Ein starkes Stück

Die StädterInnen bekommen ihr Tram, die Auto fahrende Bevölkerung aus dem Kanton fährt künftig durch den Tunnel in die Stadt, und alle sind zufrieden. Tönt doch gut. Funktioniert garantiert – siehe PJZ-Deal: Der Kanton kriegt das PJZ, die StädterInnen bekommen das ganze Kasernenareal, und alle sind zufrieden. Gut, das mit dem Kasernenareal hat dann leider nicht geklappt. Aber nun ist es zu spät, also was solls?

Im Ernst: Der Verkehr am Rosengarten ist kein Durchgangsverkehr. Es geht also darum, wie wir uns künftig in der Stadt fortbewegen wollen. Dazu haben die städtischen Stimmberechtigten, etwa mit dem Ja zur Städteinitiative, ihre Meinung kund getan, und damit soll unter anderem der Anteil des Velos am Gesamtverkehr um zehn Prozent gesteigert werden. Angesichts dieser Vorgabe ist ein Bauwerk, zu dem uns die Frau Regierungsrätin und der Herr Tiefbauvorsteher mit Stolz verkünden, es biete ‹nur› Platz für gleichviele Autos wie bisher, ein starkes Stück. Und nein, das Argument, der Verkehr nehme bekanntlich im Einklang mit der wachsenden Bevölkerung zu, weshalb Gleichstand doch faktisch Rückgang bedeute, sticht nicht. Denn dass die voraussehbare Zunahme der Mobilität mittels öV, Fuss- und Veloverkehr aufgefangen werden muss, ist ebenfalls seit langem Konsens in der Stadt; der Tiefbauvorsteher höchstpersönlich hat an der Medienkonferenz daran erinnert.

Nichtsdestotrotz lautet die Botschaft: Wer mit dem Auto in die Stadt fahren will, soll das bis in alle Ewigkeit ohne Einschränkungen dürfen. Der Kanton plant im 21. Jahrhundert noch so, als sei das Auto, ein Relikt aus dem späten 19. Jahrhundert mit entsprechend lausigem Wirkungsgrad, das höchste aller Gefühle. Und die Stadt lässt sich diesen Deal aufschwatzen, nur weils noch ein Tram dazu gibt?

Keine Sorge: Bis dieser Tunnel je baureif ist, braucht es ihn längst nicht mehr, denn bis dann werden wir via unterirdische Güter-Metro mit Waren versorgt und sind elektromobil unterwegs – und an der Rosengartenstrasse können sich nur noch die Reichsten der Reichen eine Wohnung leisten. Das ist denn auch der grösste Frust am Ganzen: Die Ankündigung einer möglichen Aufwertung reicht problemlos, um die Mieten zu erhöhen. In diesem Sinne, liebe Tunnel-BefürworterInnen: Bitte drückt nie, nie mit der Behauptung auf die Tränendrüsen, dieser werde auch für die «lärmgeplagte Bevölkerung» gebaut. Soviel Ehrlichkeit muss sein. Merci.

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