Feminismus reloaded

Feminismus ist in aller Munde. Hurra! Auf ‹20 minuten› können wir ein mediales Pingpong zum Thema mitverfolgen. Ping: Die Bloggerin Suzan Lazar, die ihr Geld mit der Präsentation von Bademode in anzüglichen Posen verdient, bezeichnet sich als Feministin. Sie sei eine Boss Lady, selbstbestimmt, und verdiene ihr eigenes Geld. Pong: Leserinnen und Leser bezweifeln, dass eine Frau, die ihr Image auf Nasenkorrektur, Brustvergrösserung und Anzüglichkeit aufbaue und im ‹Playboy› erscheinen wolle, eine Feministin sein könne. Ping: Feministinnen verteidigen Lazars Standpunkt; es komme nicht aufs Aussehen an, die Abkehr von Schönheitsidealen gehöre einer überholten Phase des Feminismus an, dessen heutiges Ziel sei, dass es allen Frauen besser gehe. Anna Rosenwasser (Juso/LOS) wird zitiert: Ziehe sich eine Frau für den ‹Playboy› aus, nutze sie lediglich eine ihrer Stärken aus, um ein schönes Leben zu haben. Pong: Rosemarie Zapfl (früher alliance f) relativiert: «Für diese Frau scheint es so zu stimmen. Ich persönlich bedauere aber, dass man seinen Körper auf diese Weise zur Schau stellen will.»

 

Ping: Hmm… Ich würde mich hüten, die Definitionsmacht über echten Feminismus beanspruchen zu wollen. Mir scheint so ein Feminismus jedoch überhaupt nicht zukunftsweisend. Und es löst bei mir mehr als nur ein persönliches Bedauern aus, dass Emanzipation zur reinen Frage der Geschäftstüchtigkeit werden soll.

Für mich sollte Feminismus ein vom männlichen Blick nicht definierter Raum sein. Feminismus sollte den Frauen signalisieren: Wir sind mehr als nur o.k., gerade wenn wir nicht der (männlich definierten) Norm entsprechen. Feminismus sollte eine gewisse Reflexion über die weiblichen und männlichen Rollen enthalten. Und hier liegt wohl auch der theoretische Hund begraben: Vielleicht gibt es tatsächlich immer weniger Männer, die Frauen (als Chef, Vater, Ehemann, Freier usw.) dominieren. Aber die unterschwellige, an dominanter Männlichkeit ausgerichtete Gesellschaftsnorm bleibt bestehen: Der Mann ist immer noch der Mensch an sich, und die Frau sein Anderes. (Lacan nannte so ein die Gesellschaft grundlegend ordnendes Muster einen «Herrensignifikanten». Dieses äusserst nützliche Denkkonzept ist einer der Gründe, warum Feministinnen auch heute noch Lacan und Anverwandte lesen sollen.)

 

An diesem Geschlechterverhältnis hat auch die im Genderismus vorangetriebene Dekonstruktion der Geschlechter nichts verändert. Im Gegenteil: Sie hat sozusagen  die Geschlechter oberflächlich ein wenig durcheinandergequirlt, so dass man nun nicht mehr auf den Grund des Geschlechterverhältnisses sieht, dem man eigentlich zu Leibe rücken wollte.

 

Solche tiefergehende Strukturanalysen vermisse ich, wenn nun einfach behauptet wird, man könne mit individuell gewählter Identität ohne Geschlechterrolle unterwegs sein und dabei nicht nur die Selbstdarstellung, sondern auch die Fremdwahrnehmung frei von althergebrachten Mustern selber definieren – ja diese Muster würden sich automatisch auflösen, wenn sie nur von starken Individuen selbstbewusst neu interpretiert würden. Was im vorliegenden Fall in ältesthergebrachte Bilder mündet, die mit zurechtgestutzter Weiblichkeit und Porno-Chic unrealistische Schönheitsideale perpetuieren. Der Feminismus daran entgeht mir irgendwie. Aber, Pong: Jetzt Sie!

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