E-Quatsch

Als ich in die Politik einstieg, nahm ich mir eigentlich vor, nicht auf jeden sauren Görps zu reagieren, meiner Psychohygiene zuliebe und weil’s Zeitverschwendung ist. Aber dann kamen die Fake-News und die Elektromobilität (und eine diesbezüglich leicht durchgeknallte grüne Zürcher Nationalratsdelegation). Und daher muss ich nun mal was klarstellen.

 

E-Mobilität ist nicht die Lösung, sie ist die Perfektionierung und Verlängerung des Problems. Schon heute sind Elektroautos keineswegs ökologischer als die guten alten Dreckschleudern von der Benzin- und Dieselfront. Vor allem müssten sie, um eine positive – Ha! Reingelegt! Es muss natürlich heissen: weniger negative – Umweltwirkung zu haben, ja auch wirklich fossile Fahrzeuge ersetzen. Da dies heute aber nicht der Fall ist, sondern weil man sich einfach noch ein schickes Zweitauto mit Hybrid- oder E-Motor leistet, vergrössern sie nur die Verkehrsmenge und reduzieren damit die Mobilität. Das nennt man Reboundeffekt, hat mit technologischem Fortschritt rein gar nichts zu tun, aber viel mit Steinzeitverhalten.

 

Elektroautos haben in der Regel auch einen grossen Fussabdruck, weil sie mit dem europäischen Strommix fahren, der einen Anteil Kohlestrom enthält. Im schlimmsten Fall können sie über die ganze Lebensdauer sogar einen grösseren Fussabdruck aufweisen als Fossilautos. Aber selbst wenn wir das mit dem Strommix in Zukunft lösen – und davon sind wir, Energiewende hin oder her, so weit entfernt wie die Frauen von gleichen Löhnen –, bleibt ein massives Ressourcenproblem. Denn nebst dem herkömmlichen Materialaufwand bei der Fahrzeugproduktion kommt neu die Batterie hinzu, und die enthält nicht nur massenhaft graue (also: Herstellungs)Energie, sondern sie ist auch stofflich alles andere als gelöst. Insbesondere die Verfügbarkeit von Lithium ist ein erhebliches Problem und hat das Potenzial, Blutdiamanten oder Palmöl als soziale Skandale nahtlos abzulösen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung kam schon 2010 zum Schluss, dass wir, bevor wir nun einmal mehr eine neue Seite im dicken Buch der Ausbeuterei aufschlagen, zuerst funktionierende Recycling-Infrastrukturen aufbauen sollten. Kommt hinzu, dass die Batterieproduktion gewaltige Strommengen verbrötelt und erhebliche Mengen an CO2-Emissionen verursacht, wenn man das auf die gesamte Lebensdauer anschaut. Auch Elektroautos haben also einen Auspuff. Sie sehen ihn nur nicht.

 

Ich bin noch nicht fertig. Wenn all das gelöst ist – richtig gelesen: wenn falls! –, dann haben wir immer noch die ganz ‹normalen› Mobilitätsprobleme, auch mit Elektroautos: Platzverschwendung, Zersiedelung, Unfälle, Verkehrstote.

 

Das einzige Problem, das mit Elektroautos scheinbar gelöst wird, ist der Lärm. Dafür tut sich hier ein neues auf, denn E-Autos sind derart leise, dass sie eine Gefahr auf der Strasse darstellen. Vermutlich werden wir das mit einem Lautsprecher lösen, der gesampelte Fahrgeräusche eines Benziners ohne Auspuff wiedergibt, damit die Leute nicht einfach auf die Fahrbahn latschen…

 

In Summa: Elektroautos sind im klassischen Sinne nicht nachhaltig, weil sie nur ein Problem durch ein anderes ersetzen. Die Einführung von Elektroautos lenkt ab vom eigentlichen Thema, nämlich, dass wir falsche Mobilitätskonzepte haben, vorab in den Städten. Das gut Gemeinte ist auch hier der Feind des Besseren. Daher: Wir brauchen Lösungen, keine Nebelpetarden, keine Pseudofortschritte. Und schon gar keine Bubenspielzeuge.

 

Markus Kunz

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