Pro Natura wählt den Igel (Braunbrustigel, Erinaceus europaeus) zum Tier des Jahres 2026. Er soll dazu anregen, Gärten und Grünräume igel- und naturfreundlich zu gestalten. (Bild: Ronald Stiefelhagen)

Zu ordentlich für den Igel

Der Igel ist das Tier des Jahres 2026. Mit dieser Wahl will Pro Natura auf die bedrohliche Lage des Tiers aufmerksam machen und Politik sowie Bevölkerung für den Schutz der Natur und artenreicher Gärten sensibilisieren.

Seit 2022 gilt der Igel in der Schweiz als «potenziell gefährdet». Sein Lebensraum schrumpft rasant: Hecken, Laub- und Asthaufen verschwinden, Bäche werden in unterirdische Röhren geleitet, landwirtschaftliche Flächen werden immer intensiver genutzt. «Damit hat der Igel einen Grossteil seines Lebensraums verloren», schreibt Pro Natura. Was früher ein buntes Mosaik aus Feldern, Brachen und Gehölzen war, ist heute oft kahl und monoton – mit gravierenden Folgen für das Tier.


Gefahr auf Schritt und Tritt


Doch nicht nur in der offenen Landschaft gerät der Igel unter Druck. Auch im Alltag lauern Gefahren: Autos, Mähroboter und Motorsensen töten jedes Jahr viele Tiere. Selbst der menschliche Ordnungssinn wird zum Problem. Wo alles kurz geschnitten, sauber geputzt und gebündelt ist, fehlen Verstecke, Nistplätze und Futter. Dabei sind gerade natürliche Strukturen überlebenswichtig: Dichte Sträucher mit Krautsaum, Holzstapel oder wilde Ecken mit Laub, Ästen und Schnittstauden bieten Schutz und gleichzeitig ein reiches Nahrungsangebot.
Trotz allem ist der Igel anpassungsfähig und hat in Dörfern und Städten neue Lebensräume gefunden – in Gärten, Parks, Friedhöfen und Grünanlagen. Doch auch dort stösst er an Grenzen. Oft reicht das Nahrungsangebot nicht aus, denn er frisst ausschliesslich tierische Kost wie Insekten, Würmer und Schnecken. Besonders im Winter und in insektenarmen Zeiten wird das Überleben schwierig. Aber Achtung: «Vor dem Zufüttern sollte man sich gut informieren, da falsches Futter mehr schaden als nützen kann», warnen Fachleute.


Hilfe beginnt vor der Haustür


Seit rund 20 000 Jahren gehört der Igel zu unserer Tierwelt, doch sein ursprünglicher Lebensraum ist fast verschwunden. Die gute Nachricht: Beim Igelschutz kann jede und jeder helfen. Laubhaufen liegen lassen, Durchgänge zwischen Gärten schaffen, auf Gift verzichten und bewusst wilde Ecken im Garten belassen – oft braucht es nur kleine Veränderungen.
Im März 2026 startet Pro Natura das Projekt «Bonjour Nature», das Menschen schweizweit bei der naturnahen Gestaltung ihrer Gärten unterstützt. Die Botschaft ist klar: Der Igel braucht Platz, Vielfalt und ein bisschen Chaos. Und genau das beginnt – direkt vor unserer eigenen Haustür.