Sichere Velorouten in Zürich

Weniger Unfälle und CO2-Ausstoss, mehr Sicherheit und Lebensqualität: Von einem durchgehenden Netz von Velorouten profitieren alle Zürcherinnen und Zürcher. Das Komitee der Velorouten-Initiative zeigt mit einem konkreten Routenplan, wie Zürich endlich zur Velostadt werden könnte.

 

Marco Denoth*

 

Im März 2019 wurde die neueste Unfallstatistik veröffentlicht. Die Zahlen stellen der Velopolitik in der Stadt Zürich eher schlechte Noten aus. So hat sich die Anzahl der Velounfälle seit 2011 mehr als verdoppelt. Das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich sprach von einem «ungelösten Problem» und anerkannte auch, dass die Veloinfrastruktur bisweilen ungenügend ist.

 

Auch Befragungen der VelofahrerInnen in der Stadt Zürich zeigen, dass Nachholbedarf besteht: Für die Verkehrsführung der Velowege gibt es schlechte Noten und mehr als 50 Prozent der Befragten geben an, sich im Strassenverkehr auf dem Velo nicht sicher zu fühlen. Ganze 80 Prozent wünschen sich vom restlichen Verkehr abgegrenzte Velorouten in Zürich.
Sowohl die steigende Anzahl Velounfälle als auch die eindeutigen Umfrageergebnisse zeigen, dass Zürich in Bezug auf sichere Velorouten meilenweit sowohl hinter Velostädten wie Kopenhagen und Amsterdam als auch deutschen Städten wie Hamburg, München oder Konstanz zurückliegt. Dafür kann man auch Filippo Leutenegger (FDP) verantwortlich machen, der die letzten vier Jahre trotz klaren Aufträgen und Volksabstimmungen in der Velopolitik ideologisch jeden Fortschritt blockierte.

 

 

Zürich soll zur Velostadt werden
Um Zürich endlich zur Velostadt zu machen, haben wir deshalb in einem breiten Bündnis von SP, Grünen, AL, GLP, Pro Velo und umverkehR 2017 die Velorouten-Initiative lanciert. Die Initiative fordert ein durchgängiges Netz von 50 km Velorouten, die grundsätzlich autofrei sind und auf denen sich Velos zügig und sicher fortbewegen können.
Wie sehr das Thema den ZürcherInnen unter den Nägeln brennt, zeigte bereits die Lancierung der Initiative: Innerhalb von nur einem Tag konnten wir mehr als 4500 Unterschriften sammeln – 3000 gültige Unterschriften sind für eine städtische Initiative nötig. Damit stellte die Velorouten-Initiative einen neuen Sammelrekord auf.
Vor wenigen Tagen hat nun das Initiativkomitee einen Plan vorgelegt, wie die Velorouten-Initiative umzusetzen wäre. Der Routenplan zeigt, dass man in Zürich ein Netz von durchgängigen Velorouten umsetzen kann. Dazu würden einzelne Quartierstrassen in Velorouten umgewandelt und entsprechend markiert. Damit sich die Velos auf diesen Routen sicher und zügig fortbewegen können, müsste der Durchgangsverkehr für Autos gesperrt werden. Für AnwohnerInnen, Personen mit eingeschränkter Mobilität und das Gewerbe gäbe es aber natürlich Ausnahmebestimmungen.

 

 

Gut fürs Klima, gut für die Menschen
Will man als Stadt Zürich den CO2-Austoss senken und die nötigen Klimaziele erreichen, ist es unumgänglich, den Veloverkehr zu fördern. Die holländische Velo-Expertin Saskia Kluit, die die Velorouten-Initiative unterstützt, sagte in einem Interview mit dem ‹Tages-Anzeiger›: «Einige Autolenker würden aufs Velo umsteigen, wären die Bedingungen besser. Auf abgetrennten Routen ist die Sicherheit für die Velofahrer grösser als auf normalen Radstreifen. Es zählt nicht die messbare Sicherheit, sondern ob sich die Velofahrer sicher fühlen. Ist dem so, fahren mehr Leute Velo – dann nutzen Kinder das Velo für den Schulweg und Senioren für kurze Ausflüge.» Und weniger Autos in der Stadt bedeuten auch weniger Lärm und Luftverschmutzung – ein mehr als willkommener Nebeneffekt!

 

Von einem durchgängigen Velorouten-Netz würden jedoch nicht nur die VelofahrerInnen profitieren. Mit den Velorouten könnten Fuss-, Velo- und Autoverkehr endlich sauber voneinander getrennt werden. Das schafft für alle Verkehrsteilnehmenden mehr Sicherheit – und weniger Ärger. Die Velorouten-Initiative sorgt also für eine höhere Lebensqualität für alle statt für wenige.

 

Dass die Mehrheit der Bevölkerung in der Stadt Zürich endlich Fortschritte bei der Velo-Förderung fordert, zeigen vergangene Abstimmungen – zum Beispiel über die Velo-Initiative (2015) oder über den Bundesbeschluss Velo (2018). Mit dem Routenplan liegt nun ein konkreter Umsetzungsvorschlag für die Velorouten-Initiative auf dem Tisch. Jetzt ist der Stadtrat gefordert: Er muss nun die Initiative zur Annahme empfehlen oder zumindest einen sehr weitreichenden Gegenvorschlag vorlegen – damit Zürich nach all den Jahren endlich zur Velostadt werden kann.

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