Eine Wildnis für Wildbienen

Vom nullachtfünfzehn-Abstandsgrün zur (bald) blühenden Oase für Wildbienen: Diese Verwandlung hat eine Freifläche von rund 600 m2 bei der Haldenegg erlebt. Ein Augenschein.

 

Das Zürcher ETH-Spinoff «Wildbiene + Partner AG» ist bekannt für seine Wildbienenhäuschen, die StädterInnen zu WildbienenpartnerInnen machen: Man kauft vor Ende Mai ein Wildbienenhäuschen, ein BeeHome, samt einer Wildbienenart, der Mauerbiene. Dann montiert man das Häuschen im Garten oder auf dem Balkon und freut sich über seine neuen Haustiere: Sie stechen nicht und gehen einem weder an den Eistee noch an den Kuchen, dafür bestäuben sie wie die sprichwörtliche fleissige Biene die Pflanzen in der Umgebung. Damit übernehmen sie einen wichtigen Job: Ohne Bestäubung durch Wild- und Honigbienen könnten Bäuerinnen und Hobbygärtner weder Äpfel noch Kirschen, Birnen oder Brombeeren etc. ernten.

 

Bleibt trotz allem die Frage, ob dieser Beitrag der StädterInnen mehr ist als bloss Lifestyle: Wenn Wildbienen, wie es der Name ja sagt, wilde Tiere sind, warum sollten wir sie dann als Haustiere halten? Und wozu brauchen Wildbienen eigene Flächen wie jene, die Ende März zwischen der Liebfrauenkirche und dem IWF-Gebäude der ETH oberhalb der Tramhaltestelle Haldenegg in Zürich fertiggestellt wurde? Der Biologe Claudio Sedivy, Mitgründer von Wildbiene + Partner, sieht keinerlei Lifestyle-Gefahr, im Gegenteil: «Die natürlichen Lebensräume der Wildbienen sind zunehmend bedroht. Da in der Schweiz über 600 Wildbienenarten viel zur Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen beitragen und dafür sorgen, dass unsere Ökosysteme im Gleichgewicht bleiben, ist alles willkommen, was den Wildbienen hilft.»

 

«Wahre Perle» für die Biodiversität

Das Wildbienenparadies Haldenegg entstand im vergangenen Herbst. Wildbiene + Partner erhielt den entsprechenden Auftrag von der ETH und erstellte in Zusammenarbeit mit der Gartenbau Genossenschaft Zürich GGZ ein vielfältiges Wildbienen-Habitat: «Es ist unser viertes Biodiversitätsprojekt mit der ETH und unser bisher grösstes Zürcher Wildbienenparadies», erklärt Claudio Sedivy. Damit haben er und sein Team total 2660 m2 Boden in der Stadt Zürich zu guten Orten für einheimische Wildbienen umgestaltet. Auf den rund 600 m2 Fläche bei der Haltestelle Haldenegg sind unterschiedliche Mikroklimazonen zu finden, auf denen je dafür geeignete Pflanzen wachsen. «Das ist wichtig, denn viele Wildbienen haben ausgesprochene Lieblingspflanzen und machen auf den Blüten anderer Pflanzen kaum Halt. Deshalb haben wir uns bemüht, für jede in der Stadt vorkommende Wildbienenart ihre jeweilige Lieblingspflanze anzubieten», betont Claudio Sedivy. Ebenso wichtig seien aber auch geeignete Nistplätze: «Wir haben hier sonnige und schattige Stellen, Trockenmauern, verschiedene Bodensubstrate inklusive Sand und Steinhaufen, abgeschnittene Hölzer, in deren Mark sich gewisse Bienenarten gern eingraben – und natürlich ein Wildbienenhaus aus unserem Sortiment.» Was die Biodiversität betrifft, sei dieses Habitat eine «wahre Perle», fügt er an. Die Hagebuchen, Buchsbäume und Forsythien, die früher dort ein eher uninspiriertes Gebüsch ergaben, mussten dem Wildbienenparadies zwar weichen. Das sei aber nicht schlimm, im Gegenteil, denn sie hätten für die Biodiversität nicht halb so viel gebracht: «Nun aber können wir den Bienen mit Schwarzdorn, Weiden, wilden Kirschen und über 100 verschiedenen einheimischen Stauden ein richtiges Festessen bieten.»

 

Schon 67 Arten am Häldeliweg

Das Wildbienenparadies ist frei zugänglich, und auf mehreren Infotafeln erfahren die BesucherInnen allerlei Wissenswertes zu den Wildbienen. Noch steht der eben erst fertiggestellte neue Garten logischerweise nicht in voller Blüte. Wer indirekt einen Blick in die Zukunft wagen möchte, kann sich zum Beispiel das von Wildbiene + Partner in Zusammenarbeit mit der ETH in Zürich erstellte Wildbienenparadies anschauen, das sich am Häldeliweg befindet. Dort sind bereits 67 Wildbienenarten heimisch geworden, wovon 7 auf der Roten Liste der bedrohten Arten sind. Das sind fast die Hälfte aller in Zürich vorkommenden Arten – «und das auf bloss 440 Quadratmetern», erzählt Claudio Sedivy stolz. Entsprechend einfach – und lohnend – sei es auch, wenn die StädterInnen in ihren Gärten und auf Balkons einige jener Pflanzen setzen, die den Wildbienen besonders gut schmecken, fügt er an. Darunter fallen beispielsweise die Glockenblume, die Färberkamille, der Hornklee oder der Rainfarn.

 

Weitere Infos und Standorte:
www.wildbieneundpartner.ch

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