Neue Sozialhilfequote

Im Jahr 2017 ist die Quote der Sozialhilfe Beziehenden leicht angestiegen: 5,4 Prozent der StadtzürcherInnen sind auf die Gelder angewiesen. Ein Grund dafür liegt auf dem Wohnungsmarkt.

 

 

 

Leonie Staubli

 

 

 

Insgesamt 15 000 Haushalte oder 5,4 Prozent der Bevölkerung waren 2017 in der Stadt Zürich auf Sozialhilfe angewiesen. Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 2016 mit 14 159 Haushalten, respektive 5,2 Prozent der Bevölkerung, wiederum einen leichten Anstieg. Mirjam Schlup, Direktorin der Sozialen Dienste, führt das zum Teil zurück auf den Arbeitsmarkt, denn dieser «war letztes Jahr immer noch nicht so aufnahmefähig, wie wir uns das wünschen», was dazu führte, dass bloss 1,5 Prozent der Sozialhilfefälle abgelöst werden konnten, während 7,2 Prozent hinzukamen. Denn obwohl 2017 die Arbeitslosenzahlen zurückgingen, konnte sich diese Entwicklung in der Sozialhilfe noch nicht nachhaltig niederschlagen und die abgelösten Fälle konnten die neu hinzugekommenen demnach nicht kompensieren. Kombiniert mit dem stetigen Bevölkerungswachstum in der Stadt führt dies zu einer leicht steigenden Quote.

 

Besonders viele Kinder sind betroffen

Der Zuwachs an Sozialhilfefällen war gemäss Schlup noch nie dramatisch, und das ist er auch jetzt nicht; dennoch ist bis anhin auch keine Trendumkehr zu beobachten. Besonders zu denken gibt, dass wegen der vielen betroffenen Familien insgesamt jedes zehnte Kind in Zürich auf Sozialhilfe angewiesen ist. «Diese Zahl verändert sich kaum, ist aber dennoch bemerkenswert», findet Schlup. Denn das bedeutet, dass kaum Geld für Freizeitaktivitäten da ist, neues Schulmaterial und jedes Klassenlager eine Herausforderung darstellen. Auf den Alltag eines Kindes hat dies starke Auswirkungen.

 

Wohnungen sind schwer zu finden

Abgesehen vom Arbeitsmarkt ist nach wie vor der Wohnungsmarkt eine grosse Hürde für viele Sozialhilfebezüger-Innen. Eine zahlbare Wohnung zu finden ist auch für Normalverdienende nicht leicht, und den KlientInnen der Sozialhilfe fehlt es neben Geld auch häufig an Sprachkenntnissen und Auftrittskompetenz, was die Suche zusätzlich erschwert. Hier möchte das Sozialdepartement ansetzen, wie Vorsteher Raphael Golta erklärt. Es kann zwar weiterhin nicht seinen KlientInnen die Suche abnehmen, aber es plant, den zentralen Schreibdienst, bei dem Freiwillige und Professionelle den Sozialhilfebeziehenden beim Schreiben von Wohnungsbewerbungen und Ähnlichem helfen, auszubauen. Ausserdem sollen die Klientinnen durch Caritas Wohnfit von Freiwilligen während sechs Monaten bei der Wohnungssuche unterstützt werden und im Mieterbüro der Sozialen Dienste eine zentrale Anlaufstelle bei grösseren Liegenschaftserneuerungen finden. «Das ist ein sehr zielgerichtetes Angebot», erläutert Golta, denn dabei gehe es konkret darum, für alle BewohnerInnen, die durch die Sanierungen ausziehen müssen, eine Anschlusslösung zu finden.

 

Ein weiteres Projekt zur Hilfestellung sind die neuen Notwohnungen für Einzelpersonen und Paare ohne Kinder, die Mitte 2019 an der Neufrankengasse 14 in Betrieb genommen werden sollen. Dabei handelt es sich um möblierte Einzelzimmer, in denen KlientInnen der Sozialhilfe für ein Jahr unterkommen können, um sich während dieser Zeit eine neue Wohnung zu suchen. Das Ziel dieser Befristung ist eine langfristige Wiedereingliederung auf den Wohnungsmarkt.

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