(Bild: Bettina Diel)

Windschief

Manuel Bürgin betont das Absurde im Text von Leo Meier, der windschiefe Kommentarbelanglosigkeiten aneinanderreiht.

Fussball, kännsch? Wenn Sport­ler (meist männlich) noch vollends ausser Atem ein Mikrophon ins Gesicht gestreckt erhalten in der Erwartung, irgend ein Heurekagedanke würde über die eben eingespielte Schlappe hinwegtrösten und dann kommt doch bloss Gestammel. Ungefähr dieserart ist der gesamte Text von Leo Meiers «Zwei Herren von Real Madrid» gebaut. Das wirkt absurd, ist aber deswegen noch längst nicht absurdes Theater, insbesondere weil dem Text eine intrinsisch politische Lehrabsicht völlig abgeht. Josef Mohamed, der filigrane Mittelfeldstürmer und Manuel Herwig, der hemdsärmlige Stürmer treffen sich im Wald. Ihre amouröse Anziehung gipfelt irgendwann sehr viel später in einem Fünfzigerjahre-Hollywoodfilmkuss, also einem Anschein dessen, was wirklich sein könnte. Doch bis dahin tauschen sie sich sehr redselig, ausnehmend floskelhaft und bedeutungsleer über Belanglosigkeiten aus und scheinen darüber eine für beide funktionierende Kontaktebene zu finden. Weihnachten naht und Josef Mohamed ist bei der Familienfeier von Manuel Herwigs Eltern eingeladen. Eleni Haupt als Mutter ist ausser sich vor Entzückung über die süssen Liebenden, während Martin Butzke als verstockte Vaterfigur nur zu einer Konversation entlang seiner ihm bekannten Gefilde wie etwa dem Kochen überhaupt fähig ist. Anja Tobler als Tannenbaum – zuvor bat sie als Don Quijotte-Lookalike, aber nur äusserlich und nicht inhaltlich, um Nachsicht für das nun zur Aufführung gelangende Stück – ergänzt diese doch verstockt herzlich-verklemmte Zusammenkunft mit vermeintlich weisen Spitzen, die nur noch übertroffen werden, als Martin Butzke als Spielerkapitän während einer späteren Pressekonferenz das Heft an sich reisst und wahrlich tiefsinnige Erkenntnisse als Antwort auf Transfergelüste von sich gibt: Wir sind alle sterblich. Die unentwegt um einen heissen Brei schleichende Sprache, die bis zuletzt mit Absicht überhaupt gar nie zu irgend einem springenden Punkt gelangt, ergänzt Manuel Bürgin mit sichtlich gewollt ungelenk ausgeführten Kunstaffekten, zu denen die Kostümbildnerin Gwendolyn Jenkins eine wild stereotypisierte Klischeekombination hinzugesellt. Lustig im Sinn von lachhaft wird das Stück trotz allem nicht, denn während des Zuschauens beschleicht einen der Verdacht, diese forcierte und absichtliche Unterkomplexität der Figurenzeichnungen, würde letztlich nicht nur niemandem gerecht, sondern führe zudem leider auch nirgendwo hin.

«Zwei Herren von Real Madrid», 24.4., Kurtheater, Baden. Nächstmals: 1./2.5., Bühne Aarau. 7. – 28.5., Konzert und Theater
St. Gallen.