Achtung: Kaumemanzipation

Das Heimchen ist allen Unkenrufen zum Trotz noch immer nicht ausgestorben. So bekennt die ältliche Britt Marie (Pernilla August) zu Beginn des Schrullenfilms «Britt Marie was here» von Tuva Novotny («Blind Spot»), dass Backpulver mehr Probleme auf der Welt gelöst hat, als es Fussball jemals vermag. Ihr Göttergatte Kent (Peter Haber) lebt für den Sport, in dem das Runde ins Eckige muss, und ist von dieser Dauerspannung nachhaltig für weiterführende Betrachtungen des eigenen Lebens oder gar seines direkten Umfeldes unfähig. Braucht er auch nicht, denn das Heimchen richtet alles um ihn herum, murrt nicht hörbar, verrichtet jede Pflicht verlässlich und das seit Jahrzehnten. Hätte Kents Pumpe doch nicht kurzzeitig versagt und im Spital wäre Britt-Marie Zeugin eines libiniös motivierten Parallel­lebens mit dem Busenwunder Camilla geworden, diese eingespielte Einöde eines Nebenherlebens hätte nochmals für Jahrzehnte weitergehen können. Soweit der Emanzipationsgedanke der Novelle von Fredrik Backman hinter dem Film. Es ist mal wieder die sexuelle Untreue, die aus der Rumschubsfigur Frau augenblicklich eine total selbstständige, überaus witzige, ideenreiche, mutige und widerständische Kämpferin werden lässt. Die in der Folge gleich auch noch ein ganzes Dorf von der Entvölkerung rettet, die festgefahrene Milieu- und Migrationsabgrenzung darin in Minne auflöst und durch diese Taten – nicht etwa durch ihre bare Existenz – zu einer Heldin emporstilisiert wird, wie sie es sich in ihrem ach so beschaulichen Hausfrauenhorizont nie auch nur schon zu träumen gewagt hätte. «Britt-Marie was here» ist bei Weitem nur dem Schein nach so etwas wie eine Spät­emanzipation, im Kern zementiert die Geschichte das Vorrecht der Altvorderen auf eine strikte Geschlechtertrennung in ihrer Aufgabenteilung in den schillerndsten reaktionären Farben. Nur sehr begrenzt tauglich als Wohlfühlfilm, dafür ist Pernilla August von einer derart überragenden Präsenz und Figurenausgestaltung, dass einen Gedanken an Milde walten lassen in den Sinn kommen.
«Britt-Marie was here» spielt in den Kinos Arena,

 

Arthouse Alba, Houdini.

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