Wenn…

Wenn etwas nervt, dann das, dass wir nach der verlorenen Abstimmung scheints auch noch den Siegern zuhören müssen, auch wenn sie nichts Neues vertreten, sondern nur ihre alten Interessen. Dabei war das CO2-Gesetz derart weich(sinnig) gespült, dass man sich fragen darf, ob das nicht sein Untergang gewesen ist. Dennoch schreien sie nun nach noch ‹liberaleren› Ideen, nach noch sorgsamerer Schonbehandlung der Erdölwelt oder nach Gaskraftwerken, die man aber, das muss man sich mal vorstellen, sofort klimakompensieren müsste. Das ist, wie wenn man sagen würde, ihr dürft schon mit Stinkbomben werfen, aber nur, wenn ihr gleichzeitig Duftbäumchen aufhängt. 

 

Wenn es eine Stunde der Selbstgerechten gibt, die schon immer wussten, dass diese Klimahysterie ja nur das Geschrei von wohlstandverwahrlosten Kids sei, dann ist sie jetzt da. Wobei verschleiert wird, dass bei der Ablehnung all der Umweltvorlagen jede Menge Geld im Spiel gewesen ist. Vielleicht ist das überhaupt die einzige richtig neue Erkenntnis, die man aus diesem Debakel ziehen muss: Wir sollten die finanzielle Gewalt derer nicht unterschätzen, die sich existenziell bedroht fühlen – weil sie es auch sind. Wer heute noch Öl, Gas und Umweltgifte verkauft, der ist morgen aus dem Markt. Wer derart mit dem Rücken zur Wand steht, dem wachsen Kräfte für Rückzugsgefechte.

 

Wenn ich etwas nicht verstehe, dann das Argument der Bevormundung. Es scheint uns nicht gelungen zu sein zu vermitteln, was eine nachhaltige Entwicklung ist. Um es in der Definition der Weltbank zu sagen: Es geht um die Erhaltung und Ausweitung von «opportunities people face». Also um die Ausweitung von Handlungsspielräumen, nicht um deren Einschränkung! Wenn wir täglich ein paar Arten ausrotten, unser Trinkwasser vergiften, die Böden zubetonieren oder das Klima rasant verändern, dann machen wir den Sack zu, nicht auf. Dann schränken wir die Handlungsspielräume der kommenden Generationen ein, nicht umgekehrt.

 

Wenn die KlimaaktivistInnen Schuld am Debakel hätten, dann wäre das ja der beste Beweis, dass sie Einfluss auf die Politik haben. Ich erlaube mir Zweifel. Aber ihr Argument stimmt, dass es um das gesamte System geht, weniger um individuelles Verhalten. Daher hat der grüne Zürcher Baudirektor recht, wenn er sagt, wenn ihr schon lenken wollt, dann lenkt auch wirklich. Diese Rappenbeträge, um die es ging, die lenken aber nicht, sondern verursachen nur Kosten. Wenn wirklich saftige Abgaben erhoben und wieder rückerstattet würden, dann ist plötzlich das System anders und es erzeugt auch mehr GewinnerInnen. Und andererseits haben diejenigen Recht, die sich in ihren Freiheiten behindert sehen, etwa in der Freiheit, verschwenden zu dürfen. Und die waren offenbar in der Mehrheit.

 

Wenn es der SVP gelungen sein sollte, aus der Klimafrage eine soziale Frage zu machen, dann beweist das nur, wie krank das von ihr verteidigte System ist, denn es macht nicht nur unsere Gesundheit und die Umwelt kaputt, sondern auch ärmere Menschen. Wenn die Pestizidgurke billiger ist als die Biogurke, liegt die Schuld nicht bei bio. Darum bin ich klar für Verbote, denn sie sind gerecht, effektiv und demokratisch. Gerecht, weil sie für alle gelten und nicht nur für Arme, effektiv, weil sie flächendeckend gelten und damit maximal wirksam sind, und demokratisch, weil sie durch Abstimmungen legitimiert sind.

 

Wenns also nach mir ginge, wir müssten einfach den Klimawandel verbieten.

 

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