethematrix.net)

 

Im wirklichen Leben muss sich die Menschheit nicht vor übermächtig gewordenen Maschinen retten, sondern vor sich selbst. Aber will sie sich überhaupt retten? Es sieht mir nicht danach aus. Gute Nachrichten für die Ameisen, die Kakerlaken oder wen auch immer.

 

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