Nicht in meinem Namen

Nein, ich will nicht. Ich will nicht dahin zurück, wo die Frauen noch eine Auszeichnung dafür erhielten, dass sie Kinder zur Welt brachten und dann als Hausfrau für die Aufzucht funktionierender Staatsbürger alleine verantwortlich zeichneten, sich dadurch in die totale finanzielle Abhängigkeit ihres Mannes begaben, der sie dann mit der Sekretärin betrog, was sie erdulden mussten, weil sie ja so ohne Geld gar nicht gewusst hätten, wohin mit sich. Die Reduktion der Frau auf die Mutterrolle, das heisst die Übertragung aller Haus- und Betreuungsarbeiten auf sie, ohne Erwerbsarbeit ausser Haus, war damals wie heute der sichere Weg ins Verderben. Ich will keine Frau sein, die geehrt wird dafür, dass sie das tut, was die Natur ihr alleine vorbehält, nämlich gebären. Dahin will ich nicht wieder zurück, nein, und deshalb will ich eine Elternzeit, die paritätisch ist. Beide Elternteile gleich viele Wochen von Anfang an, gemeinsam zu beziehen. Weil ich will, dass kein Keil zwischen Vater- und Mutterschaft getrieben wird. Die Schwangerschaft, die Geburt, das Stillen machen die Beziehung der Mutter zum Kind nicht stärker, inniger, irgendwie wertvoller oder gar schützenswerter als die des Vaters zu seinem Kind. Es gibt keinen Unterschied zwischen Mutter- und Vaterschaft.

 

Während also ich und viele Frauen Generationen vor mir genau dafür kämpften, dass Mutter und Vater gleich und gleichermassen dieses Kind zusammen bekommen, die Überhöhung der Mutterrolle mit vielen Pflichten, aber wenig Rechten endlich zu einem Ende findet, gibt es jetzt Menschen, die im Namen des Frauenstreiks zu sprechen vorgeben, wenn sie sagen, dass der Frau mehr Wochen Urlaub zustehen müssen als dem Vater, weil das nicht das Gleiche sei, Mutter oder Vater zu werden. Und damit genau den Unterschied zementieren, der uns Frauen die in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung verwehrt. Ihr sprecht nicht in meinem Namen. 

 

Gerade diese Idee, dass die Mutter für das Kind wichtiger sei als der Vater, hat dazu geführt, dass Frauen mit einem Klotz am Bein namens Mutterschaftsurlaub in jedes Bewerbungsgespräch humpelten, während Männer, biologisch eigentlich noch viel länger zeugungsfähig als eine Frau, leichtfüssig vorsprechen konnten – sie waren ja dann nicht 14 Wochen weg vom Fenster, sondern nur 48 Stunden. Erst wenn Eltern zusammen daheim bleiben nach der Geburt ihres Kindes, genau gleich lang, von Anfang an, wird Elternschaft keine beruflichen und gesellschaftlichen Nachteile für die Frau mehr haben.

 

Wer also meint, mir und anderen Frauen einen Dienst zu erweisen, wenn sie jetzt so tun, als wäre das Kinderkriegen dermassen hochzupreisen und zu loben, dass man uns urlaubstechnisch bevorzugt behandeln müsse, insbesondere den Vätern gegenüber, liegt meines Erachtens komplett falsch. Nicht nur aus Gleichstellungsgründen übrigens. Ich habe einige Geburten hinter mir, und was nachher kommt, wird nicht einfacher, wenn ich alleine mit dem Neugeborenen und allenfalls noch anderen Kindern bin, nur weil man findet, der Mann habe die Strapazen einer Schwangerschaft und Geburt nicht erleben müssen, weshalb ihm, quasi als Strafe, weniger Wochen Urlaub zustünden als der Frau. Es ist kein Urlaub. Es ist der Start in ein Leben mit einem neuen Menschen, dem eigenen Kind, es geht um den Aufbau der Beziehung, da wird die Familie neu sortiert, und das betrifft alle genau gleich, weshalb das im ganzen Familienverbund möglich sein muss.

 

Das darf man dann gerne auch in meinem Namen fordern.

 

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