Heuchlerische Doppelmoral am WEF

von Fabiana Merz Enriquez

 

Auch dieses Jahr lud Klaus Schwab zum Weltwirtschaftsforum in die Schweiz ein. Unter dem diesjährigen Slogan «Akteure für eine kohärente und nachhaltige Welt» wollte die Konferenz Farbe bekennen und ganz im Zeichen einer grünen und fairen Zukunft stehen. Was Jahr für Jahr in den Medien als eines der wichtigsten Weltgeschehen hochgeschaukelt wird, erinnert bei genauem Hinsehen viel mehr an ein Trauerspiel, in dem sich die ProtagonistInnen stolz mit dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit rühmen. Als Schaubühne dient das luxuriöse Wintersportgebiet Davos, das in jenen Tagen geräumt und in eine stark überwachte Sicherheitszone umfunktioniert wird. Finanziert wird das Spektakel von den Steuergeldern der Schweizerinnen und Schweizer.

 

Bei so vielen hochrangigen CEOs scheint die Schweiz plötzlich ganz zu vergessen, dass sie normalerweise unglaublich viel Wert auf Neutralität und Souveränität legt. Schnell ist die heuchlerische Doppelmoral entlarvt, die während dem WEF an den Tag gelegt wird. Vor den Augen aller Welt verkündet die Elite der Reichen und Privilegierten, dem Forum beizuwohnen, um die Weichen für eine nachhaltigere Welt zu stellen. Allem Anschein nach geschieht dies, während sie in edlen Anzügen teuren Champagner schlürft und mit dem Privatjet bis an den Empfang der Konferenz geflogen wird. Dass auch dieses Jahr die junge Klima-Aktivistin Greta Thunberg im Namen der jüngeren Generationen beim WEF zu Gast war, lässt im Anbetracht der Teilnehmerliste die vage Vermutung entstehen, dass die Einladung mehr aus dem Bestreben heraus, Dialogbereitschaft zu demonstrieren, als aus tatsächlicher Veränderungswilligkeit zustande kam. Die junge Schwedin hat zwar unglaublich starke, aufrüttelnde Worte gesprochen und höflichen Applaus geerntet, ist aber auch wieder abgereist – ohne den Umsturz des kapitalistischen Denkens der Elite bewirkt zu haben.

 

Revolutionen geschehen nun mal nicht inmitten der Herrschenden, sondern auf der Strasse. Und so wird auch in den kommenden Jahren das wohlhabendste Prozent hinter verschlossenen Türen über das Schicksal der neunundneunzig Prozent diskutieren und leere Versprechen äussern. Schwabs Veranstaltung ist Inbegriff des Neoliberalismus, Patriarchats, Kapitalismus, Imperialismus und der Intransparenz. Inbegriff einer Welt, die nur für die Wenigsten auf diesem Planeten gerecht ist und kein bisschen von Nachhaltigkeit zeugt. Es ist das Paradebeispiel schlechthin, welches unmissverständlich aufzeigt, wer auf dieser Welt nach wie vor die Strippen zieht, und das ist der alte weisse Mann, der nebenbei noch meint, Lob für die Rettung der Welt verdient zu haben. 

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