- Kultur
Vierstimmig
Direkt hinter dem Theater Rigiblick steht eine Freiluftbühne, was es ermöglicht, statt wie drin auf die Bühne herabzublicken, zu den Künstler:innen hinaufzuschauen. Verblüffend: Aber gefühlt macht das einen Unterschied. Fabienne Louves, Freda Goodlett, Tyssa Montemouhin und Alina Amura sind allesamt stimmgewaltige Sängerinnen, die sich in Timbre, Stimmumfang und Klanghelligkeit indes deutlich unterscheiden, resp. bei Bedarf ebendiese entscheidende Nuancierung herzustellen vermögen. «Soul Sisters! Tribute to The Next Generation» passt als Feelgood-Erlebnis mit durchaus politischem Unterton sehr gut zur aktuellen, auch wetterbedingt aufgehellten Stimmungslage. Daniel Rohr lässt als Erzähler und teilweisen Backgroundmitsänger Romeo Meyer den Vortritt und ein Oktett alias Kleinbigband aus Keyboard, Schlagzeug, Gitarre, Bass und vier (!) Bläsern verleiht dem musikalischen Potpourri aus Soul, Rhythm’n’Blues, Funk und HipHop einen mitreissenden Drive. Im ersten Teil an der Premiere waren die Stingstimmen gegenüber der Musik noch etwas zurückhaltend abgemischt, was aber nach der Pause korrigiert worden ist und das Hinaustragen einer Grundeuphorie (oder Wehmut, je nach Titel) in ein emotional ansteckendes Musikfest verwandelte. Die Arrangements wurden teilweise vereinfacht. Im Fall von «Killing me softly with his song» ist neben dem eigentlichen Original der Interpretin Roberta Flack direkt der Zweiterfolg zwanzig Jahre später durch die Interpretin Lauryn Hill zu hören, was letztlich zum schlagenden Beweis für die Dringlichkeit dieses Abends wird und mit «I’m every woman» wiederholt wird: Es geht um die Stärke von Songs, die so oder so interpretiert gleichermassen ergreifend wirkt. Der Ausflug in die Geschichte weiblicher Schwarzer Stimmen beginnt mit Aretha Franklin und endet bei Beyoncé Knowles und versammelt eine kaum mehr überschaubare Anzahl an Grammy Awards in meist allgemein bekannten Ohrwürmern, aber auch inhaltlich bedingt ausgewählten Raritäten. Besonders schön ist die augenscheinlich harmonische Zusammenarbeit der vier Sängerinnen, die sich die Interpretationen von Tina Turner (rauchig = Freda Goodlett) und Whitney Houston (engelsgleich = Fabienne Louves) untereinander gemäss der Passgenauigkeit ihres Stimmvermögens teilen. Etliche der Evergreens animieren das Publikum zum insgeheimen Mitsummen bis Flüstersingen, im Mindesten zum Fusswippen oder gar einem begeisterten Mitklatschen. Es ist Party und entsprechend die Stimmung.
«Soul Sisters! Tribute to The Next Generation», bis 1.7., Open Air-Bühne, Theater Rigiblick, Zürich.