Widerstand aus dem Quartier

Am Dienstagnachmittag erklärten Mitglieder des Quartierforums «5im5i», weshalb sie sich mit einer Petition gegen die Pläne für ein neues Kongresszentrum auf dem Carparkplatz Sihlquai zur Wehr setzen. Auf dem Areal wünschen sie sich stattdessen ein «Zukunftsquartier».

 

von Tim Rüdiger

 

Ein Kongresszentrum für 3000 Teilnehmende, ein Designhotel mit 300 Betten und ein Luxushotel mit deren 250. Das schwebt der Immobilienfirma Mobimo AG und der privaten IG Kongress-Stadt Zürich für das Areal des Carparkplatzes beim Sihlquai vor, wie aus dem Businessplan der Mobimo hervorgeht. Die Immobilienfirma möchte das Land im Baurecht von der Stadt erwerben.
Das Forum «5im5i», eine Gruppe aus QuartierbewohnerInnen aus dem Kreis 5 und weiteren Interessierten, hält davon wenig, wie es am Dienstagnachmittag auf dem Carparkplatz informierte. «Wo soll das realisiert werden?», zweifelt Philipp Klaus vom Stadtforschungsbüro ‹Inura›, der sich beim «5im5i» engagiert. Die Mobimo habe zwar mitgeteilt, für ihr Vorhaben nur die Tankstelle und das Parkhaus abreissen zu müssen. Frühere Abklärungen der Stadt hätten aber noch den Abriss von Gebäuden rund um den Carparkplatz beinhaltet. «Es braucht ja nicht nur einen Saal und zwei Hotels, sondern noch Seminarräume, einen Gastrobereich und so weiter. Wir glauben, dass der vorhandene Platz niemals ausreichen wird.» Das genaue Raumprogramm bleibe die Mobimo noch schuldig.

 

Angst vor Verödung

«Die Nachfrage nach Kongressen in Zürich kann auch ohne ein neues Projekt befriedigt werden», sagt Fred Frohofer, Pressesprecher des Forums, «erst dieses Jahr hat die Zürcher Stimmbevölkerung den Umbau des Kongresshauses am See für 240 Millionen Franken beschlossen. Nach dem Abschluss im Jahr 2020 können dort Kongresse nahezu in der Grösse bewältigt werden, wie sie die IG anstrebt.» Zudem würden mit «The Circle» am Flughafen und mit der «Samsung-Hall» in Stettbach bald weitere Hallen zur Verfügung stehen. Auch der Stadtrat hat im Jahr 2013 seine eigene Suche nach einem Areal für ein neues Kongresszentrum aufgegeben und sich strategisch auf das Kongresshaus am See festgelegt. Ohnehin sei aber das Konzept von Kongressen in dieser Grössenordnung anachronistisch, sagt Frohofer: «Kongresse werden tendenziell immer kleiner, die Zukunft weist in Richtung Formate wie ‹TED Talks›, die weltweit in Echtzeit gestreamt werden können. Dafür braucht es keine grossen Räume.»

Doch natürlich geht es den Forumsmitgliedern nicht um das Kongressbusiness. Ein neues Kongresszentrum würde zur Verödung des Kreises 5 beitragen, sagt Frohofer: «Der Neubau stünde die meiste Zeit leer: eine Bauruine.» Auf der anderen Seite würde das Quartier von «sporadisch auftauchenden Fluten tausender Kongressbesucher» überlaufen, die nach Freizeit- und Shoppingmöglichkeiten suchen. Ein gutes Auskommen für die Gewerbebetriebe sei bei solch unstetiger Kundschaft kaum vorstellbar. «Ich fürchte mich davor, dass der Kreis 5 umgekrempelt wird», ergänzt Philipp Klaus, «und man kann davon ausgehen, dass auch die Mieten steigen würden.»

 

Petition gestartet

Gegen die Pläne für einen Kongressneubau hat «5im5i» die Petition «Vielfalt statt Einfalt am HB» lanciert. Darin fordert das Forum vom Stadtrat, das Vorhaben der Mobimo und der IG Kongress-Stadt Zürich abzulehnen und für die Entwicklung des Areals ein partizipatives Verfahren einzuleiten. «Wir wünschen uns für den vorderen Kreis 5 ein Zukunftsquartier, also Wohnen innerhalb urbaner Infrastruktur: mit Läden, Restaurants, Begegnungs- und Kulturangeboten. Allein auf dem Areal des Carparkplatzes könnte Lebensraum für 800 Menschen geschaffen werden!», so Frohofer.
Das Schicksal der Reisecars möchte er indes nicht festlegen. Zwar stellt er den Sinn eines zentralen Busbahnhofs in Frage: «Es ist problematisch, wenn die Busse dem Stossverkehr der Innenstadt ausgesetzt sind. Es bieten sich auch Standorte in Altstetten oder nach 2020 auf dem Areal der Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse an.» Doch um die Verdrängung des Busbahnhofs geht es dem Forum nicht: «Der Busbahnhof könnte unterirdisch verlegt werden, mit direkter Verbindung zur Sihlpostpassage. Auch eine Gebäudeintegration ist denkbar, wie beim Tramdepot in der Kalkbreite.»

Gleichzeitig zur Petition fordern VertreterInnen der Parteien SP, Grüne, AL und GLP vom Stadtrat für die Entwicklung des Carparkplatzareals einen Projektierungskredit für ein partizipatives Verfahren. Ein Kongresszentrum schliessen auch sie aus.

Der Stadtrat möchte sich noch vor Jahresende zu den Plänen der Mobimo äussern. Die Mitglieder des Forums «5im5i» zeigen sich derweil zuversichtlich: «Wir geben unserem Anliegen gute Chancen.»

 

Die Petition kann hier unterzeichnet werden.

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