von Thierry Frochaux

Staatsaffäre

Über Roman Polanskis meisterhafte Verfilmung eines in die Geschichtsbücher eingegangenen Skandals.

Gastarbeiterkinderschicksale

Zwei Schwestern beugen sich mal wieder dem Zwang der Notwendigkeit, und während ihr Vater sie eine Nacht lang vor der Tür warten lässt, haben sie ausreichend Zeit, ihr Familienleben Revue passieren zu lassen.

Eine grosse Ermöglicherin

Viele im Tanz aktive Menschen vermochten die kleine, zurückhaltende Frau mit den neugierigen Augen und dem grossen Namen mit dem dahinter vermuteten Geld nicht zusammenzubringen. Um sich selber machte sie keinerlei Aufhebens.

Russia today

Unter dem Label «Performers Rule» können am Schauspielhaus künftig fünf Mal im Jahr Projekte von Ensemblemitgliedern «ohne Umweg über die Theaterleitung» in der Kammer realisiert werden. Der Auftakt war grandios.

Gegen das Vergessen

Seit einem Vierteljahrhundert ist die Apartheid in Südafrika offiziell abgeschafft. Doch sie wirkt in einer Vielzahl von Zusammenhängen bis heute nach. «Converting Eviction» ist der Versuch einer Auslegeordnung. 

Wer kann, kann

Papierwanderdünen mit integrierter Orgelpfeife, Weissagungen aus dem Zellstoffbiberbau, Doppelflötenserenaden und frenetischen Jubel auslösende Sekundenzeiger. «Méta-Jean 2» ist eine Ode an die Poesie des Analogen.

Fragile Balance

Der zugereiste Polizist Stéphane, nach Wunsch in die Plattenbauten einer Pariser Banlieue versetzt, muss sein Ordnungsverständnis im sozialen Hotspot bald einmal ablegen. «Les Misérables» von Ladj Ly lässt die Frage nach politischen Versäumnissen in Frankreichs Vororten aussen vor – und stürzt sich stattdessen Kopf voran ins Geschehen. Ein Film ohne Empathiefrage, über das Kippen einer fragilen Balance.

Früchte des Müssiggangs

Aufrecht gehen allein erfüllt einen nicht lebenslang ausreichend mit Sinn, um sich mit Betrachtungen des eigenen Bauchnabels zu begnügen. Gut, gibts Jens Nielsen, den schrankenlosen Denker und verqueren Fabulierer.

Schwermütig

Die Grundmauern der Universität stehen noch, über dem früheren Eingang des Kinos hängt noch verwaist ein zu Träumen anregendes Schild. Aber in Kabul im Sommer 1998 haben die herrschenden Taliban der Bildung, den Bildern, der Musik, ja nachgerade der Menschlichkeit den Kampf angesagt

Paradox

Die Überforderung, von der jüngere Generationen dauernd reden, bringt Claire Dessimoz völlig verwirrend rüber.   Üblicherweise ist die erste Reaktion auf Unverständnis das Umleiten von Konzentration auf irgend etwas real Beschäftigendes. Das Kunststück von Claire Dessimoz in ihrem Solo «Du bist was du holst» besteht darin, dass sie einzig mittels ihrer Bühnenpräsenz das Paradox zustande…