Mit Kräutern durchs Jahr

 

Kräuter zum Kochen? Selbstverständlich. Doch Kräuter stecken auch in vielen Produkten, in denen man sie nicht unbedingt erwarten würde, wie die neue Ausstellung im Naturmuseum des Wildnisparks Zürich in Sihlwald zeigt.

 

Pflanzen und Kräuter haben schon den Alltag unserer Vorfahren geprägt, und bis heute begleiten sie uns durch den Tag – gerade auch in Form von Produkten, in denen wir sie nicht unbedingt vermuten würden: Ob im Duschgel oder der Zahnpasta, im Frühstückstee oder der Wurst, ob im Schnaps oder in der Duftlampe, ob als Gewürz, Heilmittel oder Droge, ob zum Räuchern, als Duftstoff oder Farbstoff – Kräuter sind allgegenwärtig. So trifft denn auch der Titel der neuen Ausstellung im Naturmuseum des Wildnisparks Zürich den Nagel auf den Kopf: «Wohl oder Übel. Für alles ist ein Kraut gewachsen». Wie Ausstellungsmacherin Mandana Roozpeikar am Montag an der Medienkonferenz zur Ausstellungseröffnung sagte, bietet sich im Naturmuseum die Gelegenheit, eine Reise durch Raum und Zeit zu erleben, von der Vergangenheit bis in die Gegenwart – und immer auf den Spuren von 29 ausgewählten Kräutern.

 

Kräuterduft als Wegweiser

Dass die Ausstellungen jeweils für die ganze Familie gedacht und gestaltet sind, hat im Naturmuseum Tradition. Auf dieser Reise hält man sich denn auch am besten an den Ablauf, der auf die kleinen Gäste, dieses Mal auf Kinder ab sechs, sieben Jahren, zugeschnitten ist. Nichts wie los: Neun Fläschchen stehen zum dran riechen bereit, daneben liegen farbige Karten. Wer sich für einen Duft entschieden hat, nimmt die dazu gehörende Karte mit und hält fortan auf dem Rundgang, als der die Ausstellung aufgebaut ist, auf Tafeln und Exponaten nach dem Punkt in derselben Farbe Ausschau. So erfährt man nach und nach mehr über das Kraut hinter dem Geruch. Auf die Kinder, die im Lesen noch nicht so geübt sind, warten auf diesem Weg verschiedene Hörstationen: Mal wird dort etwas genauer erklärt, mal eine Geschichte erzählt, oder ein Kind berichtet, welche Kräuter seine Mutter in den Tee getan hat, der so gut gegen seinen bösen Husten half.

 

Von Kräuterfrauen und Hexen…

Der erste farbige Punkt verrät einem, welche Bedingungen das noch nicht ‹benamste› Kraut braucht, um gut zu wachsen. Dann geht es weiter zu den Kräuterfrauen des Mittelalters, wo eine Zauberwelt auf die Kinder wartet, komplett mit Zaubersprüchen und der Möglichkeit, sich zu verkleiden – warum nicht als Kräuterhexe? Die Grossen können unterdessen in alten Büchern blättern und anhand der Beschreibungen herausfinden, was man damals schon über die Kräuter und Pflanzen wusste. Doch schon wird es ernster: Die nächste Station ist als Bibliothek gestaltet, und im Mittelpunkt steht Thomas von Aquin. Er kam nämlich um 1450 zum Schluss, all die heilkundigen Kräuterfrauen könnten nicht seriös sein, da müsse Hexerei dahinterstecken. Eine Einschätzung mit Folgen: Zwischen 1450 und 1750 wurden rund 60 000 Menschen wegen ‹Hexerei› hingerichtet; über 80 Prozent waren Frauen. Wer sich im Mittelalter zu gut mit Kräutern auskannte, lebte also gefährlich.

 

… zum Kräuter finden

Weiter geht der Rundgang in neuere Zeiten, konkret in die «Kräuter-Apotheke»: Die Zeiten ändern sich, das magisch angehauchte Wissen über die Kräuter und das, was aus heutiger Sicht die Vorläufer der Schulmedizin waren, gehen fortan getrennte Wege. Sodann stehen die Wirkstoffe der Heilpflanzen und Heilkräuter im Mittelpunkt, die Gerbstoffe, die Bitterstoffe, die Pflanzenchemie – und schon sind wir in der Neuzeit angelangt: Eine ganze Palette von Verpackungen veranschaulicht, wo überall Kräuter drin stecken. Und Töpfe mit Küchenkräutern (allerdings nicht echten, da es dafür zu wenig Licht hat) an der Wand weisen diskret darauf hin, dass sie sich auch auf einem Balkon gut machen würden: Sogar jene, die auf der Suche nach Inspiration fürs Urban gardening sind, kommen auf ihre Kosten…

Wer seine Runde durch die Ausstellung gedreht hat und nun denkt, er sei mit seinem Kräuterlatein am Ende, der irrt: Die Reise zu den Kräutern kann nahtlos weitergehen, und zwar draussen vor der Tür. Auf dem 30-minütigen Kräuter-Rundweg mit Start und Ziel beim Besucherzentrum lassen sich 15 Pflanzen entdecken, von der Kleinen Malve über den Beinwell, den Holunder und den Spitzwegerich bis zum Waldmeister, dem Baldrian und dem Huflattich. Denn, wie hiess es nochmal: «Für alles ist ein Kraut gewachsen.» Man muss es nur finden…

 

Ausstellung «Wohl oder Übel. Für alles ist ein Kraut gewachsen», Naturmuseum im Besucherzentrum des Wildnisparks Zürich in Sihlwald. Geöffnet vom 21. März bis Ende Oktober jeweils Di bis Sa 12 – 17.30 Uhr, So und allg. Feiertage 9 – 17.30 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt Naturmuseum: Erwachsene 6 Franken, Kinder 3 Franken, Familien 14 Franken. www.wildnispark.ch

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