Wer weiss, wie Zürich wachsen soll?

Acht Bisherige und neun Neue möchten am 13. Februar 2022 einen der neun Zürcher Stadtratssitze erobern. Wer sind diese Frauen und Männer, wie ticken sie? P.S. will es wissen – und befragt jede Woche ein Mitglied des Stadtrats und einen neuen Kandidaten/eine neue Kandidatin in separat geführten Interviews zum selben Thema. Diese Woche nimmt Stadtratskandidat Dominik Waser (Grüne) im Gespräch mit Nicole Soland Stellung zum Thema «sozial und ökologisch verträgliches Wachstum».

 

Die Stadt Zürich wächst: Wie lässt sich das Ziel, mehr preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, auf sozial und ökologisch verträgliche Weise erreichen?

Dominik Waser: Wir müssen den Gebäudebestand ökologisch erneuern, die Heizungen ersetzen, Solarpanels montieren. Fördergelder von der Stadt, etwa für den Heizungsersatz, dürfen jedoch nur dann ausbezahlt werden, wenn die Mieten nicht erhöht werden. Eine grosse He­raus­forderung besteht zudem da­rin, die grossen ImmobilienbesitzerInnen wie Versicherungen, Pensionskassen oder auch Private zu einem substanziellen Beitrag zu bewegen: Einfach alle alten Häuser abzureissen und neu zu bauen ist sowohl ökologisch wie im Hinblick auf die Mieten keine Option, und Luxussanierungen gehen gar nicht. Stattdessen müssen wir Bestandesbauten fit für die Zukunft machen, mehr gemeinnützigen Wohnraum schaffen und die Rechte der MieterInnen stärken.

 

Wäre es nicht gescheiter, den Boden zu verstaatlichen oder grosse Immobilienunternehmen à la Berlin zu enteignen?

Diese Diskussion müssen wir führen: Wem gehört der Boden? Wie können wir verhindern, dass damit spekuliert wird? Verstaatlichen wird in der Schweiz wohl schwierig … aber wir brauchen auf jeden Fall neue Werkzeuge wie etwa ein Vorkaufsrecht für die Stadt, Quoten für Private, mehr Um- statt Neubauten, und wir müssen städtische Stiftungen und Genossenschaften stärken.

 

Auch der Verkehr wächst: Wie kann es gelingen, das Wachstum des MIV einzudämmen und stattdessen mehr öV, Fuss- und Veloverkehr zu generieren?

Der Verkehrsrichtplan ist eine gute Grundlage. Das Platzproblem lässt sich mit einem substanziellen Parkplatzabbau angehen: Wer sein Auto nicht mehr bequem in der Blauen Zone abstellen kann, verzichtet bestenfalls ganz darauf. Weiter müssen wir den öV stärken und die Billette günstiger anbieten. Zu den Velorouten nur soviel: Die Pläne sind parat, sie müssen jetzt endlich umgesetzt werden!

 

Angenommen, Zürich könnte dem Wachstumszwang entkommen: Wie würde sich das Leben in der Stadt dann anfühlen?

Es müsste sowieso das Ziel sein, höchstens noch leicht zu wachsen und stattdessen für mehr Grünraum und Freiräume zu sorgen und verdichtete Flächen zu entsiegeln. Anstatt Zürich um jeden Preis zu verdichten, sollten wir über die Stadtgrenzen hinausblicken und die angrenzenden Agglomerationen in anstehende Entwicklungen einbeziehen. Auch alternative Wohnkonzepte, wie sie einige Genossenschaften bereits ausprobieren, sind ein spannender Ansatz.

 

Was haben wir davon, wenn wir Sie in den Stadtrat wählen?

Eine Stimme, die konsequenter und mutiger anspricht und angeht, was nötig ist, wenn wir bei Themen wie Wohnen, Energie und Klima vorankommen wollen: Wir stehen am Anfang des Jahrzehnts des sozialen und ökologischen Umbaus unserer Stadt. Ich bringe Ideen und Visionen einer jüngeren Generation ein, jener Generation, die am längsten mit den Folgen der Entscheidungen leben muss, die in nächster Zeit anstehen.

 

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