Freiheitskampf

Nedjma (Lyna Khoudri) und Wassila (Shirine Boutella) sind zwei junge, lebensfrohe Studentinnen in Algier der 1990er-Jahre. Nachts brechen sie aus ihrem Pensionat aus, um sich die Nächte in Clubs um die Ohren zu schlagen. Auf den dortigen Toi­letten beschafft sich Nedjma auch ihre Couture-Aufträge von zahlungskräftigen Kundinnen. Über ihre Zimmergenossin Samira (Amira Hilde Douadouda) machen sie sich recht grob lustig, primär über ihren streng praktizierten Glauben. Die Nagelprobe steht allen jungen Frauen aber noch bevor. Mounie Meddour (Buch und Regie) verhandelt in «Papicha», was jungen Frauen in einer bereits schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation droht, wenn die islamistischen FundamentalistInnen mit ihren rigiden Moralvorstellungen über eine Gesellschaft hereinbrechen und mit Gewalt (und Geld) ihre Macht im Staat durchsetzen wollen. Erst sind es kleine Anzeichen der Verschärfung: Zuerst sind es bloss Plakate mit Anleitungen über die korrekt zu tragende Verhüllung, die die Wände verschandeln. Die lassen sich noch abreissen. Aber wenn ganze Gruppen schwarz verhüllter Frauen das Zimmer der jungen Frauen stürmen und zuerst nur lauthals, aber bereits mit der Gewaltandrohung in der Stimme für Ordnung sorgen, lässt sich die Bedrohung nicht mehr so leicht ignorieren. Mounia Meddours Perspektive ist eine kämpferische: Nedjma als zentrale Figur will sich ihr Leben nicht noch mehr vorschreiben lassen, als dies in einem wirtschaftlich prekären Patriarchat bereits der Fall ist. Doch die Widerstände gegen ihre freiheitliche Lebensauffassung werden grösser, und die Gewaltandrohung der FundamentalistInnen beginnt auf die direkte Umgebung zu wirken: Die Einschüchterung verändert die Gemengelage wie auch die Denke, die im Fall der jungen Männer – auch potenzielle Liebespartner, sogar die vormals moderner eingestellten – zurück in die Steinzeit katapultiert. «Papicha» zeigt die schleichende Veränderung einer Gesellschaft, wenn diese von Extremisten bedroht wird, und was geschieht, wenn eine den Versuch traut, sich nicht unterkriegen zu lassen.

«Papicha» spielt im Kino RiffRaff.

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