Vernunft setzt sich durch

Die Bus-Station Zürich am Sihlquai in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs bleibt nach dem Willen des Stadtrats mindestens 15 Jahre erhalten. Es gibt dort vorläufig weder ein Kongresszentrum noch eine Überbauung mit günstigen Wohnungen.

 

Das Areal beim Hauptbahnhof, auf dem seit 1980 Cars Passagiere aufnehmen und aussteigen lassen, gehört zu den wertvollsten Grundstücken im städtischen Besitz. Es könnte noch wertvoller werden, wie Stadtrat André Odermatt am Donnerstagmorgen zusammen mit Corine Mauch und Daniel Leupi ausführte: Wenn der Eintrag im Richtplan für den Stadttunnel gelöscht wird (der Tunnel wird kaum noch gebaut), vergrössert sich die überbaubare Fläche deutlich. Nach dem Nein der Abstimmenden zum Neubau Kongresshaus am See prüfte der Stadtrat das Areal als möglichen Standort für das künftige Zürcher Kongresshaus. Er kam zum Schluss, dass es ein Murks würde. Eine private Gesellschaft sah es anders und sammelte Unterschriften für eine Volksinitiative. Das führte im Gemeinderat zu einer überwiesenen Motion für ein Projekt einer quartiergerechten Überbauung mit günstigen Wohnungen unter Einbezug der Quartierbevölkerung, die aber in erster Linie das Kongresszentrum verhindern sollte. Die Initiative wurde im Januar 2019 zurückgezogen, nachdem der Gemeinderat sie für ungültig erklärt hatte.

 

Damit war die Forderung eines Kongresszentrums auf dem Areal noch nicht vom Tisch und der Stadtrat entschied sich zu einer Klärung. Der erste Tatbestand, den Corine Mauch an der Medienorientierung ausführte, betraf die gesunkene Nachfrage nach Kongressen. Fanden europaweit 2015 noch rund 7000 Anlässe statt, sinkt die Zahl seither leicht. Relevanter: Lediglich 56 Kongresse mit mehr als 2500 TeilnehmerInnen fanden 2018 in Europa statt. Kongresse bis 2500 Personen finden in Zürich entweder im renovierten Kongresshaus am See oder im «Circle» am Flughafen Platz. Zudem steht, das sage ich, die Stadt an einem andern Punkt als zu Beginn des Jahrhunderts, als ein Kongresszentrum eine Möglichkeit war, in Zürich neue Arbeitsplätze zu schaffen. Heute boomt die Stadt und es besteht kein Anlass, ein Kongresszen- trum zu subventionieren. Der Stadtrat rechnet, so Corine Mauch, dass die Stadt bei der Vergabe an die private Kongressbetreiberin jährlich auf einen Baurechtszins von einer Million Franken verzichtet. Auch wenn solche Verzichtrechnungen immer etwas heikel sind, bleibt der Fakt, dass die Stadt nicht nur weniger Einnahmen auf sich nimmt, sondern auch mit einer Gebäuderuine auf ihrem Boden konfrontiert sein könnte oder das Zentrum wie dasjenige am See immer wieder subventionieren müsste.

 

Cars als Teil des öV

 

Der Entscheid des Stadtrats ist eindeutig. Er subventioniert kein Kongresszentrum und stellt dafür auch kein städtisches Land zur Verfügung. Dazu kommt eine zweite Entwicklung, die, das gab Daniel Leupi freimütig zu, auch den Stadtrat überraschte: Der Bund wertete die Busfernfahrten beinahe zu einem Bestandteil des öffentlichen Verkehrs auf und verpflichtet die Gemeinden und Kantone mehr oder weniger zur Bereitstellung von Busstationen, die einen guten Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz garantieren. Einen anderen Standort als das Sihlquai fanden André Odermatt und sein Bauamt für die nächsten 15 Jahre nicht – das Josef-Areal kommt gar nicht in Frage, die Aargauerstrasse beim Bahnhof Altstetten frühestens in 15 Jahren. Es ergebe keinen Sinn, ein Projekt für eine Überbauung zu beginnen, wenn eine Realisierung erst in der nächsten Generation zur Debatte stehe. Der Stadtrat beantragt also die Abschreibung der Motion.

 

Dafür nimmt Daniel Leupi sein Projekt für eine Sanierung der Bus-Station aus den Schubladen. Der jetzige Carplatz garantiert kein halbwegs trockenes Ein- und Aussteigen, es fehlen genügend WC-Anlagen und die Umgebung macht einen schlechten Eindruck. Die damals veranschlagten Kosten von gut 7 Millionen Franken entstehen auch durch Untergrundarbeiten, die mit der jetzigen Nutzung wenig zu tun haben. Er lässt nun eine Vorlage erarbeiten, um einen geordneten und kundenfreundlichen Betrieb für mindestens 15 Jahre zu ermöglichen (kaum günstiger als 7 Millionen Franken), dessen Kosten die Car-Unternehmen so weit wie möglich bezahlen sollten. Kurzfristige Minimalsanierungen erfolgen sofort.

 

Der Stadtrat entschied sich ganz einfach für die Vernunft: Eine Bus-Station ist derzeit das Nützlichste, und es besteht kein Zwang, jedes zentrale Grundstück raschmöglichst am profitbringendsten zu verwerten.

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