von Thierry Frochaux

«Isch nöd mini Schuld»

Nur drei Anläufe und ein paar Monate Geduld hats gebraucht, bis alle Voraussetzungen zusammenpassten: ein freier Platz, ein gesunder Künstler und ein noch unverplanter Abend. Nur die Überraschung ist ausgeblieben: Die Erwartungen wurden übertroffen.

Neue Umverteilung

Weil sich niemand – weder dafür noch dagegen – engagiert, versteht auch niemand die komplexe Vorlage «Neues Fördersystem für Tanz und Theater». Alle hocken wie das Kaninchen vor dem Loch. Die einen hoffen, dass sich die stadtzürcher Stimmberechtigten wie gewohnt verhalten und Kulturvorlagen zustimmen, die anderen, dass es für sie nicht so schlimm kommen werde, wie sie befürchten.

Schön verschroben

Welch waghalsige Gedankengänge in kunstvoll gedrechselten Wortkaskaden der Autor Hermann Burger (1942 – 1989) zu Papier gebracht hatte, macht Martin Butzke erlebbar.

Der Gang zum Schafott

Der Kontrast der um Fassung ringenden Schauspielerin und dem hochdramatischen Gesang ihrer Bühnenkollegin umreisst die Problemlage des Dokumentartheaters «Whistleblowerin/Elektra» kongenial. 

Ich denke, also film ich

Für eine Midlife-Crisis ist es schon zu spät, für eine Lebensrückschau noch zu früh, aber was reihum in der Welt oder dem Quartier vor sich geht, ist dermassen irritierend, dass ein Fragen in den Raum stellen auch ohne konkreteren äusseren Anlass jederzeit legitim ist. Stefan Haupt (*1961) tut dies mit «Zürcher Tagebuch».

Erneuerer

Wie immer, wenn der Film an sich Bestand hat, ist 3D ‹nice to have›, aber überhaupt nicht zwingend. Das gilt auch für «Cunningham» von Alla Kovgan.

Kein Entrinnen

Die grosse Kunstfertigkeit iranischer Filmemacher wie Mohammad Rasoulof besteht darin, durch ihre poetische Erzählweise niederschmetternde Themen in eine einzig schwermütig stimmende Tonalität zu überführen und damit dem kritischen Hintersinnen erst einen Weg zu bahnen. 

«Lagerregal» rückwärts

Understatement ist einfach eine sehr entspannte Haltung, und wie sie Simon Dellsperger und sein Team an den «Schwamendinger Kurzauftritten» gegenüber allen – Publikum wie Auftretenden – pflegt, ist einfach nur sehr sympathisch. Die Qualität der ausgesuchten Kunstpräsentationen gedeiht auf so einem Boden prächtig.   Die Versuchsanlage der Kurzauftritte – 18 subjektiv ausgewählte KönnerInnen erhalten an…