«Wir müssen die Kinder auf die Zukunft vorbereiten»

Clemens Pachlatko (Grüne) kandidiert am 7. März für das Schulpräsidium des Schulkreises Uto. Was ihn antreibt und wie er Schulkinder auf die Zukunft vorbereiten möchte, erzählt er im Gespräch mit Roxane Steiger.

 

Weshalb wollen Sie Schulpräsident werden – was motiviert Sie dazu, sich dieses strenge Amt anzutun?

Clemens Pachlatko: Das Amt reizt mich, da ich eine politische mit einer inhaltlichen Komponente, den Bildungsbereich, verknüpfen kann. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass es gute und starke öffentliche Schulen gibt. Das bedingt ein gutes und gesundes Personal, sei es in der Schulleitung oder im Lehrkörper. Als Schulpräsident hat man einen grossen Einfluss auf die Personalführung, aber auch auf die pädagogische und organisatorische Ausrichtung eines Schulkreises. Ausserdem wäre es spannend, eine neue Seite des Schulwesens kennenzulernen. Eine weitere Motivation für mich ist, dass in der Zürcher Schulpflege fünf von sieben SchulpräsidentInnen der SP angehören, aber niemand von den Grünen vertreten ist. Da will ich etwas Farbe reinbringen.

 

Die Kreisschulbehörden sind unter anderem verantwortlich für die Qualität der Schule und gewährleisten einen gut funktionierenden Schulbetrieb sowie die Erfüllung des schulischen Auftrages. Welche besonderen Fähigkeiten und Qualifikationen bringen Sie mit, um diese vielfältigen Aufgaben adäquat zu lösen?

Einerseits war ich lange als Lehrer und Schulleiter tätig: zunächst als Sekundarlehrer im Schulkreis Zürichberg in den Schulhäusern Hofacker und Neumünster und anschliessend als Schulleiter des Schulhauses Aemtler im Schulkreis Limmattal. Darum kenne ich die Abläufe, die Strukturen sowie viele Leute des zürcherischen Schulwesens. Zudem bringe ich viel Schulkompetenz mit und weiss sehr genau, was es heisst, in einer Klasse zu stehen oder schwierige Elterngespräche zu führen.

Andererseits habe ich mich auch immer wieder weitergebildet. Ich habe einen MAS in Bildungsmanagement absolviert und verschiedene PISA-Länder besucht. Dort war ich in den «Gewinnerländern» Südkorea, Finnland und Kanada in den Schulen und Unis sowie bei der LehrerInnenausbildung vor Ort.

In Zürich haben wir eine sehr heterogene Eltern- und SchülerInnenschaft. Wir müssen probieren, für alle Kinder hier zu sein – für die, die eine Lobby haben, und die, die keine haben. Für diese will ich eine Lobby sein. Ich kandidiere zwar für die Grünen, aber es ist wichtig, über die Parteigrenzen hinweg zu denken. Schlussendlich ist man für den ganzen Schulkreis verantwortlich.

 

Welches waren in der laufenden Legislatur die grössten Herausforderungen für die Kreisschulbehörde in Ihrem Schulkreis? Angenommen, Sie wären bereits Schulpräsident: Wie hätten Sie diese Herausforderungen konkret gemeistert?

Beim Flyerverteilen im Quartier nehme ich wahr, dass es in der Vergangenheit Vorfälle gegeben hat, wo vonseiten der Schulbehörde nicht optimal informiert oder kommuniziert wurde. Zum Beispiel beim Schulhaus Falletsche in Leimbach, wo ein Konflikt in den Medien ausgetragen wurde. Das hätte ich ganz klar anders gemacht.

Ich spüre deutlich, dass Eltern mehr als ernst genommenes Visavis wahrgenommen und gehört werden wollen. Ich denke, das wäre in den letzten Jahren für mich ein Schwerpunkt gewesen.

Ein anderes brisantes Thema ist die Schulraumfrage. Der Schulkreis wächst und der Schulraum wird knapper. Die Schulbehörde ist nicht alleine dafür verantwortlich, sondern ist abhängig von der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich. Da ist es wichtig, dass man auf die Menschen, die es betrifft, zugeht, sie miteinbindet und ihre Bedürfnisse abholt. Mit Schulhäusern sind Emotionen und Geschichten verbunden, zum Beispiel wenn eines wegmuss. 

 

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen, die es in den kommenden fünf Jahren in Ihrem Schulkreis zu bewältigen gilt, und wie packen Sie sie an?

Es scheint mir sehr wichtig, dass wir die Kinder, die wir heute in der Schule ausbilden, auf ihre Zukunft vorbereiten. Das ist besonders schwierig, weil viele der Kinder und Jugendlichen Jobs haben werden, die es heute noch gar nicht gibt. Umso schwieriger wird es für uns, sie in der Schule auf das vorzubereiten, was sie brauchen werden. Das sind klar die Kernkompetenzen wie Lesen, Rechnen und Schreiben, aber auch in der digitalen und in der Medienkompetenz müssen wir sie sattelfest machen. Erst mit dem Lehrplan 21 sind diese Inhalte festgeschrieben worden. Damit haben diese Kompetenzen mehr Gewicht bekommen. 

Ein weiterer Punkt ist das Abholen individueller Bedürfnisse. In meiner Zeit als Lehrer habe ich gelernt, dass alle Leute verschieden sind. Deshalb müssen alle SchülerInnen, soweit möglich, individuell abgeholt werden. So haben die Kinder eher Erfolgserlebnisse.

Auch Tagesschulen sind politisch und organisatorisch aufgegleist. Ich stelle das nicht infrage, aber man könnte die Betreuungsangebote durchaus weiter ausbauen. Zum Beispiel für das vorwiegend weibliche Pflegepersonal: Diejenigen, die selbst Kinder haben, sollten das Anrecht darauf haben, in der Zeit, in der sie arbeiten, die Betreuungseinrichtung ebenfalls nutzen zu können. Zudem sollten Betreuungseinrichtungen so attraktiv sein, dass möglichst viele Kinder gerne dorthin gehen. Schliesslich erachte ich es als wichtig, den Nachhaltigkeitsgedanken mehr einfliessen zu lassen sowie den Grundsatz eines gesunden und bewussten Lebens. Als Erwachsene müssen wir in diesem Bereich Vorbilder sein.

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