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Vom Moor zur Metropole
Die Idee, einen durchgehenden Wanderweg entlang der Sihl – von ihrer Quelle im Ybrig bis zum Zusammenfluss mit der Limmat in Zürich – zu schaffen, hatte Peter Marty, Kulturingenieur ETH und Dozent an der ZHAW in Wädenswil schon länger. Aufgewachsen in Schindellegi, mit familiären Wurzeln in Einsiedeln und seit über 20 Jahren in Thalwil zu Hause, kennt er die Sihlregion aus persönlicher Verbundenheit und beruflicher Erfahrung. «In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit nachhaltiger Regionalentwicklung. Natur- und kulturnaher Tourismus spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Sihllandschaft hat dafür enormes Potenzial», sagt Marty. Der entscheidende Impuls kam 2021 durch das Buch «Die wilde und die zahme Sihl» von Jean-Daniel Blanc. Marty sprach mögliche Partner:innen an. Im September 2022 trafen sich in Schindellegi Vertreter:innen der Schwyzer und Zürcher Wanderwege, regionaler Tourismusorganisationen und von Zug Tourismus. «Das Echo war positiv – der Grundstein war gelegt.»
Route mit Hindernissen
Der Weg von der Idee bis zur fertigen Route war alles andere als ein Spaziergang. «Die grösste Schwierigkeit war, einen durchgehenden, attraktiven Verlauf über drei Kantone zu finden», so Marty. Die Strecke sollte möglichst nah am Fluss bleiben, doch in manchen Abschnitten fehlen geeignete Wege. In den Moorgebieten des Sihlhochtals ist eine neue Erschliessung schwierig. «Auch den Wunsch, die Staumauer des Sihlsees einzubinden, konnten wir nicht umsetzen.» Hinzu kamen unterschiedliche Erwartungen: Der Bezirk Einsiedeln wollte das Klosterdorf als Etappenort einbinden, SchweizMobil hingegen forderte ein thematisch fokussierteres Angebot. Die Aufnahme als regionale SchweizMobil-Route scheiterte schliesslich an einer formalen Hürde, da ein kurzer Streckenabschnitt in der Stadt Zürich nur auf kommunaler, nicht auf kantonaler Ebene als Wanderweg eingetragen ist.
Drei Kantone, viele Zuständigkeiten
Ein Projekt über drei Kantone bedeutet auch drei verschiedene Verwaltungsstrukturen, Verantwortlichkeiten und Abläufe. «Teilweise mussten wir erst herausfinden, wer überhaupt zuständig ist», erzählt Marty. Die enge Zusammenarbeit mit den kantonalen Wanderwegorganisationen und regionalen Tourismusstellen habe aber geholfen, über Umwege an der richtigen Stelle zu landen.
«Die Konzept- und Startphase von 2022 bis 2025 wird vollständig durch Sponsorengelder finanziert», sagt Marty. Hauptsponsorin ist die Zürcher Kantonalbank. Weitere Mittel stammen von Gemeinden, Bezirken und Institutionen entlang der Route. Die Neusignalisation wird von Sponsoren finanziert, der Unterhalt derselben liegt im Rahmen ihres regulären Auftrags bei den kantonalen Wanderwegorganisationen.
Mehr als ein Wanderweg
Der Sihl ErlebnisWeg ist zunächst bewusst einfach gehalten. Er ist ein klassisches Wanderangebot – ohne zusätzliche Installationen. Thematische Schwerpunkte wie Moorlandschaften, Wasserkraft oder Naturgefahren werden über Karten, digitale Plattformen und Partnerkommunikation vermittelt. «Langfristig sehe ich den Weg als Plattform für lokale Anbieter:innen», sagt Marty. Denkbar sind geführte Touren, thematische Kooperationen mit dem Naturerlebnispark Sihlwald oder Angebote von Wasserkraftbetreibern. Voraussetzung sei allerdings, dass die Akteur:innen vor Ort das Potenzial erkennen und selbst aktiv werden.
Beteiligung vor Ort
Von Anfang an wurden Gemeinden, Tourismusorganisationen und Landbesitzer:innen in das Projekt eingebunden. Die Route folgt vollständig dem bestehenden Wanderwegnetz – neue Infrastruktur war nicht nötig. Das erleichterte die Abstimmung mit Behörden und Grundeigentümer:innen. «Das Projekt steht für sanften Tourismus, gesteigerte Wertschöpfung und eine stärkere Identifikation mit der Sihllandschaft – von der Quelle bis in die Stadt», fasst Marty zusammen.
Heute Freitag, 5. September wird der Weg offiziell eröffnet. Dann beginnt, was sich Peter Marty für die Zukunft wünscht: Dass Menschen die Landschaft bewusst erleben und ihre besonderen Qualitäten erkennen. «Wenn der Sihl ErlebnisWeg nicht nur Landschaften, sondern auch Menschen verbindet, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.»