Es bleibt beim Fünfliber

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Regierungsrätin Carmen Walker Späh, ZVV-Direktor Franz Kagerbauer und Roman Knecht, Direktor Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft, zeigten an einer Medienorientierung, dass sich der umstrittene Schiffsfünfliber im Rahmen ihrer Berechnungen bewegt. Ob er damit Sinn macht, ist eine andere Frage.

 

Die von Franz Kagerbauer präsentierten Zahlen sind rasch zusammengefasst: Der 5-Franken-Zuschlag für jede Schifffahrt (mit der Möglichkeit eines Monats- oder Jahreszuschlagsabos) brachte statt des erwarteten Rückgangs von 26 Prozent einen von 30 Prozent bei den Passagieren. Statt Mehreinnahmen von 3 Mio. Franken ergaben sich solche von 2,4 Mio. Franken. Der Umsatz der Gastronomie ging um 14,5 Prozent zurück, was beim Pächter zu einem Stellenabbau von zehn Stellen führte. Der Passagierrückgang war in den Hauptumsatzmonaten Juli und August (der September war von ausgesprochen miesem Wetter geprägt) am höchsten. Während die Seequerungen wenige Einbussen erlitten, traf es die Grosse Rundfahrt mit 35 Prozent und die Limmatboote mit 42 Prozent heftig. Die Stammkundschaft blieb erhalten, die Gelegenheitsgäste vor allem mit dem GA wandten sich in beachtlicher Zahl ab. Dass sie andere ZVV-Fahrgelegenheiten (Postautos oder die Felseneggseilbahn) für ihre Ausflüge nutzten und diese einen Mehrertrag erzielten, ist ein schwaches Argument.

 

Die Zahlen im Einzelnen

Im Detail sieht es so aus, dass der Schiffsfünfliber 3,5 Millionen Franken einbrachte, Davon abzuziehen sind 600 000 Franken Mindereinnahmen aus Einzelbilleten, die durch den Frequenzrückgang zustande kamen. Dazu entfielen Bundessubventionen von 290 000 Franken. Insgesamt kam es so zu Mehreinnahmen von 2,6 Mio. Franken, von denen zusätzliche Aufwendungen abzuziehen sind. Der Personalaufwand für den Einzug und die Kontrolle des Zuschlags erhöhte sich um 167 000 Franken und vom Pächter der Gastronomie kamen 100 000 Franken weniger Pachtzins. Etwas Geld ging auch noch durch die nachträgliche Reduktion der Pendlerabos verloren, da doppelt so viele Pendler als erwartet das Abo bezogen. Das führt dann zum Endergebnis von knapp 2,4 Mio. Franken mehr.

 

Für die kommenden Jahre stehen noch zwei Ausgaben an. Die Schifffahrtsgesellschaft erhält nach einem komplizierten Modus einen jährlichen Beitrag aus dem grossen Sack der GA-Einnahmen. Es handelt sich um rund 1,5 Mio. Franken, die allerdings von den Personenfrequenzen abhängen. Berücksichtigt werden dabei die letzten vier Jahre zu einem Viertel. 2019 kommen die schlechten Zahlen von 2017 erstmals zu einem Viertel in die Rechnung, so dass aus dem GA-Topf gegen 100 000 Franken weniger kommen werden. Wie gross der Verlust in den kommenden Jahren sein wird, hängt von den Passagierzahlen ab. 2018 unterstützt der ZVV mit einem einmaligen Beitrag von rund 170 000 Franken die Aufpeppung der Schiffsrestaurants, die zudem ihr Angebot konzentrieren und mehr auf Selbstbedienung setzen werden. Nicht verschwiegen sei, dass die angestrebten Finanzziele beinahe erreicht wurden: Der Kostendeckungsgrad der Schifffahrt erhöhte sich von 37 auf fast 50 Prozent und das Defizit sank von 12 auf rund 10 Mio. Franken.

 

Abwärtsspirale?

Der Preis dafür ist allerdings hoch. Ein Drittel der bisherigen Benutzer, rund eine halbe Million Personen, entschied mit den Füssen: Sie mieden die Zürcher Schiffe. Natürlich wissen die Verantwortlichen auch, dass die Rechnung weniger Umsatz, dafür mehr Einnahmen auch rein ökonomisch schwierig werden kann. Carmen Walker Späh geht davon aus, dass die Personenzahlen wieder zunehmen, wenn sich die politischen Wellen um den Fünfliber beruhigt haben. Abgesehen davon, dass die ersten Reaktionen dies nicht unbedingt erwarten lassen (die SP droht mit einer Initiative), könnte die Schifffahrtsgesellschaft auch in einen Negativtrend geraten: Halbleere Schiffe rufen auf die Dauer nach einem Abbau des Angebots, was wiederum zu noch tieferen Zahlen führt. Was ironischerweise das Defizit verringern würde.

 

Dazu kommt etwas Grundsätzliches: Ob die Schifffahrt zum ZVV gehören muss, kann man sich durchaus überlegen. Aber es gehört zum bewährten Prinzip, dass schwache Linien von starken getragen werden. Und dass eine Einheit besteht: Erinnert sei nur an die Werbekampagne, in der Zürcher Trams und S-Bahnen stolz von sich behaupteten, sie seien auch ein Schiff. Oder lautet der nächste Sparschritt: Der Halbstundentakt im Tösstal kann nur erhalten bleiben, wenn jeder Passagier einen 2-Franken-Randzuschlag bezahlt?

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