Knilz-Pigge

Wenn im Herbst eine unbekannte Nummer bei mir anruft, nehme ich das Telefon immer ab. 

 

Es könnte sich nämlich um Kundschaft der Pilzkontrolle handeln, die ich in Richterswil ausübe, und ich bin ja stets im Einsatz. 

 

Am Dienstag rief jemand an, der wissen wollte, wie seine Pilze konserviert werden könnten, zumal es nur montags und mittwochs eine Kontrolle gebe (leicht vorwurfsvoller Unterton). Nichts einfacher als das! Die Pilze in ein luftdurchlässiges Behältnis legen, etwa ein Sieb oder ein Körbchen aus Holz bzw. Drahtgitter oder einen Beutel aus Netzgewebe. Karton schimmelt zu schnell. Notfalls geht auch ein gelochter Plastikbehälter, in dem Früchte eingekauft wurden. Darüber ein angefeuchtetes und gut ausgewrungenes Küchentuch legen. Das Ganze im Kühlschrank aufbewahren. Im Keller ist es nicht genug kalt, und die Pilze zersetzen sich schnell. Ottilie Normalverbraucherin denkt ja bei Pilzvergiftungen in erster Linie an Giftpilze. Die meisten leichten bis mittelschweren Vergiftungen stammen aber von Speisepilzen, die in verdorbenem Zustand verzehrt wurden! Darum merke: Ist der Pilz von Maden zerfressen oder dunkel matschig, zeigt er Schimmelbefall oder riecht fischig-spermatisch, kommt er in die Grünabfuhr oder im Wald zur letzten Ruhe. Im Kompost stinkt er  unsäglich, davon würde ich abraten.

 

In letzter Zeit hat sich unser Publikum verjüngt. Wie schön! Vielleicht hat Corona ja dazu beigetragen, dass die Leute sich wieder lieber im Wald tummeln. Heute kamen zwei höchst motivierte, informierte und respektvolle junge Sammlerinnen zu mir: «Wir waren mit Büchern im Wald, aber es war zu dunkel, um die Bilder recht zu sehen; könnten wir auch – ganz wenige – Pilze nach Hause nehmen, um sie zu bestimmen? Dürfen wir die Pilze in A sammeln und in B in die Kontrolle bringen? Oder in C dem Verein beitreten und trotzdem zu Ihnen in die Kontrolle kommen, weil es näher ist? Gibt es ein Mindestalter?» Alles easy! Die Vereine freuen sich über jeden, und insbesondere über jungen Zuwachs. An deren Bestimmungsübungen geben die Eingfleischten stolz all ihr Spezialwissen preis. 

 

Ein Ansinnen ist jedoch tabu: Von Eingeweihten oder Fachleuten zu erfahren, «wo es denn Pilze gibt» oder «wo die guten Pilzplätze sind» oder ob sie eine Gruppe auf einer Exkursion in ein «Pilzreiches Gebiet» führen würden. Ts, ts, ts – das verbietet sich eigentlich von selbst. Denken Sie nur, Sie hätten sich über die Jahre sternförmig von Ihrem Naherholungsgebiet aus auf regelmässigen Streifzügen über das lokale Pilzvorkommen kundig gemacht und kennten nun einige Plätze, wo Sie öfters fündig werden. Wie geil wäre es jetzt, wenn ich da gerne mal mit Gruppen auftauchte, um Ihnen mit vereinten Kräften das Revier zu plündern? Und wie toll ist es wohl für Menschen in pilzreichen Gebieten, z.B. in Graubünden, wenn Auswärtige ständig in Horden einfallen und die Heuwiesen niedertrampeln, um sich die Parasols zu schnappen? Oder gar mit Truppen bezahlter Pilzschmöcker (in der Regel von Italien her) in der letzten Nacht nach Ende der Schonzeit alle Steinpilze abzuräumen, noch bevor die Einheimischen gefrühstückt haben? 

 

Neinnein. Gehen Sie in die Natur, je öfter desto besser. Lernen Sie Bäume und Waldgesellschaften kennen, lesen Sie Böden, Landschaften, Jahreszeiten, klimatische Umstände. Und freuen Sie sich an Ihrem ganz eigenen Fund – botanisch und kulinarisch!

 

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