Wer surft auf der Tempo-30-Welle?

Acht Bisherige und neun Neue möchten am 13. Februar 2022 einen der neun Zürcher Stadtratssitze erobern. Wer sind diese
Frauen und Männer, wie ticken sie? P.S. will es wissen – und befragt jede Woche ein Mitglied des Stadtrats und einen neuen Kandidaten/
eine neue Kandidatin in separat geführten Interviews zum selben Thema. Diese Woche nimmt Stadtratskandidatin Simone Brander (SP) im Gespräch mit Nicole Soland Stellung zum Thema Tempo 30.

 

Die SVP bekämpft Tempo 30 auf Hauptachsen mit einer Volksinitiative. Sie behauptet, der Lärmschutz als Grund für die weitgehende Einführung von Tempo 30 sei nur vorgeschoben.

Simone Brander: Tempo 30 zum Schutz vor übermässigem Lärm ist einfach, günstig und wirkungsvoll, das zeigen alle Gutachten. In der Stadt Zürich leiden über 100 000 EinwohnerInnen unter zu viel Lärm. Es ist höchste Zeit, dass sie zu ihrem Recht kommen.


Die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs schreitet zügig voran, und E-Autos sind leiser als solche mit Verbrennungsmotoren: Kommt der städtische Geschwindigkeitsplan zu spät?

Das Rollgeräusch der Reifen ist bei E-Autos gleich laut wie bei Benzinern. Um unsere Umweltziele zu erreichen, setzen wir am besten auf unsere Füsse, das Velo und den öV. Aber dort, wo es nicht anders geht, sind E-Autos immer noch besser als solche mit Verbrennungsmotoren.


Aus Sicht der velofahrenden Tempo-30-Fans macht der Stadtrat in seinem Geschwindigkeitsplan zu viele Kompromisse zugunsten des motorisierten Individualverkehrs.

Der Plan, den der Stadtrat beschlossen hat, ist ein grosser Schritt im Vergleich zu dem, was bisher in Sachen Tempo 30 passiert ist. Aber ich frage mich auch, weshalb das, was nun am Rosengarten möglich ist, z. B. an der Badenerstrasse nicht gehen soll. Dort wohnen ebenfalls viele lärmgeplagte Menschen. Dass sich Tempo 30 nicht von heute auf morgen umsetzen lässt, ist zudem bekannt – der Stadtrat hätte durchaus früher aktiv werden können.


Häufig genannte Argumente gegen Tempo 30 auf Hauptachsen sind drohender Schleichverkehr und die Einschränkung des öV.

Bei der Erarbeitung des Geschwindigkeitsplans hat der Stadtrat speziell auf diese Thematik geachtet, und zudem gibt es immer ein Monitoring. Schleichverkehr wird nicht geduldet. Was den öV betrifft, möchte ich daran erinnern, dass die Busse in der Stadt Zürich mit rund 15 bis 20 km/h unterwegs sind… 30 km/h wären toll! Wo der öV heute im Stau steckt, sind Lösungen gefragt. Niemand will den öV ausbremsen.


Hand aufs Herz: Mit dem Velo macht Tempo 30 Spass. Aber mit Autos, die über 100 km/h hergäben? Da wäre es ehrlicher, das Autofahren in der Stadt zu verbieten.

In unserer Stadt wohnen viele verschiedene Menschen, und wir müssen auf alle Rücksicht nehmen. Mit Tempo 30 wird der Autoverkehr verstetigt. Die Zukunft der städtischen Mobilität jedoch gehört nicht dem Auto: Es ist nicht effizient, 80 Kilo Mensch in zwei Tonnen Stahl fortzubewegen.


Was haben wir davon, wenn wir Sie in den Stadtrat wählen?

Ich setze mich dafür ein, Netto-Null möglichst schnell zu verwirklichen, aber auch für mehr bezahlbaren Wohnraum und ein sicheres Veloroutennetz. Ich bringe viel politische Erfahrung aus dem Gemeinderat und der SP mit. Zudem habe ich lange – auch als Führungsperson – in Verwaltungen gearbeitet und kenne mich mit den dortigen Abläufen und Gepflogenheiten aus.

 

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