Mikrodosen

Holy Shit! Da ging aber wirklich die Post ab in den USA. Ganz im Windschatten der Wahl des grössten Donalds aller Zeiten haben nämlich grad vier Gliedstaaten das Kiffen legalisiert. Und in der NZZ las ich, komplett ernüchtert, den grossartigen Satz: «Marihuana ist in Amerika im Mainstream angekommen.» In vier weiteren Staaten darf immerhin medizinisch gedampft werden.

Blöd ist nur, dass die Sache keineswegs derart einfach ist, wie man meinen könnte. Andernorts ist zu lesen, dass die Legalisierung vorauseilend komische Blüten treibt, denn nun wird der Hanfanbau natürlich zum Massengeschäft, und das lockt andere Akteure an als die guten alten Latzhosenhippies. Und das ist ja nicht die einzige Perversion: Die USA sind auch der Ursprung des sogenannten Kriegs gegen die Drogen. Dieser feiert heuer das 40-jährige Jubiläum, kostete bis anhin Dutzende von Milliarden Dollar und unzählige Menschenleben, ist global verheerend und – komplett sinnlos. Schauen Sie sich nur mal den Beitrag der Open Society Foundations an. Der Krieg gegen Drogen ist ein einziges staatliches Subventionsprogramm für Drogenhändler, und da muss man sich schon fragen, wer eigentlich ein Interesse daran hat, dass solche Märkte entstanden sind, Märkte, die nur dank staatlicher Repression möglich sind.

 

Vergangenen März wollte ausgerechnet die Polizistin der SVP im Nationalrat die Drogenrepression bei uns im Land wieder hinauffahren. Wem zum Nutzen? Der Gesellschaft bestimmt nicht, den KonsumentInnen nicht, der Polizei schon gar nicht, der Justiz höchstens für etwas Arbeitsbeschaffung. Was bleibt? Ein politisches Manöver für die SVP-Kundenbindung? Vielleicht, vor allem aber nützt’s den Dealern! Denn Repression lässt die Preise steigen, und da lacht das Dealerherz.

Die sogenannte Drogenpro­ble­matik ist in Wahrheit eine ökonomische Problematik. Natürlich sind viele Drogen gesundheitsschädlich und bei Missbrauch sogar tödlich. Aber das sind Autos auch. Natürlich sind Drogen sozial verheerend, aber das ist der Kapitalismus auch. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Es geht um Marktmechanismen, erlaubte und kriminelle, und um die Definitionsmacht, was jetzt wo anzusiedeln ist: Chrüter ja, Koks nein.

Nicht nur die Zuger Kirschbauern, auch Millionen anderer Menschen auf der Welt leben vom Anbau von Ausgangssubstanzen für legale und illegale Drogen. Denn damit verdient man mehr als mit Gmües, das ist also soweit nachvollziehbar. Der Krieg gegen die Drogen wird daher auch nichts daran ändern, sondern es werden einfach die Produktionsbedingungen verschlechtert und Menschen in die Illegalität abgedrängt. Wem soll das nützen? Ich will da nichts verharmlosen, und schon gar nicht muss ich den Winkelried für neue Märkte spielen. Nur eben: Die Spiesse (Tüten?) sollten, wenn schon, etwa gleich lang sein. Daher setze ich mich ein, dass Zürich an einem Pilotversuch für die Abgabe von weichen Drogen teilnimmt. Als erster, winziger Schritt zu einem entspannteren Umgang mit Drogen. Das würde allen nützen.

 

Nachtrag: 1. Kein religiöser Ritus dieser Welt kommt ohne Drogen aus. 2. In der gleichen NZZ lese ich, dass eine der WählerInnen-Gruppen von Goldlocke Donald, die verarmten Massen des Industriegürtels, immer mehr (harte) Drogen konsumiert. 3. Der Besitz von 10 Gramm Hanf ist bei uns legal, das sollten auch die Wölffli-Buebe endlich mal begreifen. 4. Mikrodosen LSD sind heuer Mode und heben die Arbeitsmoral. 5. Prost.

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