Ärgerbnb / Queasyjet (1)

Man soll ja keine Billigferien buchen. Nun hatte ich aber grad nicht so viel flüssig und grossen Meeresbedarf. In einem südfranzösischen Badeort wollte ich von Auffahrt bis Pfingsten via Airbnb logieren.

 

Nach ordentlichen bis sehr guten Erfahrungen mit deren Unterkünften war ich diesmal enttäuscht: Es war unpersönlich, eng, vollgestopft, ohne Stauraum und schmuddlig, die Glasfront beidseits verdreckt, der Mini-Balkon voller Reparaturabfälle, das Geländer vollgekotet. Dies meldete ich der Vermietern, die jedoch alles abstritt. Darauf gelangte ich, getreu dem Standardprozedere, an die  Airbnb-‹Hilfe›. Der nette Herr meinte (auf Italienisch), er könne die Frau nicht zum Putzen zwingen, mir aber alternative Unterkünfte bei voller Rückerstattung anbieten. Das wollte ich eher nicht – zu viel Stress bei ungewissem Ausgang. Daher antwortete ich nicht auf seine Vorschläge, ass etwas und ging einkaufen. 

 

Plötzlich drängte mich die Vermieterin zum Auschecken. Wie bitte? – Ja: Der ‹Helfer› hatte mich kurzerhand per 17 Uhr ausgebucht. Dann war sein Dienst zu Ende, und man versprach mir auf Englisch eine baldige Lösung. Gegen 18 Uhr rief eine französische ‹Helferin› an: Ich müsse sofort ausziehen! Obwohl von den Alternativangeboten noch keine Zusage vorlag. Nun hatte ich keine Bleibe mehr, aber zwei Koffer und einen üppigen Kühlschrankinhalt zu schleppen. Airbnb hiess mich ein Hotel für maximal 80 Euro nehmen, konnte aber nicht für mich buchen. Wie sollte ich das ohne Internet anstellen? Öffentliches Wifi gibts kaum mehr, alle haben Internet auf dem Handy (nur ich nicht, wegen schlechten Erfahrungen …). Ich versteckte meine Habseligkeiten und suchte zu Fuss den Ort ab. In einer Hotellobby erhielt ich Wifi-Asyl. Alle Hotels und Campingplätze in der Gegend waren ausgebucht. Airbnb schlug einige Unterkünfte vor, aber niemand hatte Platz. 

 

Um 22 Uhr schloss die Hotellobby. Ratlos kehrte ich kurz ins verlassene Appartement zurück (der Türcode war unverändert), um dessen Wifi anzuzapfen. Sogleich wütete die Vermieterin per SMS (ihre Putzfrau hatte mich anhand des erleuchteten Balkons ausspioniert): Ich Lügnerin sei ja gar nicht ausgezogen! Hui, nix wie raus hier! Im Treppenhaus hatte ich nun Internet, aber mein Telefonguthaben ging zur Neige. Ständig wechselten die Airbnb-‹Helfer­Innen›, musste ich erneut anrufen, in Warteschlaufen hängen, alles von vorn erzählen und mir hohle Versprechungen anhören. Die Vermieterin delirierte: Ich sei immer noch im Appartement, die Putzfrau habe Stimmen gehört, sie würde die Polizei rufen usw. Um Mitternacht stieg ich in den 9. Stock des Gebäudes, legte im Treppenhaus zwei Strandtücher aus und ‹schlief› auf dem Klinkerboden. Morgens um sechs ging die Suche im selben Stil weiter. Dann hatte mein Handy keinen Strom mehr. In einem Kämmerchen mit Müllrutsche fand ich eine Steckdose, das war nun meine stinkige Telefonzelle. Um zehn Uhr wollte ich mit dem nächsten Zug heimfahren. Da erhielt ich die Zusage für eine neue Unterkunft! Während ich dem Taxifahrer meinen Standort erklärte, starb mein Telefon ab: Ausgabenlimit von 300 Franken erreicht… Ein netter Mensch fuhr mich an die neue Adresse. Dort war es so freundlich, so sauber und grosszügig, das Meer so nah und der Himmel so weit, dass die erlittenen Strapazen verblassten und ich mich erholen konnte – gerade genug für das nächste Abenteuer…

 

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