Euphorie

Die kleinste der drei aktuellen Schauen im Kunsthaus fasziniert am längsten: Italienische Meisterzeichnungen.

 

Ketzerischer Vorschlag: Wer – bei geneigtem Interesse – die Sammlung am Mittwoch (gratis) besucht und sich die Lichteffekte von Olafur Eliasson verkneifen kann, investiere das gesparte Geld in das «Sammlungsheft» zu «Die Poesie der Linie. Italienische Meisterzeichnungen», worin jedes der ausgestellten Werke einer kunsthistorischen Einordnung unterzogen wird. Rund um die acht Blätter von Giuseppe Cesari (genannt Cavaliere d’Arpino), die den Kern der Renaissance-/Barock-Sammlungsbestände italienischer Provenienz ausmachen, sind zwanzig weitere (und zwei von Nichtitalienern) Papierarbeiten ausgestellt. Hintergrund für die Präsentation war eine Zusammenarbeit des Kunsthauses mit KunstgeschichtestudentInnen der Uni Zürich, um deren theoretisches Können anhand realer Studienobjekte in Richtung «Connoisseur» weiterzubilden.

 

Bereits in der von Jonas Beyer eingerichteten Ausstellung ist jedes Werk mit Texttafeln versehen, doch schon das Auge allein wird durchs Schauen belohnt – und durch die Grandezza des Filigranen vielleicht auch an längst vor sich hergeschobene Versäumnisse erinnert, wie eine immer schon mal beabsichtigte Italienreise… Die allermeisten der ausgestellten Werke gehen weit über das Stadium einer Ideenskizze hinaus und vermögen den Betrachter – ohne einen einzigen gefahrenen Kilometer – in Kombination mit in der Erinnerung gespeicherten Überwältigung im Blickkontakt mit epochalen Werken der Malerei in eine Verzückung zu versetzen, die einen für mehr als bloss einen Augenblick von der Alltagsprofanität entrückt und mit einem Glücksgefühl erfüllt. Landläufig auch bekannt unter Euphorie;-) Dafür benötigts, genau genommen, das mitgelieferte kunsthistorische Wissen noch nicht einmal unbedingt – wie eine Sabinerin sich gegen den tätlichen Übergriff eines Römers erwehrt beispielsweise, erzählt für sich schon Bände. froh.

 

«Die Poesie der Linie. Italienische Meisterzeichnungen», bis 26.4., Kunsthaus, Zürich. Katalog.

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