Wecken

Langjähriges humanistisches Engagement zahlt sich mit Erb:innen des Aktivismus aus.

In Brasilien herrschte zu Beginn der 1970er-Jahre noch immer das Militär mit diktatorisch strenger Hand, als Claudia Andujar (*1931) das Volk der Yamomani im entlegensten Amazonas mit ihrer Kamera besuchte und gleich für mehrere Jahre blieb. Denn, um in einem Portrait die Persönlichkeit einzufangen, benötigt es gegenseitiges Vertrauen, und das kostet Zeit, sagt die während des Drehs 92-Jährige im Gespräch mit Heidi Specogna. Mit der forcierten Erschliessung der Bodenschätze des Amazonas durch die damalige Militärregierung wurde das bis ungefähr 1974 von der Aussenwelt komplett isoliert lebende indigene Volk plötzlich mit bislang unbekannten Krankheitserregern konfrontiert. Claudia Andujar half mit ihrer Fotografie eine Art von Krankheitsakten anzulegen, was auch die bis dato nicht behördlich erfassten Personen als individuelle Rechtspersönlichkeiten zu erfassen half. Ihre bereits früher als Fotografin für Zeitschriften wie ‹Life Magazine› erarbeitete Bekanntheit half ihr, ihr Engagement für das Wohlergehen der Yamomani in die Welt hinauszutragen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Mehrfach, so erzählt sie es im Film, wurde sie in ihrer Arbeit behindert und bedroht und eine Aussicht auf das Erlangen einer Veränderung gegenüber einem derart übermächtigen Gegner wie den Allmachtsfantasien pekuniärer Gier stand konstant in Zweifel. Heute haben sich lokale Erbinnen etabliert, die sich mit Kamera und Tonband der Vermittlung der Geschichte wie der zurückliegend traditionellen Lebensweise verschrieben haben, was einerseits die Weltöffentlichkeit aufklärt wie es auch die Selbstbestimmtheit der Yamomani stärkt. Natürlich reduziert eine Frau in ihrem Alter ihren Anteil an den durch ihr unermüdliches Engagement erstrittenen Errungenschaften mittels eines Bescheidenheitsfilters, aber dieser vernebelt die regieseitige Betonung einer öffentlichen Ehrerbietung, ihre nicht hoch genug einzuschätzenden Leistungen ins richtige Licht zu rücken, in keinster Weise.

«Die Vision der Claudia Andujar» spielt im Kino RiffRaff.

25 Jahre sind nicht genug …

P.S. feiert eigentlich seinen 25. Geburtstag. Aber es könnte der letzte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe.