Durchstart – oder Übungsabbruch

 

Die Projektgruppe, die in den denkmalgeschützten Zeughäusern am Mattenbach ein Zentrum für angewandte Nachhaltigkeit einrichten möchte, nimmt einen letzten Anlauf – mit ungewissem Ausgang.

 

Was soll künftig mit den Zeughäusern 1 sowie 2/3 passieren, die zurzeit zwischengenutzt werden? Ein neuer Begegnungsort «samt 200 Arbeitsplätzen zum Nulltarif»: Das sagt die Projektgruppe, die dort ein Zentrum «für angewandte Nachhaltigkeit» einrichten möchte und die am Dienstag zur Medienkonferenz lud. Die beiden Referenten, Projektleiter Marco Frei und Stephan Hayoz, erklärten aber auch, dass sie hiermit einen letzten Versuch für diesen Begegnungsort starteten.
Für den Winterthurer Stadtrat scheint der «Fall Zeughäuser» seit längerer Zeit klar zu sein: Nachdem die Stimmberechtigten am 22. September 2013 den Verkauf der benachbarten kleinen Zeughauswiese für eine Überbauung mit Wohnungen im gehobenen Segment abgelehnt hatten, verschickte er am 21. November 2013 eine Medienmitteilung mit dem Titel «Renovation und Umnutzung der denkmalgeschützten Zeughäuser erfolgt längerfristig». Als Grund nannte der Stadtrat die «angespannte städtische Finanzlage» sowie eine Machbarkeitsstudie, die zum Schluss gekommen sei, dass zum gegebenen Zeitpunkt «kein baulicher Handlungsbedarf» bestehe.
Am 5. Mai 2014 stellten GemeinderätInnen von SP, Grünen, AL und EVP in einer Interpellation nichtsdestotrotz nochmals Fragen zur Zukunft des Areals, ohne allerdings eine grundsätzlich andere Antwort zu erhalten: Der Stadtrat bekräftigte seine Absicht, den Entscheid über die definitive Nutzung des Gesamtareals «einer nächsten Generation in 20, 30 Jahren zu überlassen». Allerdings fügte er an, um die Zeughäuser in diesem Zeitraum dennoch sinnvoll zu nutzen, sei beschlossen worden, «das Zeughaus 1 der Projektgruppe des ‹Zentrums für angewandte Nachhaltigkeit› und das Zeughaus 2 der dort eingemieteten Privatschule SalZH jeweils für ein 20- bis 30-jähriges Baurecht anzubieten. Die Stadt würde in diesem Zeitraum keine Investitionen für eine Renovation beziehungsweise einen Umbau der Zeughäuser tätigen.» Falls kein Interesse an den angebotenen befristeten Baurechten bestünde, sollten die Zeughäuser mit langjährigen Verträgen an die bisherigen Mieterinnen und Mieter vermietet werden.

 

 

Alles oder nichts
Mit letzterer Passage ist auch der Grund für die Medienkonferenz vom Dienstag gefunden: «Die Aufteilung des Areals auf zwei BaurechtsnehmerInnen macht für uns keinen Sinn», sagte Marco Frei, «und dies haben wir dem Stadtrat nun in einem Brief mitgeteilt». Gleichzeitig biete die Gruppe dem Stadtrat aber die Integration der SalZH als zukünftige Mieterin und Mitglied in der Betreibergesellschaft an, deren Gründung im Konzept für das «Zentrum für angewandte Nachhaltigkeit» vorgesehen ist.
Dieses Konzept wiederum steht seit längerem und geht auf eine Initiative der Stadt zurück: 2010 hatte der Stadtrat einen Nutzungswettbewerb für die Zeughäuser ausgeschrieben, und zwar unter dem Titel «Die Stadt Winterthur sucht eine Trägerschaft für ein innovatives Projekt». Die Jury erkor zwar kein offizielles Siegerprojekt, doch das Konzept für ein «Zentrum für angewandte Nachhaltigkeit» der Projektgruppe um Frei und Hayoz, die sich beide schon beim Projekt Lagerplatz engagiert hatten, schwang eindeutig obenaus. Es erhielt einen Anerkennungspreis, und in einer Machbarkeitsstudie wurden die Realisierbarkeit des Konzepts und des vorgeschlagenen Raumprogrammes mit Gewerbe, Ateliers, Läden, Gastro, Praxen sowie einem Quartiertreff und einer Kinderkrippe bestätigt. Die Wettbewerbseingabe der SalZH hingegen war nicht von Erfolg gekrönt. So gesehen bleibt die Frage offen, weshalb das Zentrum für angewandte Nachhaltigkeit und die Privatschule in den Baurechtsplänen des Stadtrats gleichberechtigt berücksichtigt werden sollen. Die Schule kann mit diesen Plänen offensichtlich gut leben.
Marco Frei und Stephan Hayoz betonten, das Zeughaus 1 für sich allein sei zu klein, um «das vorgesehene Konzept und einen breiten Nutzungsmix zu realisieren». Weiter wäre der Aufbau einer Betreibergesellschaft für die Dimension nur eines Zeughauses zu aufwendig und zu teuer – jedenfalls wenn man von einer Betreibergesellschaft gemäss ihrem Konzept ausgehe. Also einer Gesellschaft, die das Areal «nicht einfach nur verwaltet, sondern nachhaltig entwickelt sowie eine interne und externe Vernetzung sicherstellt». Wichtige Aspekte wie die Zufahrt, die Nutzung des Innenhof- und des geplanten Bachparks, der Unterhalt technischer Infrastrukturen oder das Gastronomiekonzept könnten ebenfalls nur dann sinnvoll realisiert werden, wenn man den Fokus auf das Gesamtareal richte. Würde das Areal jedoch an zwei unterschiedliche Baurechtsnehmerinnen vergeben, würde eine nachhaltige Arealentwicklung für die nächsten 20, 30 Jahre verunmöglicht, zeigte sich Marco Frei überzeugt.
Woher Frei und Hayoz allerdings die Zuversicht nehmen, dass es sich der Stadtrat entgegen aller bisherigen Ankündigungen doch noch anders überlegt, wurde nicht ganz klar. Aber dass die Hoffnung zuletzt stirbt, daran liessen sie keinen Zweifel.

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