«Wir wissen um unsere Stärke»

Ein ReinigerInnen-Kollektiv erhebt an einer Demonstration in Solothurn gravierende Vorwürfe gegen die in Zürich ansässige Enzler Reinigungen AG. 

 

Solothurn ist nicht der Ort, wo man einen ArbeiterInnenkampf erwarten würde. Einst weilten hier die Gesandten des französischen Königshauses, und noch heute versprüht jedes zweite Gebäude in der selbsternannt schönsten Barockstadt der Schweiz feudalen Charme. 

Vor diesem Hintergrund versammelten sich vergangenen Samstag rund 80 DemonstrantInnen auf dem zentralen Dornacherplatz, um ihre Solidarität mit dem Personal der Enzler Reinigungen AG kundzutun. Die Firma gehört zur Enzler Holdig AG und hat ihren Sitz in Zürich. Die ReinigerInnen, die sich in einem Kollektiv selbst organisiert haben, arbeiten am Standort des Biotechnologiekonzernes Biogen im solothurnischen Luterbach; der US-Konzern hat die Reinigung an Enzler ausgelagert. Die ReinigerInnen würden unter miserablen Bedingungen arbeiten, wie Berichte der Basisgewerkschaften FAU (Freie ArbeiterInnen Unon) und IWW (Industrial Workers of the World) aufzeigen. Einer der Hauptkritikpunkte: der mangelnde gesundheitliche Schutz der ReinigerInnen. «Du kannst deinen Job verlieren, wenn du wegen den starken Chemikalien oder wegen eines Unfalls zum Arzt gehst», sagt ein Reiniger gegenüber PS. Ein anderer erzählt von Verätzungen, von abgelaufenem Schutzmaterial, von diskriminierendem Umgang. Die Enzler-ReinigerInnen dürften den Betriebsarzt von Biogen nicht konsultieren, genauso wenig können sie die Wasserstellen, die Toiletten oder die Kantine mit den Biogenangestellten teilen. «Es herrscht eine Zweiklassengesellschaft», meint ein Gewerkschafter der IWW dazu. Das soll sich ändern: Die ReinigerInnen stellen 13 Forderungen an die Enzler Reinigungen AG, darunter einen höheren Monatslohn, mehr Ruhezeit und die Aufhebung der Trennung zwischen Biogen- und Enzler-Angestellten. In einer Stellungnahme reagiert das schweizweit tätige Unternehmen auf die Vorwürfe. Ein gerechter Lohn sowie der Arbeitsschutz von Mitarbeitenden seien der Firma sehr wichtig. «Die Enzler Reinigungen AG setzte sich stets bedingungslos für die Einhaltung von GAV, Arbeitsgesetz und Arbeitssicherheit ein.» Deswegen begrüsse man die rasche Überprüfung der Vorwürfe durch externe Stellen. Neben der bemängelten Arbeitssicherheit ist vor allem die Suspendierung des Gewerkschaftsvertreters der Auslöser für die Demonstration. Der Vorwurf des «union busting», der Sabotage der ArbeitnehmerInnenvertretung, steht im Raum. Der Gewerkschaftsvertreter hatte sich Ende Juni an die Medien gewandt, als ein homophober Angriff auf einen Enzler-Arbeiter bekannt wurde. Der Täter wurde inzwischen zwar entlassen, der Gewerkschaftsvertreter aber bei vollem Lohn «bis auf Weiteres» suspendiert. Er kann sich somit nicht auf dem Firmengelände bewegen und sich mit anderen ArbeiterInnen austauschen. Aus den Gesprächen an der Demonstration wird klar: Die ReinigerInnen sind entschlossen, sich wenn nötig auch über einen Streik für die Erfüllung ihrer Forderungen einzusetzen. «Wenn wir nicht reinigen, können auch keine Medikamente hergestellt werden. Wir wissen um unsere Stärke», sagt einer von ihnen.

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