Wo die Linke am rechten Ufer kämpft

Als letzte Region im Kanton wählt der Bezirk Meilen übermorgen Sonntag die kommunalen Behörden. Wo überall die Linke an der Goldküste um Gemeinderatssitze ringt und wo sie erst gar nicht antritt.

 

Arthur Schäppi

 

Schwappt die grüne Welle nach den Erfolgen der GP bei den Kommunalwahlen vom 27. März in Adliswil und Wädenswil jetzt womöglich ein Stück weit ans rechte Zürichseeufer? Fakt ist: An der wohlhabenden Goldküste, seit jeher erzfreisinnige Stammlande, ist das politische Terrain für die Linke steinig, die Ausgangslage für die Grünen entsprechend schwierig. Die GP ist bislang in keiner der 11 Gemeinden der Pfannenstilregion in der Exekutive vertreten – und will das nun ändern. Zumindest in zwei Gemeinden, nämlich in Hombrechtikon und Männedorf. In Männedorf schicken die Grünen ihren Präsidenten, Betriebsökonom Marcel Roy in Kampfwahlen. Und hoffen dabei wohl auf einen ähnlichen Überraschungscoup und rot-grünen Erfolg wie vor knapp sechs Wochen. Damals stimmte die Gemeindeversammlung Männedorf gegen bürgerlichen Widerstand der Einzelinitiative einer Klimagruppe für die Förderung der Biodiversität zu. Und auf Antrag der SP nicht minder überraschend auch dem Höchstsatz von 40 Prozent für kommunale Mehrwertabschöpfungen bei Um- und Aufzonungen (P.S. berichtete).

 

Einer kleinen Sensation gleich aber käme es, wenn die vor weniger als anderthalb Jahren gegründete GP Hombrechtikon mit ihrem Präsidenten, Umweltingenieur Manuel Bayer, den Einzug in die dortige Dorfregierung schaffen würde. Denn dazu müsste der grüne Herausforderer eine oder einen der sieben bisherigen AmtsinhaberInnen, die allesamt nochmals antreten, verdrängen. 

 

In Uetikon wiederum greift seitens der Linken die SP an. Sie will mit der bisherigen Schulpflegerin Mirjam Pfister in einer Kampfausmarchung das Schulpräsidium und damit einen Sitz im siebenköpfigen Gemeinderat erobern. Für eine weitere Amtsperiode kandidiert dort zudem Sicherheitsvorsteherin Marianne Röhricht von der links-grünen Lobby Uetikon. Als Sprengkandidat der SP vor einer Herkulessaufgabe steht in Herrliberg sodann der 18jährige Informatiker Aksel Jessen.

 

In Meilen hingegen kann die SP mit der bisherigen Liegenschaftenvorsteherin Irene Ritz-Anderegg und Sozialvorstand Hanspeter Göldi antreten, in Männedorf wiederum mit Gesellschaftsvorstand Roger Daenzer. Verteidigen wollen die Sozialdemokraten ihren Besitzstand auch in Stäfa. Mit dem bisherigen Werkvorstand Christoph Portmann sowie mit Schulleiter und Berufsschullehrer Casimir Schmid (neu) als Ersatz für die zurücktretende SP-Gemeinderätin Jeannette Dietziker. 

 

Ohne linke Alternative

Schon vor dem Wahltermin von übermorgen Sonntag klar aber ist, dass in Oetwil sowie in den Gemeindehäusern des untersten, besonders noblen Bezirksteils, also in Zol­likon, Zumikon, Küsnacht und Erlenbach wie schon in der auslaufenden auch in der künftigen Amtsperiode ohne linke Beteiligung regiert wird. Weil dort weder die GP noch die SP GemeinderatskandidatInnen stellen. Geprägt werden die Kommunalwahlen im Bezirk Meilen nicht zuletzt auch von Kampfausmarchungen um die Gemeindepräsidien von Küsnacht, Erlenbach, Oetwil und Männedorf.

 

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