Für ein geordneteres Blütteln

Weg mit dem Gebüsch und längere Badestrecke: Die Werdinsel soll neu gestaltet werden.

 

Julian Büchler

 

Die Werdinsel – wo sich vor 35 Jahren Auto um Auto reihte, sonnt sich heute Körper an Körper. Mit einem neuen Konzept will Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) zukünftigen Nutzungskonflikten aus dem Weg gehen. Denn mit der gestiegenen Beliebtheit sah sich die Limmatinsel zunehmend mit Problemen konfrontiert. Unschöne Begegnungen von VelofahrerInnen und FussgängerInnen, Belästigungen im FKK-Bereich und freilaufende Hunde erhitzten die Gemüter. Dies gehört zukünftig der Vergangenheit an, ist der Medienmitteilung vom Tiefbauamt zu entnehmen. Im neuen Nutzungskonzept sind gezielte Massnahmen vorgesehen.

 

Für Hündeler sieht das Konzept strengere Vorschriften bezüglich Leinenpflicht vor, so müssen Hunde auf der Insel selbst nun stets an der Leine geführt werden. Auch der Veloverkehr muss Abstriche machen. Fahrradfahrende müssen ihr Fahrrad in Zukunft sowohl auf dem unteren Teil wie auch in der Badi stossen. Neu werden an mehreren Standorten Fahrradständer aufgestellt. Auch dem Abfallproblem will Stadtrat Leutenegger mit mehr Entsorgungsmöglichkeiten Abhilfe schaffen. Zu Spitzenzeiten soll die Möglichkeit bestehen, dass diese in kürzeren Zeitabständen als bisher geleert werden. Mit Fahnen soll zudem die Sichtbarkeit der Abfallbehälter erhöht werden.

 

Im obersten Teil der Insel soll eine zusätzliche Liegewiese beim Kinderspielplatz für mehr Kapazität zu Spitzenzeiten sorgen. Die Ein- und Austiege ins Wasser werden verbreitert. Zusätzlich wird die Badestrecke verlängert – wofür der selbsternannte «Baumretter» Leutenegger bis zu 50 gesunde Bäume fällen will. Dies diene der Sicherheit, damit die BademeisterInnen bessere Sicht auf die Badegäste hätten. Laut Medienmitteilung soll der Wegfall der Bäume mit einheimischen Gehölzen kompensiert werden.

 

Gerodet wird auch im unteren Teil der Insel. Um die «Spannerproblematik» zu entschärfen, soll dieser neu in zwei Bereiche gegliedert werden – einen reinen FKK-Bereich und einen Misch-Bereich, wo sich Nackte und Bekleidete gemeinsam aufhalten. Nacktsein ist also auch in Zukunft erlaubt, sexuelle Handlungen jedoch unerwünscht. Obwohl diese grundsätzlich im öffentlichen Raum nicht verboten sind, verweist das Konzept auf «die Gefährdung durch sexuelle Handlungen zulasten der öffentlichen Sicherheit und Ordnung». Um Sexwillige zu vertreiben soll das gesamte Wäldchen und die Uferbestockung auf eine Höhe von zwei Metern ausgelichtet werden, indem Büsche und Unterholz entfernt werden. Flyer und Berichte in Online-Foren und Magazinen informieren über die Änderungen.

 

Patrick Huber, Gemeinderat der SP und Präsident der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich, kritisiert die radikalen Massnahmen von Filippo Leutenegger. Ein generelles Verbot hält er für unverhältnismässig. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass hier gezielt gegen die Homosexuellenszene geschossen wurde, um diese von der Werdinsel zu vertreiben.» Wer sich normal auf der Werdinsel bewege, bekomme nichts von den vereinzelten Sexszenen mit – dafür müsse man gezielt suchen gehen. «Alles, was nicht stört, sollte weiterhin erlaubt sein».

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