von Thierry Frochaux

Schwermütig

Die Grundmauern der Universität stehen noch, über dem früheren Eingang des Kinos hängt noch verwaist ein zu Träumen anregendes Schild. Aber in Kabul im Sommer 1998 haben die herrschenden Taliban der Bildung, den Bildern, der Musik, ja nachgerade der Menschlichkeit den Kampf angesagt

Paradox

Die Überforderung, von der jüngere Generationen dauernd reden, bringt Claire Dessimoz völlig verwirrend rüber.   Üblicherweise ist die erste Reaktion auf Unverständnis das Umleiten von Konzentration auf irgend etwas real Beschäftigendes. Das Kunststück von Claire Dessimoz in ihrem Solo «Du bist was du holst» besteht darin, dass sie einzig mittels ihrer Bühnenpräsenz das Paradox zustande…

Zauber

Paralysiert, schockgefroren, ins Leere starrend? Auf jeden Fall unbeweglich hockt Ville Oinonen in einer Ecke des Tanzteppichs. Das Publikum sitzt in unmittelbarer Nähe rundherum.

Unterträglich, aber nötig

Unkommentierte Bildaneinanderreihungen eines Afrikabildes der «stolzen Wilden» aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch den damals offenbar einflussreichen Vermittler René Gardi (1909 – 2000) sind auf eine Dokumentarfilmlänge ausgedehnt, nur sehr schwer auszuhalten.

Wie ein Sprung in der Platte

Acht Jahre Krieg in Syrien. Lubna Abou Kheir findet mit «Gebrochenes Licht» eine sprachliche Krücke, um die daraus erwachsende menschliche Ohnmacht erahnbar zu machen – in jedem Alter, an jedem Ort, zu jeder Zeit

Stotterndes Rädchen

In Modellrechnungen ist die Just-in-time-Produktion ein Segen. Primär ermöglicht durch den Fortschritt der Digitalisierung, die auch dem Konsumismus die gesamte Warenwelt eröffnet.

Poesie-verdoppelung

Das vom Sterbebett aus das Leben rückwärts bis ins Nochnichtleben leben, wie das Ilse Aichinger 1949 in «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin» beschrieben hat, erweckt Nelly Bütikofer zu emotional fassbarem Leben.

Sturmgerede

Die Lecture-Performance «Die Mondmaschine» von «Mass und Fieber (Ost)» erinnert an die Vorgehensweise von «The Yes Men», die erstmals 2005 im Film von Dan Ollman und Sarah Price einer etwas bereiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht wurde.

So gesehen, ergibts Sinn

Statt die Faust im Sack zu ballen, ermöglichte eine (natürlich streng wissenschaftliche) Andersbetrachtung der Ursprünge von Alltagsärgernissen sogar, das eigene Gemüt zu erhellen. Patti Basler hat die Anleitung dazu.

Staatskunst

Wenn die Obrigkeit dirigiert, was Kunst ist und was nicht, wirds eng für die Fantasie. Also gilts dagegenzuhalten.