Strategisches Überwuchern

Wie Massnahmen zur Hitzeminderung aussehen können, zeigt die Bepflanzung der «Triemli-Südwand». Noch sieht man sie aber besser von innen.

 

An der Südfassade des Turms des Stadtspitals Triemli wachsen 100 Pflanzenarten auf 16 Stockwerken in die Höhe: Grün Stadt Zürich hat dort in Zusammenarbeit mit dem Amt für Hochbauten und dem Stadtspital Zürich eine Vertikalbegrünung realisiert. Der Auftrag für Planung und Ausführung ging an Raderschallerpartner Landschaftsarchitekten und Hemmi Fayet Architekten.

 

Wie am Dienstag an einem Medienrundgang zu erfahren war, liess sich diese Vertikalbegrünung jedoch nicht realisieren, indem man unten Pflanzen setzte und sie dann einfach mal wachsen liess. An der 68 Meter hohen und 60 Meter breiten Fassade, die der Landschaftsarchitekt Markus Fierz vom Büro Raderschallpartner als «Triemli-Südwand» bezeichnete, wurde ein sogenanntes Regalsystem gewählt: Die total 4600 Pflanzen wachsen in Trögen aus Chromstahl, und diese stehen auf balkonartigen Vorbauten, den sogenannten Putzbalkonen. Bis die gewünschte Höhe erreicht und eine Fläche von 2300 Quadratmetern erreicht ist, dauert es noch ein Weilchen. Zudem dürfen die Pflanzen auch von ihren Trögen aus nicht einfach in den Himmel hinein wachsen, sondern müssen gestutzt werden, sobald sie die Geschosshöhe erreicht haben. Dies sei aus Brandschutzgründen so, erklärte Markus Fierz und fügte an, dass die Pflanzen aus demselben Grund ausschliesslich in einem mineralischen Substrat wachsen, denn auch gewöhnliche Pflanzerde könnte in Brand geraten. Ein ausgeklügeltes automatisches Bewässerungssystem sorgt dafür, dass Wacholder, Legföhre oder Waldrebe trotzdem gut gedeihen. 

 

Diese Vertikalbegrünung soll aber nicht ‹nur› etwas fürs Auge sein, sondern ist als Beitrag zur Hitzeminderung konzipiert: Fassadenbegrünungen können die negativen Auswirkungen längerer Hitzephasen mindern, indem sie nicht nur Schatten spenden, sondern indem die Pflanzen via Verdunstung auch für kühlere Temperaturen in den Innenräumen sorgen. Von der «Triemli-Südwand» verspricht man sich bei der Stadt denn auch eine Signalwirkung für weitere Projekte: Private EigentümerInnen von Liegenschaften auf Stadtgebiet können für neue Vertikalbegrünungen heute schon einen einmaligen Beitrag von maximal 50 Prozent der Kosten (höchstens 30 000 Franken) beantragen.

 

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