Von Luxus und Moden

 

Vor ein paar Jahren bekam ich Post. Nun gut, werden Sie sagen: tolle Kolumne, passiert mir ja nie. Aber solche Post bekommen Sie in der Tat nie, denn über der absolut richtigen Anschrift stand «Fidelio AG». Dabei handelt es sich nicht um die politisch korrekt schlachtreif aufgezogenen Schweinchen von Porco Fidelio, sondern um diesen Kleiderladen am Münzplatz. Also nobel. Und nein, ich wusste bis dahin auch nicht, dass ich der CEO dieses Ladens wäre.

 

Item, die Post kam von einem der angesagten Immobilienvermittler im Dunstkreis der Bahnhofstrasse und beinhaltete auch ein leckeres Mietangebot im leicht höher segmentigen Bereich, das ich leider, mangels Kleiderladens, ausschlagen musste. Ich stellte per Mail die Sache sofort richtig und schlug vor, mich aus der Adresskartei zu streichen. Es kam nie auch nur ein Echo, und ich wurde auch nie gestrichen.

 

Und da ich fand und immer noch finde, ich hätte dem Recht Genüge getan, lese ich seither immer gerne die Post, die mal aus Geschäftsberichten, mal aus weiteren Leckereien aus der mir ansonsten nicht sehr zugänglichen Welt des Luxus und der Moden besteht.

 

So auch letzthin. Kam doch ein Prospekt mit einer Kurzfassung der neuesten Retail Market Study. Kostet Sie ein Schweinegeld, falls Sie ein gedrucktes Exemplar kaufen wollen. Ich dagegen verfüge nun über die wichtigsten Appetithäppchen, die ich aber, ganz der alte Sozi, gerne mit Ihnen teile.

 

Zürich ist die fünf-teuerste Stadt der Welt, was die Mietzinsen betrifft. Wobei ich jetzt natürlich nur von den Retailern spreche, also von den Lädeli. Während Sie in New York satte 2512 Euro bezahlen, wenn Sie ums Verworgen an der Fifth Avenue Ihr Gemüse verkaufen wollen, und immer noch 1152 an der Madison Avenue, legen Sie bereits in London an der New Bond Street nur noch 1244 hin, an der bekannten Carnaby Street schlappe 573 oder in Paris an den Champs Elysées 1355 Euro –… wie bitte? Ach ja, ich vergass: per Quadratmeter und Monat, was dachten Sie denn!? Pro Jahr? Schnusig.

 

Zürich dagegen kostet Sie an der Bahnhofstrasse 1172 Euro, was ja heutzutage jedes Kind im Kopf in Franken umrechnen kann, und dann geht’s rapide abwärts, denn am Rennweg kostet es nur noch 354 und am Bellevue verdächtig ramschige 185 Euro. Das sind die Top-Preise. Der Durchschnitt beträgt gemässigte 881 Euro an der Bahnhofstrasse und 232 am Rennweg. Wenn Sie also ein Lädeli von 100 m2 an der Bahnhofstrasse betreiben wollen, dann liefern Sie … über eine Million an Mietzinsen ab (ich musste das im Taschenrechner zweimal eingeben, pardon). Da soll noch einer behaupten, die Personalkosten seien in der Schweiz der grösste Anteil bei den Betriebskosten.

 

Aber man soll ja nicht nur vom Geld reden. Es gibt weitere wichtige Nachrichten aus der Retail-World. So etwa, dass die TokioterInnen wahnsinnig sind vor Freude, denn IWC Schaffhausen eröffnete endlich seine lang ersehnten Boutique in Ginza. Oder, dass Indiens führende Luxus-Uhrenmarke ausgerechnet Ethos heisst. Oder dass der Plastikspielwarenhersteller Toys«R»Us jetzt endlich auch in Wuhan zu finden ist. Oder dass IKEA ein Lädeli in Xi’an eröffnet, dem Geburtsort, wie die Studie weiss, einer der ältesten Kulturen der Welt. Da fehlte wirklich nur noch das Billy-Regal. Oder das Kinderbett «Gutvik». Oder schliesslich, dass es in Lima kein Problem mehr sei («not surprising»), 50 000 Dollars für ein paar Anzüge von Ermenegildo Zegna auszugeben.

 

Und so weiter. Ich weiss, Sie hätten gerne noch mehr gehört, aber mein Platz hier ist beschränkter als an der Bahnhofstrasse. Mein Fazit: Mann, was bin ich froh, dass ausgerechnet ein paar SozialdemokratInnen sich dafür einsetzen, dass der Manor an der unteren Bahnhofstrasse bleiben darf! Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

 

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