Schweinische Unkrautvernichter

Im Zolliker Wald breitet sich das invasive ‹Henrys Geissblatt› unkontrolliert aus. Dem unliebsamen Neophyten rücken seit Anfang dieser Woche Turopolje-Schweine zu Leibe. Am vergangenen Dienstag stellten die Verantwortlichen das «schweinische» Pilotprojekt vor.

 

Angela Bernetta

 

Turopolje-Schweine sind für ihren starken Wühltrieb bekannt. Davon konnte man sich am vergangenen Dienstag im Zolliker Wald überzeugen. Eine Sau und fünf Jungtiere pflügten sich munter durch den Dreck und verschlangen alle Wurzeln, die ihnen vor die Schnauze kamen. «Diese Eigenschaft machen wir uns in einem Pilotprojekt zunutze, das wir diese Woche gestartet haben», erklärte Christian Wiskemann, Biologe und Fachberater Naturnetz Pfannenstil (NP). In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Zol­likon, den Wald- und Schweinebesitzern und dem Kanton Zürich lancierte der Verbund diesen «schweinischen» Feldversuch mit dem Ziel, den Bestand an invasivem Henrys Geissblatt (Lonicera henryi) im Zolliker Wald zu reduzieren. Ein Pilotprojekt sei es deshalb, so Wiskemann, da der Kanton für das Weiden der Schweine im Wald eine Ausnahmebewilligung ausstellen musste. 

 

«Turopolje-Schweine gehören zu einer alten und äusserst robusten Rasse aus den Auengebieten Kroatiens. Sie eignen sich sehr gut für die Aufgabe als Unkrautvernichter», ergänzte Schweinehalter Nils Müller. «Sie sind Allesfresser und wenig heikel im Unterhalt.» Gleichwohl füttere man die Tiere im Einsatz zusätzlich noch mit Getreide.

 

«Über rasch wurzelnde Triebe oder über Samen durch Vögel bereitet sich das invasive Henrys Geissblatt im Zolliker und angrenzenden Küsnachter Wald seit geraumer Zeit unkontrolliert aus», erklärte Revierförster Arthur Bodmer. Die Schlingpflanze überwuchere aber nicht nur grosse Flächen im hiesigen Waldgebiet, ersticke und/oder verdränge so die natürliche Vegetation, sondern verursache auch grosse Schäden und Kosten für Infrastruktur, Land- und Forstwirtschaft. Dem möchten die Verantwortlichen einerseits mit der Wurzel fressenden Schweinerasse entgegenwirken. Andererseits sehen sie diesen Versuch als Alternative zu zeitaufwändigen und anstrengenden Bekämpfungsmethoden wie Ausreissen, Mähen oder Schneiden.

 

Pilotprojekt dauert zwei Jahre

Vorerst pflügen die Turopolje-Schweine eine Testfläche von 50 x 50 Metern um, die vorschriftsgemäss mit einem Elektrozaun geschützt ist. Wilkemann ergänzte: «Wir sind zuversichtlich, dass man so die bewurzelten oberirdischen Triebe von Henrys Geissblatt in Schach halten kann.» Ob sich in den Kotproben der Tiere auskeimende Inhalte finden werden, wird sich noch zeigen. Es sei aber anzunehmen, dass die Schweine diese angemessen verdauen, mutmasste Arthur Bodmer. 

 

Das Pilotprojekt ist vorerst auf zwei Jahre ausgelegt. Danach wird im Rahmen einer Erfolgskontrolle entschieden, ob die Turopolje-Schweine als Unkrautvernichter dauerhaft und in weiteren Gebieten eingesetzt werden können.

 

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