Frühstart für Zürcher Pflege

Hält das von der Stadt neu lancierte «Programm Stärkung Pflege», was es verspricht? Das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich lud am Dienstag zur Medienkonferenz, um die ab August geltenden Verbesserungen in der städtischen Pflege vorzustellen.

 

Sergio Scagliola

 

An der Medienorientierung vom 24. Mai im Stadthaus stellten Stadtrat Andreas Hauri, Stadtspital-Direktor  Marc Widmer sowie Patrick Witschi als Leiter des Spital-Departements Pflege, Soziales und Therapien, die Direktorin der Gesundheitszentren für das Alter Renate Monego sowie deren Kollegin Claudia Müller als Leiterin Human Resources die neue Strategie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Pflegeberuf vor. Stadtrat Andreas Hauri (GLP) will mehr Tempo bei der effektiven Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Pflegebereich – gerade im Hinblick auf die angenommene Pflegeinitiative. Die Stadt Zürich setzt nun – es ist fast ein Trend geworden – ein Zeichen. Auch wenn die Formulierungen, wie die effektiven Verbesserungen aussehen sollen, etwas vage waren – die Qualität und den Nachwuchs zu sichern, Aspekte des Berufs (weiter) zu entwickeln, die Attraktivität zu steigern, Bedrohungen zu bekämpfen, das Potenzial zu nutzen etc. – betreibt die Stadt hier aber keine Symbolpolitik. Patrick Witschi brachte es so auf den Punkt: «Applaus ist gut, Taten sind besser».

 

Denn es wurde auch konkret: Ab August dürften rund 70 Prozent der rund 3000 Angestellten im Stadtspital sowie in den Gesundheitszentren einen höheren Lohn auf ihrem Konto verbuchen. Dies geht auf eine grossflächige Überprüfung des Lohnsystems der städtischen Angestellten in nicht-ärztlichen Funktionen zurück. Die Tätigkeit dieser 70 Prozent wurde im Rahmen dieser Überprüfung als Anlass für eine Höherstufung im Lohnsystem erkannt – heisst: Die Zunahme in Kompetenz und anspruchsvoller Arbeit für die Pflege sowie mehr benötigte Autonomie im Arbeitsalltag und dessen Entscheidungen haben dazu geführt, den Beruf finanziell aufzuwerten. Höhere Funktionsstufe, höherer Lohn. Eine Erhöhung des Ausbildungslohns wurde noch nicht kommuniziert, ist aber in Abklärung, so Stadtrat Andreas Hauri. 

 

Entlastung und Empowerment

Auch im Arbeitsalltag verspricht die Stadt ihren Angestellten im Pflegebereich Verbesserungen: Mehr Flexibilität, Entlastung der MitarbeiterInnen und «Empowerment». Konkret soll sich das beispielsweise in besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie, flexiblen Arbeitsmodellen sowie Teil- und Kleinstpensen, aber auch etwa durch den Ausbau des Pflegepools und auch dem Weiterbildungssystem äussern. Auch die eigenständige Planung des Schichtbetriebs – was auch die Planung der Kompensationstage betrifft – ist ein zentrales Anliegen der VertreterInnen des Departements für Gesundheit und Umwelt. So will die Stadt das Berufsfeld attraktiver machen. Denn der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein Problem, wofür die Stadt ein Massnahmenpaket beschlossen hat, um diesen zu lindern. Berufsausstiege sollen vermindert werden, der Nachwuchs gefördert und gesichert und die Spezialisierung im Pflegeberuf weiter vorangetrieben werden. Claudia Müller sprach von einem «Kulturveränderungsprozess», der dringend nötig ist und etwa durch einen angenehmeren Arbeitsalltag eingeleitet werden kann.

 

Dennoch: Bestehende Probleme verschwinden nicht einfach. Die Schweizer Spitäler, insbesondere die grossen, seien gefordert, erklärte Marc Widmer. Die Kapazität zur qualitativ hochwertigen Versorgung von PatientInnen sei momentan zwar gesichert, es gelte aber auch, dies in Zukunft sicherzustellen. Ausserdem: Nach wie vor herrscht eine starke Geschlechterungleichheit – der Pflegeberuf sei noch immer mehrheitlich ein Frauenberuf, erklärte Gesundheitszentrumsdirektorin Renate Monego. Auch die Parteien sind nicht vollumfänglich zufriedengestellt. Sie begrüssen die Massnahmen, kritisieren aber die Vagheit vieler der getätigten Aussagen in ihren jeweiligen Medienmitteilungen vom 24. Mai: Die SP sieht im angekündigten Programm einen wichtigen ersten Schritt, «es braucht aber weitergehende Massnahmen, um die Situation nachhaltig zu verbessern». Die SozialdemokratInnen bedauern allerdings, dass etwa die Forderung nach einem einfacheren Quereinstieg weiterhin offenbleibe. Auch die Grünen freuen sich über die konkreten Verbesserungen, die die Stadt vorgelegt hat, wollen allerdings ebenfalls prüfen, ob dieses Programm wirklich handfeste Verbesserungen mit sich bringt oder nur die Richtung stimmt. Ebenso die GLP: Sie zeigt sich erfreut, allerdings weisen auch hier einige Punkte noch Fragezeichen auf und bedürfen weiterer Konkretisierung. 

 

Im August dürften die beschlossenen Massnahmen Früchte tragen. Hoffentlich tatsächlich so zugunsten der Pflege, wie sich die Stadt das vorstellt. Die Parteien versprechen zumindest: Wir bleiben kritisch.

 

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