Der Zürcher Gemeinderat hiess die Neugestaltung der Sihlböschung gut und arbeitete eine Reihe von Postulaten und Motionen ab.

 

Der Zürcher Gemeinderat war an seiner Sitzung vom Mittwochabend effizient unterwegs: Bis auf ein Geschäft arbeitete er die ganze Traktandenliste ab, und trotzdem endete die Sitzung schon um 22 Uhr. Einige Redaktionslesungen gingen zum Auftakt glatt über die Bühne. Der Umbau der Schulanlage Lachenzelg und der Projektierungskredit für die Schulanlage Entlisberg gaben kaum zu reden. Ob Fernwärme oder die Neugestaltung der Hafenpromenade Enge, der Rat war sich entweder einig (Fernwärme) oder nur die SVP dagegen (Hafenpromenade).

 

Freude herrschte dann beim Objektkredit für die Umgebungsneugestaltung der Sihlböschung im Abschnitt Lagerstrasse bis Postbrücke – insbesondere beim Kommissionssprecher Markus Knauss (Grüne). Er sprach von einer «kleinen, aber feinen» Vorlage für die Sihlböschung, genauer für eine 13-stufige Sitzstufenanlage: «Sie wird von der Postbrücke her auf einer Länge von rund 70 Metern ausgestaltet und macht den naturnah gestalteten Gewässerbereich so erlebbar.»

 

Verwendet wird derselbe Quarzstein wie auf der anderen Flussseite bei der Sigi-Feigel-Terrasse. Die wasserrechtliche Konzession des Kantons sei bereits erteilt worden, und auch der Kanton Zürich sehe «ein hohes Interesse an dieser Sitzstufenanlage und hat uns deshalb die Nutzungsgebühr an dieser wasserrechtlichen Konzession erlassen», sagte Markus Knauss. Diese Konzession laufe im Jahr 2042 aus, weshalb die Stadt 898 000 Franken zur Seite legen müsse für den Fall, dass der Kanton dann zum Schluss käme, dass man die Anlage nicht mehr wolle: «Die Mehrheit geht jedoch davon aus, dass das nie der Fall sein wird», stellte Markus Knauss klar. Der Kredit beläuft sich auf 3,755 Millionen Franken, wovon 150 000 Franken bereits für Fischunterstände in der Sihlsohle ausgegeben worden sind. Ebenfalls bereits weg sind 330 000 Franken Projektierungskosten, und natürlich sind auch die erwähnten rund 900 000 Franken für allfällige Rückbaukosten reserviert. Die effektiven Kosten liegen somit bei knapp zwei Millionen Franken.

 

Die Mehrheit der Kommission sei «sehr überzeugt von diesem Projekt», sagte Markus Knauss, und auch die Kosten seien angesichts dessen, was man dafür bekomme, «gerechtfertigt». Nun als Grüner fügte er noch an, mit diesem Projekt werde auch die «klimatisch nicht sehr glückliche Gestaltung des Europaplatzes» ein wenig kompensiert, würden dort doch 34 neue Bäume gepflanzt, und es gebe einen neuen Zugang zum Wasser.

 

Für die Kommissionsminderheit sprach Derek Richter (SVP) von «sagenhaften 3,8 Millionen Franken für dreizehn Treppenstüfchen». Dabei sei das Ganze noch nicht mal behindertengerecht – und darüber hinaus auch noch «unnatürlich». Zudem kämen die «enormen Unterhaltskosten» schlicht nicht zur Sprache, dabei sehe man ja bei der Sigi-Feigel-Terrasse, wie es nach einem warmen Sommerabend aussehe. Werde die neue Treppe wirklich erstellt, werde man auch eine Vollzeitstelle für die Entsorgung brauchen. Kurz: Es sei nichts anderes als ein «Luxusprojekt» à la «nach mir die Sintflut». Seiner Aufforderung, es abzulehnen, folgte allerdings nur die SVP-Fraktion: Mit 99:14 Stimmen hiess der Rat die Vorlage gut.

 

Mehr zu reden gab sodann noch eine Vorlage für ein Darlehen von 18 Millionen Franken für die Stiftung Wildnispark Zürich, und zwar für die Finanzierung der Instandsetzung der Liegenschaften sowie für die Sicherstellung der Liquidität (vgl. dazu das Wochengespräch auf den Seiten 12 und 13 dieser Ausgabe). Einig war man sich hingegen bei den jährlich wiederkehrenden neuen Ausgaben von maximal 200 000 Franken für Naturschulanlässe von Grün Stadt Zürich, die externe AnbieterInnen durchführen: Sibylle Kauer (Grüne) führte aus, diese Anlässe seien sehr beliebt, vor allem jene im Wald und auf dem Bauernhof. Dafür Geld zu sprechen, erschien allen sinnvoll, die Vorlage kam mit 111:0 Stimmen durch.


«Relaxen» am Limmatquai

Nach der Pause arbeitete das Parlament zügig Postulate und Motionen ab, und mit einem dieser Vorstösse knüpfte er gewissermassen an die Vorlage zur Sihlböschung an: Mit einem Postulat forderten Severin Meier (SP) und Guy Krayenbühl (GLP) den Stadtrat auf, zu prüfen, «wie in Zusammenarbeit mit dem Kanton am Ufer der Limmat zwischen der Rathausbrücke und dem Drahtschmidli­steg zusätzliche Räume mit erhöhter Aufenthaltsqualität, wie z.B. Holzstege mit Sitzmöglichkeiten, geschaffen werden können».

 

Severin Meier sagte, das Limmatquai sei «einer der schönsten Orte» der Stadt, aber es biete zu wenig Möglichkeiten, um «ohne Konsumzwang zu relaxen» und die Naturschönheit zu geniessen. Das sei schade, und dieses brachliegende Potenzial sollte man ausschöpfen und in Zusammenarbeit mit dem Kanton die geforderten zusätzlichen Räume mit erhöhter Aufenthaltsqualität schaffen.

 

Die Ablehnung des Stadtrats begründete Tiefbauvorsteher Richard Wolff unter anderem damit, es sei nicht sicher, ob es am Schluss städtebaulich tatsächlich besser und schöner wäre, wenn man das Geforderte umsetzte. Zudem gebe es bereits die Riviera, die kürzlich neu gemacht worden sei, und die Aufwertung der Sihlböschung habe der Rat ja gerade beschlossen. Es sei im übrigen nicht sicher, ob der Kanton im genannten Abschnitt überhaupt weitere Bauten zulassen würde. Guy Krayenbühl betonte nichtsdestotrotz, wie «äusserst unattraktiv» die Situation sei, und fügte an, im letzten Abschnitt zum Drahtschmidlisteg hin hätte sogar die kantonale Verwaltung etwas von den Aufwertungsmassnahmen. Bei der Abstimmung zeigte sich, dass der Stadtrat auf völlig verlorenem Posten stand: Mit 110:0 Stimmen überwies der Rat das Postulat.


Lieber Tauben als Kunst?

Zu später Stunde ging es dann noch um die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Mit einem Postulat verlangten Urs Helfenstein (SP) und Selina Walgis (Grüne) die «Reduzierung des Taubenproblems durch Umsiedlung von Tauben in Schläge und die Sensibilisierung der Bevölkerung». Nach lebhafter Debatte überwies der Rat das Postulat mit 82:18 Stimmen (der FDP) und einer Enthaltung.

 

Noch mehr zu reden gab ein Postulat von Stefan Urech (SVP) und Urs Helfen­stein (SP), das die «Umplatzierung der Betonskulptur ‹No Problem Sculpture› auf dem Mobimo-Platz zugunsten einer Begrünung mit Sitzgelegenheiten» verlangte. Auch wenn Richard Wolff darauf hinwies, dass die Skulptur von Not Vital auf Privatgrund steht und die Stadt keinen Anlass sehe, zum Grundeigentümer zu gehen und ihm zu erklären, sie stehe am falschen Ort, so überwies der Rat auch dieses Postulat, und zwar mit 55:51 Stimmen und 7 Enthaltungen (der AL).

 

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