Volkselite

Und? Gute Vorsätze bereits verschlampt? Ist auch besser so, denn zuerst müssen wir wiederkäuen. Aus aktuellem Anlass, aber dazu später, das Thema Volk und Elite. Auch nach gefühlten 1000 Analysen habe ich immer noch kein gutes Bauchgefühl, und kommen Sie mir jetzt nicht mit den Weihnachtsguetsli. Neu ist dieser Spalt, Riss, Kluft oder was auch immer, ja nicht. Neu ist die Unverfrorenheit, mit welcher ein Teil der Elite damit umgeht. Warnten nicht schon unsere Urgrossmütter davor, dass der Teufel nur etwas extrem gut beherrscht, nämlich uns glauben zu machen, dass es ihn nicht gibt? Eben.

Der Trump kann das auch, die SVP schon lange. Vorgetäuscht wird dabei Volksnähe. Ich muss dazu mal kurz was aufarbeiten: Wussten Sie, dass ein knappes halbes Dutzend der Spitzeneishockeyclubs in der Schweiz in SVP-Hand sind? Es handelt sich dabei um Privathobbies von SVP-Millionären, denn Sport ist kein Geschäft. Peter Spuhler ist so einer. Selber stabile 1250 Millionen schwer, hat er es geschafft, der Stadt Zürich, über welcher bekanntlich der Pleitegeier kreist, 120 Millionen für ein neues Stadion aus den Rippen zu leiern, nur um sie im Gegenzug mit Einsprachen bei der Trambeschaffung zu blockieren, was teures Geld kostet. Das ist dann wohl eine der Taten, die der Köppel leistungselitär nennen würde. Ich nenn’s: dem Volk auf die Kappe scheissen.

Allerdings haben wir dem ja zugestimmt. Daher ist man schwer versucht zu kalauern: Jedes Volk hat die Elite, die es verdient. Dass die Reichen grad mal am Drücker sind – bei uns ja schon etwas länger –, ist vor dem Hintergrund der Problemlage allerdings fatal, denn der Brandstifter spielt den Feuerwehrmann. In Schlagworten: Die Profiteure des freien Ausbeuterhandels trocknen die Tränen der GlobalisierungsverliererInnen und trösten sie mit postfaktischen Wahlversprechen. Ganz schön keck, es hat aber eher etwas mit fehlendem Klassenbewusstsein beim Volk als mit Populismus bei der Elite zu tun. Insofern ist unser guter Vorsatz für die nächsten Jahre klar: Den Leuten wieder bewusstmachen, wer für und wer gegen sie ist. Denn war es nicht einmal so, dass sich die Gewerkschaft für die Arbeitenden eingesetzt hat und nicht der Reagan oder die Thatcher? Die haben sich um die Gewerkschaften gekümmert und in der Folge unbehindert Arbeitsplätze vernichtet. Und deren Nachfahren besänftigen heute die Arbeitslosen mit flotten Sprüchen und fremdenfeindlichen Parolen. Quasi «das Eiapopeia vom Himmel» reloaded. Irgendwie so geht das. Warum, ist mir immer noch nicht klar.

Ach ja, der Anlass: Nun, seit kurzem wohne ich am Zürichberg. Ziemlich weit oben, dort, wo sich Fuchs und Milliardär Gute Nacht sagen. (Einen Fuchs habe ich zwar bis anhin noch nicht gesichtet, aber die Eingeborenen behaupten, dass es ihn hier gebe.) Die Gegend ist sehr, sehr, sehr ruhig und das Gelände derart stotzig, dass der Lieferwagen vom Feinkostgeschäft im Winter die Ketten montieren muss, wenn er das Abendessen liefert. Die nächstgelegene Beiz ist The Dolder Grand, wo das Kännchen Kaffee – die Sorte, bei der die Kaffeebeeren von so einem exotischen Vogel gefressen und unverdaut wieder ausgeschissen wurden – um die 20 Franken kostet. Wenn ich durch mein Quartier spaziere, lerne ich, was Elite bedeutet. Filterblase ein Dreck dagegen.

Aber auch das, liebes Volk, ist ein Teil von euch, und ich jedenfalls bin gespannt wie ein ZSC-Schal zwischen zwei Fans, was mir 2017 sonst noch so alles bringen wird.

 

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