- Winterthur
«Wir sind bereit»
Frau Perea, bei der Stadtplanung wimmelt es von unterschiedlichen Plänen. Richtplan, Gestaltungsplan, Bau- und Zonenordnung, oder eben Masterplan. Was ist der Stellenwert eines Masterplans bei der Arbeit im Amt für Städtebau?
Cristina Perea: Ein Masterplan ist ein übergeordneter, langfristiger Fahrplan. Er schafft den Rahmen für neue Gebäude, Freiräume, Verkehrswege und die Grundlage für eine schrittweise Umsetzung. Ein Masterplan ist verbindlich für die Behörden, nicht aber für die Grundeigentümer. Er ist kein bereits fertiggestelltes Projekt, das morgen gebaut wird. Er bietet aber ein tragfähiges Gerüst für die flexible und etappenweise Umsetzung.
Birgit Kurz: Ein Masterplan kann bei geänderten Rahmenbedingungen auch angepasst werden. Der Masterplan ist erst die Grundlage z.B. für die Erarbeitung eines Gestaltungsplanes. Der Prozess des Masterplans bietet den verschiedenen Grundeigentümerschaften auch die Möglichkeit, die jeweiligen Bedürfnisse gegenseitig zu formulieren.
Perea: Wichtig ist auch, dass er nicht auf einzelne Parzellen fixiert ist, sondern übergreifende Prinzipien definiert, zum Beispiel auch die Qualität des öffentlichen Raums.
Welche Bedeutung kommt dem Masterplan Grüze-Süd im Rahmen der Entwicklung Winterthurs zu?
Kurz: Vor einigen Jahren hat Winterthur mit der Räumlichen Entwicklungsperspektive 2040 eine übergeordnete Strategie festgelegt. Darin wurden sechs Schwerpunktgebiete für die Entwicklung festgelegt, und das Gebiet Grüze-Süd, von dem wir nun sprechen, ist Teil eines dieser Gebiete. Hier geht man von einer dynamischen Entwicklung aus. Der Masterplan Grüze-Süd befasst sich mit einem rund dreizehn Hektaren grossen Arbeitsplatzgebiet zwischen St. Gallerstrasse und Grüzefeldstrasse. Das Gebiet grenzt an die Eisenbahnlinie nach St. Gallen und den Bahnhof Grüze. Grüze-Süd ist ein Teil des grössten zusammenhängenden Arbeitsplatzgebietes in Winterthur.
Perea: Manchmal hinken wir der Entwicklung hinterher. Mit dem Masterplan Grüze-Süd konnten wir nun wichtige Rahmenbedingungen für die qualitative Entwicklung des Areals definieren. Durch den Bau der neuen Brücke und die Nähe zum Bahnhof Grüze gewinnt Grüze-Süd noch mehr an Zentralität, was die Attraktivität des Gebiets steigert. In der Umgebung sind weitere Gebiete in Planung, und daher ist es gut, wenn die dynamische Entwicklung zielgerichtet verläuft. Genau dafür ist der Masterplan da: Um diese Entwicklung vorausschauend in eine gute Richtung zu lenken. Diesmal sind wir bereit.
Welches sind die zentralen Punkte?
Perea: Wie erwähnt ist das Areal vor allem ein Arbeitsplatzgebiet. Der Masterplan wurde mit den Grundeigentümer:innen gemeinsam entwickelt, was auch dazu geführt hat, dass diese sich über ihre Entwicklungsabsichten austauschen konnten. Thema ist etwa die Frage, welche Art von Arbeitsplätzen angestrebt werden soll, der Nutzungsmix von kleinen und grösseren Betrieben, die Gestaltung des öffentlichen Raums.
Kurz: Der Masterplan soll Transformation, Veränderung ermöglichen. Die Frage ist immer auch, welches Profil ein Arbeitsplatzgebiet hat oder anstreben kann. Aber wichtig ist, dass auch eine Entwicklung aus den bestehenden Nutzungen erfolgt. Heute ist das Areal nicht etwa eine Brache, sondern stark genutzt.
Perea: Wir gehen davon aus, dass die Grundeigentümerstruktur grundsätzlich bestehen bleibt. Mit der Karmon AG, Keller Messtechnik, Briner und dem Einkaufszentrum gibt es neben der Stadt vier grosse Grundeigentümer:innen.
Kurz: Das Bindeglied bildet dabei das Land im Besitz der Stadt, der öffentliche Raum.
In wenigen Tagen wird die Leonie-Moser-Brücke offiziell eröffnet. Wie ist der Masterplan Grüze-Süd mit dieser Brücke verknüpft?
Perea: Die Brücke bildet ein wesentliches Element bei der Entwicklung des gesamten Gebiets. Sie bringt eine Dynamik in das Gebiet. Die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr verbessert sich wesentlich. Die Brücke bildet zusammen mit der geplanten Hannes-W.-Keller-Strasse eine zentrale stadträumliche Achse im Gebiet.
Aber der Bundesrat will ja nun den Bahnhof Grüze-Nord nicht bauen.
Kurz: Bezüglich Bahnhof Grüze-Nord ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber nur schon mit der jetzigen neuen Erschliessung des Gebiets werden wichtige neue Verbindungen geschaffen. Es gibt eine Entwicklung um den Bahnhof Grüze, und die wird nicht aufzuhalten sein. Die Durchlässigkeit im künftig urbaneren Zentrumsgebiet ist wichtig, auch für den Masterplan Grüze-Süd. Es ist schon entscheidend, dass auch die öffentliche Infrastruktur auf die Zukunft ausgerichtet ist und künftige Entwicklungen vorausdenkt. Eine gute Infrastruktur ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung.
Welches sind nun die nächsten Schritte?
Perea: Die Grundeigentümer:innen haben mit uns nun diesen Masterplan erarbeitet, daraus ist eine gemeinsame Basis für die nächsten Schritte entstanden, die je nach Parzellen unterschiedlich sein können. Das kann für ein Areal ein Gestaltungsplan sein, die Vertiefung des BGK-Projekts (Betrieb und Gestaltungskonzept) oder aber auch eine Vertiefungsstudie bezüglich einer bestimmten Frage. Wichtig ist, dass wir gemeinsam und zielgerichtet planen können und eine gute Basis haben, welche auch für die Grundeigentümer:innen die Planung erleichtert. Wie schon gesagt: Bei anderen Arealen wurde die Stadt teilweise von der Entwicklung nicht gerade überrollt, aber doch teilweise vor vollendete Tatsachen gestellt, welche dann die weiteren Planungsschritte stark beeinträchtigten. Wir sind bereit für die Zukunft.
INFOBOX
Cristina Perea, Architektin und Stadtplanerin, 50 Jahre, seit vier Jahren in Amt für Städtebau der Stadt Winterthur als Projektleiterin Stadtraum und Architektur. Projektleiterin «Masterplan Grüze Süd».
Birgit Kurz, Architektin und Stadtplanerin, 61 Jahre, seit sechs Jahren im Amt für Städtebau als Architektin Projektleiterin Stadtraum tätig. Projektleitung für den Studienauftrag «Stadtraum Bahnhof Grüze».